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Spar-App-Anbieter : Verwirrspiel um Fintech Savedroid

Das Fintech Savedroid sammelt 40 Millionen Euro ein und dann das: Website tot, der Chef abgetaucht. Anleger fürchten um ihr Geld. Nun schaut die Staatsanwaltschaft hin.

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          Ob sich Yassin Hankir mir dieser beispiellosen Aktion einen Gefallen getan hat? „Wir glauben, dass sie uns am Ende mehr nützt als schadet“, sagt der Gründer und Vorstandschef der Frankfurter Savedroid AG. Gemeinsam mit seinem guten Dutzend Mitarbeitern war der frühere Projektleiter der Unternehmensberatung McKinsey zur Wochenmitte einen Tag lang abgetaucht – und hat damit unter seinen Kunden und anderen Gründern für helle Aufregung gesorgt. Auch hat der Vorgang die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Lief doch im Internet das Gerücht um, der Anbieter einer Spar-App könnte viele Anleger betrogen haben. Zumal das im Juni 2015 gegründete Unternehmen erst in diesem Frühjahr eine eigene virtuelle Währung erfunden und von Anlegern 40 Millionen Euro eingesammelt hat. Im Gegenzug hat das Start-up aus der ebenfalls jungen, kurz Fintech genannten Finanztechnologie-Branche sogenannte Token zugeteilt: Wertgutscheine für künftige Dienste von Savedroid. 200 000 Mal ist die Spar-App auf Smartphones und Tablets heruntergeladen worden, wie Hankir sagt. Vor diesem Hintergrund hatte sich seine Firma den Ruf eines Vorzeige-Fintechs am Main erworben, neben den Indexfonds-Vermittlern Ginmon und Vaamo. Seit Mittwoch aber hat ihr Image tiefe Kratzer bekommen.

          Abschiedsgrüße per Twitter

          Das war geschehen: Statt des üblichen Internetauftritts erschien all jenen, die die Savedroid-Internetseite aufriefen, ein Mann mit weit aufgerissenen Augen, eine Comicfigur aus der Fernsehserie „South Park“, und dazu der Hinweis „Aannnd it’s gone“. Telefonate mit der Zentrale liefen ins Leere, es meldete sich nur eine Bandansage. Hankir selbst meldete sich über den Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort mit dem Spruch „Thank guys! Over and out...“ und zwei Bildern; das eine zeigt ihn mit erhobenem Daumen mutmaßlich auf dem Frankfurter Flughafen, das zweite eine Hand, die vor einer Strandkulisse eine Flasche einer ägyptischen Biermarke hält.

          Auf Anrufe reagierte Hankir aber ebenso wenig wie auf persönliche Tweets, die für die Öffentlichkeit nicht zu lesen sind. Allerdings war die App nicht beeinträchtigt, wie Nutzer im Internet berichteten.

          24 Stunden Ungewissheit

          Dessen ungeachtet tobten sich im Netz die Kritiker aus. Deutsche-Startups.de zum Beispiel meinte: „Savedroid ist tot. Ein Hackerangriff scheint unwahrscheinlich.“ Die Gründer-Szene müsse mit dem Schlimmsten rechnen, hieß es dort. Der Autor schimpfte vorauseilend: „Wenn es ein PR-Gag sein sollte, wäre es ein Fiasko.“ Bis Donnerstagvormittag blieb es bei der Comicfigur auf der Savedroid-Internetseite. Dann die Wende: Die Firma twitterte „Savedroid was here, is here and will be here“. Und: „After crazy 24h you for sure have many questions. We do owe you an explanation.“

          Wie recht Savedroid mit diesem Tweet hatte und noch hat, zeigt die Aussage des Chefs, er habe binnen 24 Stunden einige hundert Anfragen auf allen möglichen Kanälen erhalten. Einige Fragen hofft er nun durch sein Video zum Tweet seiner Firma beantworten zu können. Darin bekräftigt Hankir in englischer Sprache, dass Savedroid weiter für seine Kunden da sei. Der Gründer spricht des Weiteren von einer drastischen Aktion, die aber auf einen guten Zweck gezielt habe.

          An der Küste Wiesbadens

          Angesichts der Meldungen über Betrugsfälle rund um das junge Metier des sogenannten ICO (Initial Coin Offering), also der Ausgabe von Krypto-Geld wie jenes von Savedroid, habe er mit der geplanten Aktion wachrütteln und eine Diskussion über eine angemessene ICO-Regulierung anstoßen wollen. Savedroid habe zeigen wollen, wie leicht sich Anbieter von Krypto-Geld von dannen machen und düpierte Anleger zurücklassen könnten. „Das war kein Selbstzweck“, hob er hervor. Er sei am Mittwoch auch nicht im Ausland gewesen, wie der Tweet habe vermuten lassen – sondern in Wiesbaden.

          Wie Hankir weiter sagte, hat Savedroid mit hohen Wellen als Folge der Aktion gerechnet – „aber vielleicht nicht mit ganz so hohen“. Nun gehe es darum, die Wogen zu glätten und Aufklärungsarbeit zu leisten. Der Hintergrund: Savedroid unterliegt nicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, wie ein Sprecher der Behörde gestern sagte. Deshalb war die Behörde auch nicht mit dem ICO befasst. Hankir befürchtet angesichts politischer Diskussionen aber eine Regulierung, die diese junge Branche zu stark behindern und ins Ausland mit laxen Vorgaben treiben könnte. Das wäre wiederum zum Schaden der Anleger, mahnt er.

          Während er hofft, dass diese Argumente nicht in der Aufregung untergehen, droht Ärger mit der Justiz. „Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wird von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betruges einleiten“, teilte eine Sprecherin gestern mit.

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