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Saks Off 5th : Ein Härtetest nicht nur für die Goethestraße

Discount contra Edelboutiquen: Mode teurer Luxusmarken finden die Frankfurter neuerdings auch im Outlet-Haus Saks Off Fifth an der Hauptwache. Bild: Helmut Fricke

Bei Saks Off 5th in Frankfurt und Wiesbaden werden jetzt teure Marken verramscht. Wer will in Zukunft überhaupt noch regulär einkaufen?

          Das Marken-Paradies beginnt gleich links neben der Eingangstür. Armani, Moschino, Etro, Escada, Jil Sander, Prada – der neue, sogenannte Off-Price-Anbieter für Premium-Mode, Saks Off5th an der Frankfurter Hauptwache, hält, was er verspricht – zumindest in der Abteilung für Damen im Erdgeschoss. Ein Stockwerk höher fällt die Luxus-Welt schon etwas gewöhnlicher aus. Am Eingang aber sind alle namhaften Label, die der Kunde üblicherweise in den eigenen Geschäften der Marken an der Goethestraße findet und in exquisiten Boutiquen und Modehäusern mit einem breiten Premium-Marken-Angebot, den sogenannten Multilabelern, vertreten.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bisher arbeitet der Betreiber, die Kaufhof-Mutter Hudson’s Bay Company, mit 700 Marken zusammen. Täglich werden die Filialen mit neuer Ware beliefert – außer mit Textilien auch mit jeder Menge Sonnenbrillen, Taschen, Schuhen und Wohnaccessoires. Billig sind die Sachen, die maximal ein Jahr alt sind, keineswegs. Und auch mancher Kunde, der ein breites Luxus-Sortiment erwartet hat, wird enttäuscht. Zu Saks Off Fifth geht der Kunde, wenn er ein Teil on top braucht.

          Neues Format könnte Modemarkt durcheinanderwirbeln

          Markenjunkies wissen, dass das kurze Prada-Röckchen für 249 Euro ein Schnäppchen ist. Der Label-Laie versteht es spätestens beim Blick aufs Kleingedruckte des Etiketts. 699,90 Euro steht dort als Unverbindliche Preisempfehlung und: „You save 450,90 Euro.“ Noch verlockender: die Ersparnis für eine Popelin-Jacke von Jil Sander, die 299 statt 1442 Euro kostet. „You save 1143 Euro“. Das sind Zahlen, die markenbewusste Konsumenten glücklich machen.

          Der Kunde, da sind sich alle Handelsexperten einig, ist der Gewinner des neuen Billig-Marktes, der unter Fachleuten nur Off Price heißt. „Der Verbraucher bekommt Zugang zu einem Sortiment und einer Markenwelt, die er vorher nicht hatte“, stellt Martin Schulte, Experte für dieses Marktsegment beim Münchner Beratungsunternehmen Oliver Wyman, fest.

          Die Modewelt allerdings muss solche Preisabschläge auf Luxusartikel – das Unternehmen spricht von 30 bis 60 Prozent im Schnitt – als Frontalangriff verstehen. Vor gut einem Monat, mit der Eröffnung der ersten Saks Off 5th-Filiale in Düsseldorf, hat die Schlacht begonnen. Inzwischen hat Hudson’s Bay bundesweit vier weitere Häuser eröffnet. In Frankfurt und Wiesbaden wurden dafür die ehemaligen Sportarena-Filialen mit mehreren Etagen umgebaut, zwei Häuser mit vielen Quadratmetern in bester Innenstadtlage.

          Damit rücken die neuen Mode-Outlets der Konkurrenz empfindlich nah auf die Pelle. Branchenvertreter nehmen an, dass das neue Format den Modemarkt ordentlich durcheinanderwirbeln wird. Sie sehen vor allem die Kauf- und Modehäuser unter Druck, wenn in der Nachbarschaft hochwertige Marken zu niedrigeren Preisen angeboten werden.

          „Warum muss man alles verballern?“

          „Das ist wieder eine Scheibe, die vom Umsatz der anderen abgeschnitten wird“, sagt Schulte, auch wenn es weiterhin eine Klientel gebe, die den besonderen Service und das Erlebnis der Edelboutiquen schätze und suche. Der Berater rechnet damit, dass auch Chinesen und andere Besucher aus Asien, üblicherweise beste Kunden an der Goethestraße, bei SaksOff einkaufen werden. „Die Immobilien liegen so zentral, dass sie auch attraktiv sind für Touristen.“

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