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Thorsten Winter (thwi)

Kommentar zu Opel : Rüsselsheimer Etappensieg

Brillant: Die Höhe des Betriebsgewinns passt zum derzeitigen Wetter in Rüsselsheim Bild: Wolfgang Eilmes

Mit dem hohen Jahresgewinn hat Opel selbst Experten überrascht. Doch Baustellen bleiben. Der Opel-Chef muss etwa bald sagen, welches Auto im Stammwerk künftig außer dem Insignia noch gebaut werden soll.

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          Was mögen sie wohl im fernen Detroit denken? Quälende 18 Jahre lang hat Opel als Tochter von General Motors viel Geld verbrannt. Und nur gut ein Jahr unter den Fittichen der Peugeot-Mutter hat für die Ertragswende genügt. Mit welcher Kraft die Rüsselsheimer über die Gewinnschwelle gespurtet sind, beeindruckt selbst Branchenexperten wie den Auto-Analysten des Bankhauses Metzler. 859 Millionen Euro Betriebsgewinn liegen weit über den Schätzungen der Beobachter.

          Im Gegensatz zu den Amerikanern hat der Mutterkonzern PSA Opel wieder flott bekommen, wie es unter Analysten heißt. Zumal die Rüsselsheimer eine schöne Gewinnspanne erwirtschaftet und mithin den Halbjahresprofit bestätigt haben. 2016 war das noch anders. So ist es verständlich, wenn der sonst sachlich-nüchtern auftretende Opel-Chef Michael Lohscheller von einem besonderen Tag für die Marke spricht und jubelt. „Der Opel-Blitz strahlt wieder kräftig.“

          Weitere hohe Kosten absehbar

          Nun ist mit diesem überraschenden Gewinn vor Zinsen und Steuern noch längst nicht alles gut bei Opel. Denn die 859 Millionen Euro sind nicht die ganze Wahrheit. Von diesem Betrag ist mehr als eine halbe Milliarde Euro abzuziehen. Das sind Kosten für die laufende Restrukturierung und den Personalabbau. Auch wird es mit diesen Kosten nicht getan sein. Denn noch hat nicht jeder, der gehen soll oder will, das Unternehmen schon verlassen. Einen schönen Etappensieg stellt das Jahresergebnis für das Opel-Management gleichwohl dar.

          PSA-Chef Tavares sieht sogar schon die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung gelegt. Da er die ehedem notleidende PSA-Gruppe innerhalb weniger Jahre wieder in die Erfolgsspur gebracht hat, darf sein Wort als Versprechen für die deutschen Opel-Standorte gelten: Denn auf die Dauer ist nur eine profitable Firma ein guter Arbeitgeber, der seinen Beschäftigten in einer sich rasch wandelnden Auto-Welt sichere Stellen bieten kann.

          Was der neue E-Corsa zeigen wird

          Den Wandel mitzugestalten und mit auch preislich attraktiven Autos aufzuwarten, diese Aufgabe muss das Opel-Management meistern. Ob die Rüsselsheimer auf dem richtigen Weg sind, wird der neue E-Corsa zeigen. Schon zuvor muss Lohscheller das zweite Auto präsentieren, das Opel in Rüsselsheim bauen will. Und dann wäre da noch der Streit um das Entwicklungszentrum. Baustellen gibt es bei Opel also noch genug.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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