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Schienenverkehr : Pannen-ICE kommt zur WM wieder

Die Deutsche Bahn AG plant nach Informationen dieser Zeitung, zur Fußballweltmeisterschaft im nächsten Jahr die 19 stillgelegten Diesel-ICE-Züge vom Abstellgleis zu holen, um den Ansturm der Fußballfans zu bewältigen.

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          Die Deutsche Bahn AG plant nach Informationen dieser Zeitung, zur Fußballweltmeisterschaft im nächsten Jahr die 19 stillgelegten Diesel-ICE-Züge vom Abstellgleis zu holen, um den Ansturm der Fußballfans zu bewältigen. Diese Züge der Baureihe 605 gelten als größtes Fahrzeug-Desaster in der Geschichte des Unternehmens. Schon bald nach der Jungfernfahrt im Juni 2001 mußten die ursprünglich 20 ICE TD wegen vieler Pannen wieder ins Werk. Einer fiel irgendwann von einer Hebebühne, da waren es nur noch 19. Vor zwei Jahren verhängte das Eisenbahnbundesamt ein Fahrverbot, weil die teuren Neigetechnikzüge (Kaufpreis: rund 150 Millionen Euro) Schwierigkeiten mit den Achsen hatten.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Hersteller besserten nach, trotzdem entschied die Bahn, die Diesel-ICE auf dem Abstellgleis zu lassen. Es hieß, selbst wenn alles funktioniere, seien die Betriebskosten zu hoch. Man überlegte, sie ins Ausland zu verkaufen. Ein Diesel-ICE wurde nach Wien gebracht, wo die Österreichische Bundesbahn ihn auf Herz und Nieren prüfen konnte - sich aber für andere Züge entschied. Selbst eine Delegation aus Iran soll sich die ICE TD angeguckt haben, um über einen möglichen Kauf zu entscheiden. Als letztes hörte man von Interesse der Dänischen Staatsbahn DSB.

          Hohe Kosten für die Betriebsbereitschaft

          Die Deutsche Bahn AG soll aber gerade bei entlegeneren Staaten Zweifel gehabt haben, ob sie die Züge wirklich für den Einsatz im eigenen Land kaufen wollten. Was Bahnchef Hartmut Mehdorn wohl nicht gefallen hätte, wäre ein Kauf durch ausländische Strohmänner gewesen, denen es in Wirklichkeit darum gegangen wäre, Bahn-Konkurrenten im Inland wie Connex oder die Hamburger Hochbahn mit ICE-Zügen zu versorgen.

          Was man derweil von den Diesel-ICE-Zügen hört, die irgendwo im Süddeutschen, teils wohl in Hof, abgestellt sind, ist nicht schön. Etwa 500.000 Euro im Jahr müsse die Bahn aufwenden, wird gemunkelt, um die Züge betriebsbereit zu halten. Sie werden regelmäßig auf dem Abstellgelände hin und her gefahren, gelüftet und an die stationäre Stromversorgung angeschlossen, damit die Klimaanlage laufen kann und die Inneneinrichtung nicht verschimmelt.

          Nun sollen sie also wieder auf regulären Strecken zum Einsatz kommen. Zum Teil müssen Lokführer offenbar geschult werden, damit sie bei der Bedienung nach der langen Zeit alles richtig machen. Die Einsatzpläne sollen noch nicht stehen, hört man aus Bahnkreisen. Es soll sich aber um die wichtigsten Magistralen zwischen Hamburg und München handeln, in deren Zentrum Frankfurt liegt - so daß wohl eine gewisse Chance bestehen könnte, im nächsten Jahr auch am Main einen von ihnen zu sehen. Ursprünglich waren die Züge zwischen Nürnberg und Dresden und zwischen München und Zürich im Einsatz gewesen.

          Unabhängigkeit vom Stromnetz

          Die Stärke der ICE TD ist ihre Unabhängigkeit vom Stromnetz durch den dieselelektrischen Antrieb: Dieselmotoren treiben Generatoren an, die wiederum Elektromotoren mit dem gerade benötigten Strom versorgen. So schaffen die Züge immerhin Tempo 200 auf Bahnstrecken ohne Oberleitung. Außerdem verfügen sie über sogenannte Neigetechnik: Sie können sich wie ein Motorradfahrer in die Kurven legen und diese deshalb schneller nehmen als herkömmliche Züge. Bei Inneneinrichtung und Design sind sie normalen ICE-Zügen ähnlich, auch wenn sie kürzer sind und weniger Sitzplätze haben.

          Zur Weltmeisterschaft werden die ICE TD dem Vernehmen nach Verstärkungs- und Entlastungszüge. Zusätzliche Trassen, das sind Plätze im Fahrplan, wurden schon im April beantragt. Die Bahn rechnet damit, daß die rund 3,2 Millionen WM-Besucher auch auf der Schiene das Geschäft erheblich steigern werden. Immerhin sind alle zwölf WM-Städte ans ICE-Netz angeschlossen. Fördern will das Unternehmen die Anreise mit dem Zug durch attraktive Angebote. Neben einem WM-Paß für die gesamte Zeit soll es für WM-Karten-Inhaber ermäßigte Hin- und Rückfahrkarten zu den Spielen geben. Im Nahverkehr sollen Eintrittskarten für die Spiele als Fahrkarten gelten.

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