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Zu Kontrollen am Flughafen : Wo Frankfurt richtig schlecht ist

Geschwindigkeitskontrolle: Am Frankfurter Flughafen dauert der Passagier- und Gepäckcheck viel länger als an vergleichbaren Airports Bild: dpa

Die Klagen über langsame Kontrollen am Frankfurter Flughafen sind berechtigt. Das zeigen die vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft veröffentlichten Vergleichszahlen anderer Flughäfen.

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          Das erste Ferienwochenende ist am Frankfurter Flughafen ohne den von vielen befürchteten Gau durch tumultuarische Zustände an den Sicherheitskontrollen verlaufen. Es gab nur die üblichen Schlangen, die sich dort bilden, wenn an einem Tag 230.000 Passagiere in die Terminalgebäude strömen. Auch am zweiten Wochenende gab es keine Meldungen über viel zu lange Wartezeiten. Doch angesichts der vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft veröffentlichten Vergleichszahlen anderer Flughäfen zur Leistung der Sicherheitskontrollen muss man sich fragen, warum diese Schlangen in Frankfurt eigentlich immer noch akzeptiert werden.

          Stellt man den Durchsatz der Sicherheitskontrollen auf europäischen Flughäfen nebeneinander, dann wird klar, dass das, was in Frankfurt passiert, eben nicht weiter hinzunehmen ist. Denn beispielsweise in London Heathrow, Brüssel und Madrid schafft jede einzelne der Linien bis zu 200 Passagiere je Stunde. In Frankfurt sind 80 das Äußerste.

          Daraus zu schließen, dass der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und dessen Dienstleister es einfach nicht besser können, ist natürlich Unfug. Das Schlimme daran ist, dass die Frankfurter genau wissen, warum sie weit hinter der Konkurrenz liegen und wie sie das abstellen könnten. Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte klagt seit geraumer Zeit darüber, dass seine Leute die Sicherheitskontrollen nicht effizienter machen können, weil sie nicht die leistungsfähige Technik einsetzen dürfen, die es an anderen europäischen Flughäfen ermöglicht, in der gleichen Zeit doppelt so viele Passagiere und mehr abzufertigen.

          Der Grund: Die EU-Zertifizierung der Technik reicht zwar allen anderen europäischen Administrationen. Den deutschen Behörden aber nicht. Außerdem will Schulte die Prozesse der Kontrolle selbst gestalten. Im Moment macht das die Bundespolizei. Dazu braucht es aber die Zustimmung des Bundesinnenministeriums, das im Moment auf Kontrollen anderer Art fixiert ist.

          Vorab informiert

          Es waren vor allem die zeitraubenden Sicherheitskontrollen in Frankfurt, die zuletzt Lufthansa-Chef Carsten Spohr immer wieder zu harscher öffentlicher Kritik trieben. Vielleicht war es Fraport-Chef Schulte sogar recht, weil Spohr damit ein so großes Medienecho erzeugt hat, dass es selbst in Berlin gehört wurde. Dass der Adressat entsprechender Interviewäußerungen lange vor der Veröffentlichung über Inhalt und Form der Attacken informiert wird, gehört ohnehin zu den Abläufen auf dieser Managementebene.

          Inszeniert oder nicht: Inhaltlich sind alle Klagen berechtigt. Und dass man mit intelligenter Prozesssteuerung und ebensolchen Anlagen die Zahl der in einer Stunde zu kontrollierenden Passagiere auch an deutschen Flughäfen mindestens verdoppeln, unter Umständen sogar verdreifachen kann, hat gerade ein Pilotprojekt am Kölner Flughafen gezeigt.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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