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Opel droht mit Kündigungen : Rüsselsheimer Konfrontationen

Wieder einmal vor schwierigen Verhandlungen: Opel-Chef Lohscheller (rechts) und Rüsselsheims Betriebsratsvorsitzender Schäfer-Klug Bild: dpa

Opel hat beim Stellenabbau bisher trotz aller Misstöne auf einvernehmliche Lösungen mit der Arbeitnehmerschaft gesetzt. Nun aber scheint der Autobauer auf hartem Konfrontationskurs zu sein.

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          Bisweilen enthalten Reklamemeldungen von Firmen sehr bedenkenswerte Sätze. So wie diesen hier: „Mit dem neuen Insignia und den zukünftigen Modellen, die wir nach Rüsselsheim bringen werden, hat das Werk eine gute Zukunft als Standort für die Fertigung von hochmodernen Fahrzeugen vor sich.“

          So hat Opel am Montag seinen Chef Michael Lohscheller zitiert. Anlass war die Präsentation des runderneuerten Flaggschiffs. Das zentrale Wort lautet aber „Fertigung“. Dass Opel am Stammsitz auch in Zukunft Fahrzeuge bauen will, versteht sich von selbst. Bisher steht Rüsselsheim aber für weit mehr als nur das. Ob es dabei bleibt, scheint die zentrale Frage am Standort zu sein. Das gilt besonders im Lichte der Wende im Umgang mit Personalabbau.

          Freiwillige Abschiede von Opel

          Hat Opel bisher trotz aller Misstöne auf einvernehmliche Lösungen mit der Arbeitnehmerschaft gesetzt, so scheint die deutsche Tochter der Peugeot-Mutter PSA nun auf hartem Konfrontationskurs zu sein. Wie anders sollen Vertreter der IG Metall die Aussage verstehen, dass, wenn nicht mehr Mitarbeiter als bisher freiwillig der Firma den Rücken kehrten, eine Überprüfung des Zukunftstarifvertrages vorgenommen werden müsse. „Insbesondere der Verpflichtung zur Beschäftigungssicherung“, heißt es.

          Opel will 2100 Stellen abbauen, zusätzlich zu den Tausenden, die schon gestrichen sind. Dies geht aber nur über Angebote wie Abfindungen und Altersteilzeit. Außerdem sind die Beschäftigten nun nicht nur bis Ende Juli 2023 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt, sondern zwei Jahre länger. So sieht es der mit der IG Metall geschlossene Tarifvertrag vor. Zudem können sich die Beschäftigten demnach bis Ende nächsten Jahres für ein Freiwilligenprogramm entscheiden. Können, wohlgemerkt, von müssen kann keine Rede sein. Dass das Management nun plötzlich Ende November dieses Jahres als neue Frist auslobt, um den Erfolg der bisherigen Angebote zu bewerten, ist nicht die feine Art.

          Vertragstreue ist ein hohes Gut. Wenn der regionale IG-Metall-Chef nun diese anmahnt, müsste das die Chefetage des profitablen Autobauers im Grunde peinlich berühren. Dabei stellt sich die Frage, ob die Opel-Geschäftsleitung den Druck aufbaut oder Vorgaben von PSA folgt. Wenn nun außer dem Getriebewerk und der Schmiede nun auch der Werkzeugbau, der Prototypenbau und das Design weiter Federn lassen sollen, droht Rüsselsheim künftig nur noch ein Produktionswerk zu sein.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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