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Wirtschaft in Rhein-Main : Sind die goldenen Zeiten vorbei?

In der vergangenen Woche gab es für den Wirtschaftsstandort Frankfurt gleich mehrere schlechte Nachrichten. Bild: dapd

Nach den Fällen Thomas Cook, Commerzbank und Continental scheinen die goldenen Zeiten im Ballungsgebiet Rhein-Main vorbei. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie mögliche Lösungen.

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          So hart hat es die Wirtschaft des Rhein-Main-Gebiets lange nicht getroffen. Vier Zahlen aus einer einzigen Woche: Bei Thomas Cook und Condor stehen mehr als 5000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, bei der Commerzbank 4300, bei Continental in Babenhausen 2200, und nach Angaben des Statistischen Landesamts ist die Wirtschaftsleistung in diesem Bundesland im ersten Halbjahr gerade noch um 0,4 Prozent gewachsen.

          Das alles ist noch keine Krise. Die Arbeitsplätze bei Thomas Cook und Condor werden womöglich erhalten, bei der Commerzbank ist noch nicht klar, wie rasch die Stellen wegfallen und wie viele von den 4300 in Frankfurt und Rhein-Main verschwinden, auch bei Conti mag das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Die meisten, wenn nicht alle Beschäftigten der in Rede stehenden Betriebe, haben überdies realistische Chancen, angesichts des einstweilen noch leergefegten Arbeitsmarkts anderswo unterzukommen.

          Und doch ist es ein Wetterumschwung, eine veränderte Lage. In dieser Region – wie überhaupt in Deutschland – hatten sich die Menschen ein langes Jahrzehnt lang an gute Zahlen aus der Wirtschaft gewöhnt. Die Arbeitslosigkeit, vor zwei, drei Jahrzehnten als eine der großen Geißeln des Landes empfunden, ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Und wer in diesem reichen Ballungsraum an Unternehmen in schwerem Fahrwasser dachte, dem fiel allenfalls die Deutsche Bank ein. Selbst Opel geht es wieder besser, und das will etwas heißen.

          Wie krisenfest ist der Ballungsraum?

          Doch dieses goldene Jahrzehnt scheint sich dem Ende zuzuneigen. Die Gründe für die Schwierigkeiten der Konzerne, die in den vergangenen Tagen ungewollt Schlagzeilen machen, sind jeweils ganz eigene, und doch zeigen sie gemeinsam, dass Globalisierung und Digitalisierung keine Gnade mit denen haben, die sich nicht schnell genug erneuern. In Babenhausen wurden jahrzehntelang Tachometer gefertigt, mit echten Zeigern für echte Anzeigen auf echten Armaturenbrettern, aber die neuesten Autos haben an dieser Stelle nur noch Bildschirme. Sinnfälliger lässt sich der Wandel nicht belegen.

          Wie krisenfest ist der Ballungsraum? Diese Frage ist nach dieser Woche keine intellektuelle Spielerei mehr. Es wird darauf ankommen, die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu optimieren und von neuen Belastungen abzusehen, Regulierungen abzubauen, wo es möglich ist, die Arbeitsmarktpolitik darauf zu prüfen, ob sie rasch genug reagieren kann, wenn Beschäftigte rasch umgeschult werden müssen, und die Infrastruktur zu verbessern.

          Es hatte sich zuletzt der Glaube ausgebreitet, die Wirtschaft könne alles schultern, was sich Politiker ausdenken, doch man wird wieder lernen müssen, dass auch derjenige sich um die Erhaltung der Lebensgrundlagen kümmert, der dafür Sorge trägt, dass es in den Betrieben der Region so gut wie möglich läuft. Nach dieser Woche voll schlechter Nachrichten erscheint diese Aufgabe als so dringend wie lange nicht.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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