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Samson AG : Ventile für BASF, Peking und Olympia 2012

Die Frankfurter Samson AG lackiert Ventile mit cremefarbenem Pulver Bild: Unternehmen

Seit gut 100 Jahren schreibt die Samson AG in Frankfurt an einer Erfolgsgeschichte. Sie stellt Ventile für Brauereien, Chemiefabriken und Fernwärmenetze her und punktet international. Das Geschäft läuft so gut, dass auf dem neun Fußballfelder großen Stammgelände ein Neubau fällig ist.

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          Fabriken des Chemieriesen BASF und das Fernwärmenetz in Peking haben mit Anlagen von Sanofi-Aventis im Industriepark Höchst oder den Raffinerien des spanischen Ölkonzerns Repsol-Ypf eines gemeinsam: Sie laufen mit Ventilen der Samson AG aus Frankfurt. Seit 1916 sitzt das neun Jahre zuvor von Hermann Sandvoss ins Leben gerufene Unternehmen im Osten am Main - ein klassischer Vertreter der in Frankfurt unterbewerteten Industrie. Samson macht trotz stetig steigender Umsätze öffentlich nicht viel Aufhebens um sich, ist allerdings kaum zu übersehen: Wer über die Autobahn 661 fährt und sich der Hanauer Landstraße nähert, blickt beinahe unweigerlich auf das etwa neun Fußballfelder große Betriebsgelände des Spezialisten für Mess- und Regeltechnik.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          1364 der weltweit 3156 Beschäftigten arbeiten in den Gebäuden an der Weismüllerstraße, darunter 93 Lehrlinge. Zwar ist die Krise auch an Samson nicht spurlos vorübergegangen ist. Doch läuft das Geschäft derart gut, dass das Unternehmen nach der Erweiterung des Hochregallagers ein weiteres Gebäude errichten will oder, besser, muss, wie Vorstandschef Ludwig Wiesner sagt.

          „Im Alltag zu erleben, aber nie zu sehen“

          Aus Sicht des Unternehmens spielen die eigenen Produkte eine ähnliche Rolle wie die Computerchips von Intel oder AMD: „Im Alltag sind sie zu erleben, aber nie zu sehen“, meint ein Sprecher. Diese selbstbewusste Aussage scheint keineswegs übertrieben. Ventile von Samson finden sich nicht nur in Industriebauten, sondern zum Beispiel auch in Heizungs- und Klimaanlagen von Schulen oder Krankenhäusern wie dem Kasseler Klinikum, in Hotels, Theatern oder in Konzertsälen. Wenn es darum geht, den Durchfluss von Dämpfen, Gasen und Flüssigkeiten zu regeln, fühlt sich Samson zu Hause - so heißt es im Imagefilm, der auf der Internetseite gleich in zwölf Sprachen läuft.

          Klassischer Vertreter der in Frankfurt unterbewerteten Industrie: die Samson AG in Ostend, Global Player bei Ventilen
          Klassischer Vertreter der in Frankfurt unterbewerteten Industrie: die Samson AG in Ostend, Global Player bei Ventilen : Bild: Lucas Wahl

          Der internationale Auftritt spiegelt die Ausrichtung des Unternehmens wider. Samson sieht sich nicht allein als Marktführer in Deutschland bei Regelventilen, sondern ist ein Global Player. 49 Tochterunternehmen zählt der Konzern auf der Welt. 24 davon sind im Westen Europas ansässig, neun auf dem amerikanischen Kontinent, zehn in Asien, zwei im Nahen Osten. In Afrika hat Samson einen Abkömmling. Drei Töchter in Osteuropa nicht zu vergessen: „Dort ist noch eine Menge zu tun“, meint Vorstandschef Wiesner. Gilt Osteuropa doch ebenso wie Asien als Region, die im Vergleich zum Westen noch viel aufzuholen hat und deshalb Wachstumschancen bietet - auch für Mess- und Regeltechnik.

          Sommerspiele in London als Kunde

          Fabriken von Samson stehen außer in Deutschland auch in Frankreich, Italien, China, Indien, in der Türkei und in den Vereinigten Staaten. Samson hält sich unter anderem eine hohe Fertigungstiefe zugute. Zwar stellt das Unternehmen die Rohteile für Ventile nicht selbst her, sondern kauft die Gussteile aus Italien, Indien oder China ein. Allerdings bearbeitet es die Stücke durch automatisches Bohren, Fräsen und Drehen in Großmaschinen, die jeweils mehrere Millionen Euro kosten. Eine Waschanlage reinigt die Teile vor der Lackierung und macht sie zudem öl- und fettfrei - könnten solche Verunreinigungen doch sonst zu ungewollten chemischen Reaktionen führen, wenn die Ventile erst einmal eingesetzt sind.

          In der Lackiererei sprühen Düsen cremefarbenen Pulverlack auf, wobei auf Kundenwunsch auch Teile mit Nasslack farbig gespritzt werden. Samson bestückt aber auch Leiterplatten selbst, von Hand wie maschinell, und fertigt kleine Kunststoffteile. Letzteres passt zwar auf den ersten Blick nicht zum Geschäft. Samson verfährt dennoch so, denn auf diese Weise kann das Unternehmen seine Produkte schneller optimieren und direkt auf notwendige Änderungen reagieren, wie ein Sprecher erläutert.

          Ähnlich vielfältig wie die Aufgaben, die das Unternehmen selbst erledigt, ist die Kundschaft. In Deutschland, Holland und Skandinavien sowie anderen Ländern greifen Betreiber von Fernwärme- und -kälteanlagen ebenso wie Brauereien und die Lebensmittelindustrie auf Samson-Ventile zurück, die auch in Anlagen für die Olympischen Sommerspiele 2012 in London zum Einsatz kommen werden. Die Frankfurter fertigen und liefern nicht zuletzt explosionsgeschützte Ventile für Ölverarbeiter und Produkte für Luftzerlegungsanlagen, wie sie etwa der chinesische Anbieter Hang Yang baut, mit dem die Sulzbacher Industriegase-Hersteller Messer-Gruppe kooperiert.

          „Desertec“ als große Chance

          Zuletzt hat Samson in China eine Chemieanlage von Bayer ausgestattet, durch deren Rohrleistungen giftiges Phosgengas strömt. „Da braucht man absolute Sicherheit - und die gewährleisten wir“, heißt es an der Weismüllerstraße, von wo aus zuletzt 1000 Ventile für eine petrochemische Anlage, Ethylen-Cracker genannt, in den Vereinigten Arabischen Emiraten geliefert wurden. Zwölf Millionen Euro hat das Unternehmen laut Wiesner allein mit diesem Großauftrag erlöst.

          Auch Solarstromkraftwerke, in denen ein besonderes Öl die Sonnenenergie aufnimmt und in Dampf für die Stromerzeugung wandelt, laufen mit Samson-Ventilen. Zum Beispiel in Spanien. Und das in der Sahara geplante Milliardenprojekt „Desertec“, das einmal Sonnenstrom für Europa liefern soll, bedeutet nicht nur für Schott Solar aus Mainz als Lieferanten von Solarreceivern, die Sonnenstrahlen in Wärme wandeln, eine große Chance: „Das wäre ein Riesenfeld für uns“, sagt Wiesner.

          Goldene Nadel mit Diamant für ein halbes Jahrhundert im Betrieb

          Im vergangenen Geschäftsjahr hat die Samson AG die Umsatzmarke von mehr als 500 Millionen Euro geknackt und damit so etwas wie ein Traumziel erreicht. Denn, in D-Mark gerechnet, kommt dies der Umsatzmilliarde gleich. Der seit 1916 in Frankfurt ansässige Konzern plant mit weiterem Wachstum und kann sich dabei auf treue Beschäftigte stützen: Die Mitarbeiter sind im Durchschnitt seit 16 Jahren bei Samson tätig, 42 Jahre alt und haben zu zwei Dritteln bei Samson gelernt. 42 Prozent davon sind Facharbeiter, gut ein Fünftel Ingenieure und knapp ein Fünftel Techniker. Die Fluktuation liegt laut Vorstand bei 4,4 Prozent. Betriebstreue belohnt Samson, wie ein Sportverein, unter anderem mit Ehrennadeln: Für zehn Jahre gibt es Bronze, für 25 Silber, für 40 Jahre Gold und für 50 Gold mit Diamant. (thwi.)

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