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Internetseite blockiert? : Schilder-Gate sorgt für neuen Ärger bei Opel-Partner

Handarbeit: Ein Mitarbeiter einer Fremdfirma entfernt den Betriebsrats-Aufkleber am Segula-Haus in Rüsselsheim Bild: IG Metall

Opel-Partner Segula sorgt für weiteren Unmut in der Belegschaft. Die Internetseite der IG Metall Darmstadt sei für betriebliche Computer gesperrt, heißt es. Und dann ist da noch der Streit um ein Schild.

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          Wer eröffnet und leitet in Frankreich gemeinhin eine Sitzung eines Betriebsrats? Genau: Der Betriebsleiter macht das, was hierzulande die Aufgabe des gewählten obersten Arbeitnehmervertreters in einer Firma ist. Das mag ein Grund für das Fremdeln von Managern französischer Unternehmen mit den hiesigen Gepflogenheiten sein. Längst legendär ist die knapp drei Jahre alte Aussage von Carlos Tavares als Chef der Opel-Mutter PSA: „Wir lernen noch, was Mitbestimmung in Deutschland heißt.“

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          In französischer Hand befindet sich auch der Opel-Partner Segula Automotive in Rüsselsheim. Der Dienstleister liegt seit Wochen mit Arbeitnehmervertretern wegen des geplanten Abbaus von gut 100 der 850 Stellen über Kreuz. Und hat nun zumindest nach Darstellung der IG Metall zwei weitere Baustellen im Betrieb eröffnet, die für deutsche Firmen ungewöhnlich anmuten.

          So hat Segula im betriebsinternen Netzwerk die Internetseite der IG Metall Darmstadt blockiert, wie die Gewerkschaft meldet. Wie aus Arbeitnehmerkreisen zu hören ist, geht das seit Wochen so. Schon im April haben demnach Beschäftigte vergeblich versucht, am Rechner im Büro die Seite ihrer Gewerkschaft aufzurufen. Und dann sorgt Segula für Unmut durch eine plakative Aktion zu Lasten der Arbeitnehmervertreter: Laut IG Metall hat die Firma einen erst vor wenigen Wochen angebrachten Schriftzug von der Glasfront des Betriebsratsbüros entfernen lassen. Eine Segula-Sprecherin bestätigt den Vorgang. Allerdings bestreitet sie die von der IG Metall ins Felde geführte angeblich vorangegangene Erlaubnis des Managements, den Schriftzug anzubringen.

          „Befremdliche Methoden“

          Wie die Gewerkschaft mitteilt, hatte der Betriebsrat Ende 2019 von Segula eine „mündliche Genehmigung“ erhalten, die Glasfront vor seinem Büro „mit dem Betriebsrats-Schriftzug bekleben zu dürfen“. Anschließend habe es einige Zeit bis zur Freigabe des neuen Segula-Logos gedauert. Dadurch hätten die Arbeitnehmervertreter den Schriftzug auch später als geplant in Auftrag geben können. Die Folgen der Corona-Pandemie hätten demnach zusätzlich verzögert, den in blau gehaltenen plakativen Hinweis auf das Gremium anzubringen.

          Unversehrt: Betriebsrats-Aufkleber am Segula-Haus in Rüsselsheim vor dem Einschreiten des Managements
          Unversehrt: Betriebsrats-Aufkleber am Segula-Haus in Rüsselsheim vor dem Einschreiten des Managements : Bild: IG Metall

          „Das sind befremdliche Methoden, um den Betriebsrat einzuschüchtern und in seiner Arbeit zu behindern und gehören nicht in eine demokratische Kultur der Mitbestimmung. Das ist eine Unverschämtheit“, meint Ulrike Obermayr, Geschäftsführerin der IG Metall in Darmstadt, mit Blick auf die Entfernung des Schriftzugs und der Sperrung der Internetseite.

          Die Segula-Sprecherin hält aber in beiden Fällen dagegen: Es habe „keine Zusage von Seiten des Unternehmens gegeben, dass der Betriebsrat an der Außenfassade des Gebäudes ein Schild anbringen kann“. Die Geschäftsleitung habe den Betriebsrat gebeten, das Schild eigenständig zu entfernen, dieser habe aber nicht reagiert. „Da die Außenfassade nicht beschriftet wird, haben wir das Schild entfernen lassen“, so die Sprecherin der Firma zur F.A.Z. Und: „Das Betriebsratsbüro ist innerhalb des Gebäudes ausgeschildert.“ In Bezug auf eine Sperrung der Internetseite der IG Metall Darmstadt sei der Firma nichts bekannt.

          Der Betriebsrat selbst äußert sich nicht zu den beiden Streitpunkten. Dessen ungeachtet erfährt der erst seit wenigen Wochen zum Geschäftsführer ernannte Holger Jené weiter viel Vorschusslorbeer aus den Reihen der Arbeitnehmervertreter. Er habe offensichtlich mehr Weitblick als sein Vorgänger Martin Lange. Jené hat im Interview mit der F.A.Z. eine Kundenoffensive angekündigt. Nach seinen Worten soll Rüsselsheim zum Hauptstandort von Segula Automotive werden. An dem von Lange auf den Weg gebrachten Stellenabbau will er nach seinen Worten aber nicht rütteln.

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