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Opel-Kommentar : Rüsselsheimer Herzattacken

Treffen sich an diesem Donnerstag gleich zwei Mal: Opel-Chef Lohscheller (rechts) und Gesamtbetriebsrats-Vorsitzender Schäfer-Klug, die mal wieder im Clinch liegen Bild: dpa

Steht das Entwicklungszentrum von Opel teils zum Verkauf? Wer die Belegschaft motivieren will, muss hier für Klarheit sorgen. Attacken auf das Opel-Herzstück sind dazu denkbar ungeeignet.

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          Wer für Opel arbeitet, der muss gegenwärtig Nerven wie Drahtseile haben. Seit Monaten schon kommt der Autobauer nicht zur Ruhe. Kaum haben Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertreter eine Baustelle geschlossen, eröffnet der französische Mutterkonzern PSA eine neue. Dass nun schon wieder das Entwicklungszentrum mit seinen 7500 Beschäftigten im Mittelpunkt eines Streits steht, wirkt dabei besonders misslich. Gilt es doch als das Herzstück von Opel.

          In einer eilends einberufenen Betriebsversammlung wird Opel-Chef Michael Lohscheller sagen müssen, was dran ist an den Gerüchten über die Zukunft des Entwicklungszentrums. Nach einem Bericht der französischen Zeitung „Le Monde“ soll PSA einen Verkauf von Teilen dieses Betriebs prüfen. Die Rede ist von Gesprächen mit verschiedenen Autozulieferern, die an der Entwicklung von Fahrzeugen beteiligt sind. Dass im Betriebsrat deshalb die Alarmglocken schrillen, kann nicht verwundern. Denn erst vor fünf Wochen hatten sich Arbeitnehmervertreter und Chefetage auf die Grundzüge eines Sanierungsplans verständigt.

          Weshalb der Betriebsrat mahnt

          Außerdem hatte PSA zugesagt, dass die Opel-Ingenieure in Rüsselsheim fortan die neue Generation von Benzinmotoren für die gesamte Gruppe entwickeln und darüber hinaus eine Fülle anderer Aufgaben wahrnehmen sollen. Diese Botschaft war schon deshalb wichtig, weil im Entwicklungszentrum gut doppelt so viele Frauen und Männer arbeiten wie im Produktionswerk nebenan.

          Insofern ist klar, weshalb der Betriebsrat mahnt, der Ausverkauf des Entwicklungzentrums nähme Opel die Zukunft. Dass Lohscheller nun versichert, das Engineering bleibe Kern von Opel, klingt nur auf den ersten Blick gut. Fehlt doch eine klare Aussage, wie das Management sich zu dem möglichen Teilverkauf stellt. Seine Aussage, angesichts rückläufiger Aufträge nach dem Verkauf durch General Motors müssten verschiedene Optionen geprüft werden, ist schlüssig, ja geradezu zwingend.

          Eine Frage der Motivation

          Befremdlich wirkt aber der Streit über die Frage, ob die Chefetage in den Sanierungsgesprächen die Wahrheit sagte, als sie konkrete Verkaufsabsichten verneint hat, wie der Betriebsrat anführt. Wer die Belegschaft motivieren will, muss hier für Klarheit sorgen. Attacken auf das Opel-Herzstück sind dazu denkbar ungeeignet.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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