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Wie Anlegerclubs reagieren : Rohstoffe und Bares statt Aktien

Unaufgeregt in turbulenten Zeiten: der Aktienclub 88 aus Linden bei Butzbach Bild: DIETER RÜCHEL

Der Dax befindet sich auf einer wüsten Tal- und Bergfahrt. „Dass es so dolle kommen wird, damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt ein Aktienclub-Sprecher. Gleichwohl hatte er zuvor kräftig umgeschichtet. Nun rücken aber wieder Aktien ins Blickfeld.

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          Am Montag gut sieben Prozent runter, am Mittwoch nochmals fast fünf Prozent weniger, nachdem am Dienstag nur kleine Verluste zu Buche gestanden hatten. Am Donnerstag nun eine Rally mit einem Zuwachs von 6,46 Prozent in der Spitze: Der Deutsche Aktienindex befindet sich auf einer wüsten Tal- und Bergfahrt, die viele Anleger nervös macht. Denn so manches Aktiendepot ist deutlich leichter geworden. Es sei denn, die Anleger hatten schon zuvor Dividendenpapiere gegen Bares oder Rohstoffe getauscht. So wie Thomas Wähner, der beim Aktienclub 88 in Linden bei Butzbach so etwas wie der Anlagestratege ist. „Wir haben in den vergangenen Wochen einiges umgeschichtet“, sagt er. So hat er sich von sogenannten Nebenwerten wie dem Maschinenbauer Gildemeister getrennt, die seit Monaten schon unter Verkaufsdruck stehen. „Dass es aber so dolle kommen wird am Aktienmarkt, damit hatten wir nicht gerechnet“, gibt er zu.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als die Kurse dramatisch abzusacken begannen, drückte Wähner gleichwohl nicht den Verkaufsknopf: „Einen Wert wie Deutsche Börse haben wir gehalten.“ Diese Aktie an einem turbulenten Börsentag zu verkaufen, ergebe gar keinen Sinn. Schließlich verdiene die Börse in Zeiten mit besonders regem Handel gutes Geld. Trotz des Hin und Her am Kapitalmarkt hat Wähner keinen einzigen aufgeregten Anruf von Mitgliedern des Aktienclubs annehmen müssen, wie er berichtet. „In die Panik hinein zu kaufen, hat sowieso keinen Sinn“, hebt er hervor. Begründung: Solange die Umsätze und Gewinne der Unternehmen stimmten, sieht er keinen Grund zum Verkaufen. Zudem setzt er auf eine günstige Wirkung der jüngsten Leitzinssenkung in Amerika: „Ein Markt, der mit Geld überschwemmt wird, hat es bislang immer gebracht“, meint er.

          Den Großteil in bar und Geldmarktfonds

          Gleichwohl liegen nun mehr alternative Investments im Depot des Aktienclubs in Linden: Beim Aktienverkauf erlöstes Kapital hat Wähner in ein Edelmetall-Zertifikat und ein ähnliches Papier gesteckt, das auf Rohstoffe wie Weizen, Öl und Industriemetalle gemünzt ist.

          Nach einem Sturzflug am Donnerstag bergwärts: der Dax

          Die „Positrons“ um Thomas Laufer aus Kelkheim halten dagegen die Hälfte ihres Clubvermögens in Barmitteln und ein Fünftel in Geldmarktfonds, nachdem sie noch kurz vor Weihnachten „das Depot leergeräumt“ hatten. Weil sie Geld für Geschenke brauchten? Nein, sagt Laufer. Es waren Stopp-Loss-Marken verletzt worden – das sind Mittel zur Absicherung vor weiteren Kursverlusten: Ist eine Stopp-Loss-Marke erreicht, wird das Papier automatisch verkauft. „Das war unser Glück“, meint er. So seien neben einem Asienfonds nur einige Aktien von Öl- und Gaskonzernen und Öldienstleistern im Depot geblieben. „Und die Allianz als Bonuszertifikat – das wird hoffentlich halten“ – und nicht unter die Kursschwelle rutschen, die den Bonus zunichte macht.

          „Billig gewordene“ Nebenwerte im Blick

          Die Aktienqoute soll aber nicht längerfristig bei 30 Prozent bleiben. Vielmehr kaufen die „Positrons“ schon wieder Dividendenpapiere. Gildemeister nennt Laufer als Beispiel – ein Titel, der binnen drei Monaten 45 Prozent verloren hat. Auch andere „billig gewordene“ Nebenwerte wie Leoni und Vossloh haben die „Positrons“ im Auge.

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