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Sanofi will Fabriken bündeln : Arzneiwirkstoffe für Europa sichern

Werthaltig: Chemiekessel im Werk Frankfurt-Höchst von Sanofi Bild: Sanofi

In diesen Tagen mangelt es hierzulande nicht nur an einem Allerwelts-Schmerzmittel. Nun will der Pharmakonzern Sanofi etwas gegen die Abhängigkeit Europas von Asien tun. Sein Werk Höchst spielt dabei eine wichtige Rolle.

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          In diesen Tagen mangelt es hierzulande an Paracetamol. Einem Allerweltsmittel gegen Schmerzen und Fieber. Gemeinhin hat eine Apotheke dieses Arzneimittel so griffbereit liegen wie ein Supermarkt etwa Würfelzucker. Viele Kunden kaufen aber das Mittel in größeren Mengen – im Glauben, wegen der Corona-Krise daheim zur Sicherheit ein fiebersenkendes Medikament zu benötigen. Auch andere Lieferengpässe stehen in Zusammenhang mit der Infektionswelle rund um den Erdball. Schilddrüsen-Patienten etwa erfahren in der Apotheken, bestimmte Dosierungen seien schwer zu bekommen. Hintergrund: Indien etwa hat zwei Dutzend Wirkstoffe für den Export gesperrt. In der Folge sind dort auch für Europa gedachte Mittel rar. Das spielt Jacques Brom in die Karten. Denn der Manager des Pharmakonzerns Sanofi wirbt auch in Frankfurt für ein ehrgeiziges Vorhaben. In Höchst betreibt Sanofi sein größtes Werk.

          Thorsten Winter
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Das Unternehmen will sechs seiner elf Wirkstoff-Fabriken in einer neuen Firma bündeln und die Einheit 2022 an die Börse bringen. Erklärtes Ziel: Die Firma solle die Versorgung in Europa mit Wirkstoffen sichern und die derzeit vielstimmig beklagte Abhängigkeit von Herstellern in Asien mildern helfen. So berichtete der Flörsheimer Arzneimittelhersteller Hennig über Lieferengpässe bei sieben in Indien produzierten Wirkstoffen.

          Zweitgrößte Fabrik sitzt in Frankfurt

          Alle sechs in Rede stehenden Fabriken von Sanofi liegen in Europa, zwei davon in Frankreich, je eine sitzt in Frankfurt, Ungarn, Italien und im Vereinigten Königreich. Der größte Standort findet sich in Frankreich, wie Brom sagte, der zweitgrößte am Main. Sanofi stellt im Werk Höchst schon von der Hoechst AG entwickelte Wirkstoffe her, wie das Herz-Kreislauf-Mittel Ramipril oder das Antiallergikum Fexofenadin. Unter anderem die für diese Wirkstoffe zuständigen Fabriken will das Unternehmen mit in die zu bildende Einheit einbinden.

          700 Beschäftigte sollen in die neue Firma wechseln, so die Idee. Insgesamt wird die Einheit 3100 Mitarbeiter zählen. Geht es nach ihm, dürften es mit der Zeit eher mehr als weniger Beschäftigte werden. „Der Name des Spiels lautet Wachstum“, hob er hervor. Das neue Standorte-Konglomerat wird die Nummer zwei in der Welt hinter dem Schweizer Lonza-Konzern bilden. Nichts Geringeres als ein „europäischer Champion“ schwebt ihm vor. Schon Broms ehemaliger Chef Jean-François Dehecq pries 2004 den Zusammenschluss der Arzneimittelhersteller Sanofi-Synthélabo und Aventis als „europäisches Projekt für Europa“ an.

          Das Unternehmen mit Brom an der Spitze soll seine Wirkstoffe auch an andere Pharmafirmen liefern und nicht nur an Sanofi. „Wir machen das schon seit Jahrzehnten“, sagte Brom. 600 Kunden für nicht mehr patentgeschützte Wirkstoffe zähle das Unternehmen derzeit schon. Die Verkäufe würden nach den Worten von Brom helfen, die Fabriken auszulasten, Kosten zu decken und Gewinne zu erwirtschaften. Denn obwohl die in Rede stehenden Wirkstoffe längst keinen Patentschutz mehr genießen und sich der Nachahmer-Konkurrenz stellen müssen, verdienen sie immer noch gutes Geld.

          Lieferengpässe bei Arzneien sind kein neues Phänomen. Vor zwei Jahren erregte die Nachricht, ein bestimmter Blutdrucksenker sei nicht lieferbar, für Aufsehen. Dabei handelte es sich um ein Mittel für Schwangere mit Bluthochdruck. Auch ein Krebsmittel war mehrfach nicht verfügbar, der einzige Hersteller hatte Lieferschwierigkeiten. Ein Notfallmittel für Bienengift-Allergiker war vor gut zwei Jahren auch kaum erhältlich. Selbst bei Ibuprofen, einem gängigen Schmerzmittel, gab es zwischenzeitlich Engpässe.

          Anrufen von anderen Pharmafirmen

          Will Sanofi angesichts dessen die neue Einheit bilden? Brom antwortet weder mit Ja noch mit Nein. Er verweist aber auf den Umstand, dass viele Antibiotika und ein bestimmter Entzündungshemmer aus Asien kommen. Doch nicht nur Indien liefert nicht wie gewohnt – auch in China klemmt es. Sei es, weil der Staat etwa aus Umweltschutzgründen Fabriken schließe, oder weil die Versorgung der chinesischen Bevölkerung Priorität hat. So sei seit dem Ausbruch der Corona-Krise ein Entzündungshemmer nicht ausreichend verfügbar.

          Chef: Jacques Brom ist designierter CEO der geplanten Wirkstoff-Einheit von Sanofi
          Chef: Jacques Brom ist designierter CEO der geplanten Wirkstoff-Einheit von Sanofi : Bild: Jean Chiscano/Sanofi

          „Wir haben Anrufe von anderen Firmen bekommen, die das Mittel von uns haben wollen“, berichtete Brom. Sanofi habe den besagten Wirkstoff parat und könne helfen. Die Produktion sei nicht trivial; die Synthese bedürfe einer Reihe von Schritten und dauere Monate. Auf die Frage, ob sich die nun von Sanofi belieferten Pharmafirmen später daran erinnern und bei seiner neuen Einheit als in Asien bestellen dürften, lächelte er fein.

          Brom hatte erst vor einigen Tagen den rund 500 Beschäftigten in Höchst das Projekt erläutert. Das Kapital der Einheit werde das Wissen und Können der Belegschaft sein. Er habe, berichtet er, in lächelnde Gesichter geblickt, als er von Wachstum sprach.

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