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F.A.Z. exklusiv : Sanofi braucht in Frankfurt plötzlich Personal

Aufbau West: Im Industriepark Höchst muss Sanofi nun in der Insulinproduktion wegen neuer Vorgaben der FDA etwa 200 Stellen besetzen Bild: Sanofi

Binnen Jahresfrist hat Sanofi zwei Mal den Abbau von jeweils rund 140 Stellen in verschiedenen Betrieben in Frankfurt angekündigt. Doch nun muss der Arzneimittelhersteller ungeahnt Personal aufbauen. Das hat mit Amerika zu tun.

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          Vorgaben der amerikanische Arzneimittelbehörde FDA führen beim Pharmakonzern Sanofi im Industriepark Höchst zu einem ungeahnten Personalbedarf. Die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Beate Bockelt spricht von 200 offenen Stellen einschließlich Ingenieuren und Laborleitern. Das ist ein Grund, weshalb die Firma alles in allem in Frankfurt deutlich weniger Arbeitsplätze abbauen wird als befürchtet.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          140 Stellen stünden in der Verwaltung auf dem Spiel, hatte es vor knapp einem Jahr geheißen. Zudem werde die Firma weitere 38 Stellen von Forschern und 100 Arbeitsplätze von unterstützenden Mitarbeitern wie Laboranten im Geschäftsfeld Diabetes abbauen, verlautete im Frühsommer.

          Höhere Standards verlangt

          Doch nun steht fest: Statt 140 Stellen fallen im Zuge des Programms „Horizon 2020“ rund 90 Arbeitsplätze etwa im Personal- und Finanzwesen weg, wie Bockelt dieser Zeitung sagte. Vier Fünftel dieser Mitarbeiter verlassen das Unternehmen am Monatsende, in einem Jahr folgen die übrigen.

          Der Personalbedarf entstehe in der Insulinproduktion. Die FDA verlange höhere Standards in Qualitätskontrolle und Hygiene. Die Firma wolle Laboranten von einem Betrieb in den anderen verschieben. Theoretisch könnten die in der Forschung überzähligen Laboranten wechseln. Dafür müssten Mitarbeiter aber für die neuen Aufgaben qualifiziert werden.

          „Es wird einen Sozialplan geben“

          Dessen ungeachtet äußert Bockelt angesichts ihrer praktischen Erfahrungen mit Sozialplänen einige Zweifel an einer blockweisen Verschiebung von Labor-Mitarbeitern in die Insulinproduktion, zumal eine Anzahl Älterer darunter ist. „Da wird wohl ein anderes Angebot nötig werden“, meint die Arbeitnehmervertreterin. Und sagt voraus: „Es wird Abfindungen und einen Sozialplan geben.“

          Die Vorgaben der FDA treffen das Unternehmen in einer Zeit sinkender Erlöse mit Arzneien für Zuckerkranke. Der langjährige Kassenschlager, das Langzeitinsulin Lantus, wird dieses Jahr etwa drei Milliarden Euro einspielen. In der Spitze vor wenigen Jahren waren es noch gut sechs Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund fährt Sanofi die Diabetesforschung deutlich zurück und setzt mehr auf Antikörper etwa gegen Krebs. Mit solchen Mitteln lässt sich auch mehr verdienen als mit Medikamenten für Zuckerkranke. Zudem gelten die Aussichten auf wesentlichen Therapiefortschritte als vergleichsweise größer.

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