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Saks Off 5th : Ein Härtetest nicht nur für die Goethestraße

Langfristig werden aber auch die Label selbst Schaden nehmen, glaubt der Textilexperte mit Blick auf das neue Format. „Markentechnisch ist das eine Katastrophe.“ Die Mode verliere ihr High-End-Premium-Image, wenn es Luxus irgendwann an jeder Ecke und dann auch noch zum Discount-Preis gebe. Eine Mitverantwortung für diese Entwicklung sieht Schulte bei den Finanzinvestoren, die in der Modewelt inzwischen das Sagen haben. Es gebe nur noch wenige Familienunternehmen, die der Versuchung widerstünden, zu Lasten einer Marke schnell zu wachsen und den Gewinn zu maximieren.

„Warum muss man alles verballern?“, fragt sich auch ein Branchenvertreter aus Frankfurt, der die Wurzel allen Übels ebenfalls bei den Finanzinvestoren sieht. Die „quartalsgetriebenen Manager“ interessierten nur der kurzfristige Umsatz und nicht die nachhaltige Entwicklung.

Verknappung würde helfen. Doch anders als bei den üblichen Outletcentern auf der grünen Wiese, in denen Marken-Hersteller das Heft selbst in der Hand halten, haben sie auf das Angebot von Saks Off 5th wenig Einfluss. Zwar spricht das Unternehmen von einer „vertrauensvollen Zusammenarbeit“ mit seinen Lieferanten. „Mit vielen arbeiten wir direkt zusammen“, heißt es. Doch ganz so fair läuft es bei der Einkaufspolitik der Kanadier offenbar nicht.

Wo kommt die ganze Billig-Luxusware her?

Berater Schulte etwa kennt Hersteller, die sich dafür entschieden hätten, Saks Off nicht zu beliefern, und sich jetzt wunderten, dass ihre Ware trotzdem dort auftauche. Das bestätigt Henrik Soller, Geschäftsführer der Agentur Komet und Helden aus München, die Label wie 7 for all mankind vertritt. Saks Off besorge sich die Ware einfach woanders, wenn Lieferanten nicht mitmachen wollten. „Damit stößt das Unternehmen viele Produzenten und Markenartikler vor den Kopf“, sagt Soller. Er spricht von einem „hemdsärmeligen Stil“ der Kanadier, den man auf dem deutschen Markt bisher nicht gewohnt sei.

Bleibt die Frage, wo die ganze Billig-Luxusware herkommt. Schnell ist in diesem Zusammenhang vom sogenannten grauen Markt die Rede. Als Quelle kommen laut Schulte die Fabriken der Hersteller in Frage, die unter Umständen außer der Reihe einmal eine Linie über die Maschinen jagten. Eine Rolle spielten auch Händler im Ausland, die das Preisgefälle in Europa nutzten, um in Deutschland Kasse zu machen. Grundsätzlich werde in der Branche über Bedarf produziert. Berater Schulte schätzt den Überhang auf 30 bis 40 Prozent. Wie aus der Branche zu hören ist, wird Ware sogar teilweise verbrannt, um eine Marke nicht noch weiter in die Bedeutungslosigkeit absinken zu lassen.

So oder so. Der Off-Price-Trend scheint nicht mehr aufzuhalten. Auch der Vorreiter dieser Entwicklung, der amerikanische Filialist TKMaxx, der mit einem ähnlichen Konzept wie Saks Off wirbt, aber weniger Premiummarken im Angebot hat, drückt gerade aufs Tempo. Wie berichtet, wird TK Maxx demnächst seine siebte Filiale in der Rhein-Main-Region eröffnen. Saks Off Fifth sieht Potential für 40 Filialen in Deutschland in den nächsten drei bis fünf Jahren. Auch die Warenhaus-Kette Karstadt hat kürzlich angekündigt, sie wolle in das Abverkauf-Geschäft einsteigen.

Amerikanische Verhältnisse erwarten Marktbeobachter hierzulande jedoch nicht. In den Vereinigten Staaten stehen die Off-Price-Umsätze bereits für einen Marktanteil von zehn Prozent. Am Ende sei die Zahl der Konsumenten in Deutschland, die bereit seien, auch für einen reduzierten Markenartikel noch mehr als 100 Euro auszugeben, vermutlich „gar nicht so groß“, heißt es.

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