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Rhein-Main auf der „Gamescom“ : Bobfahren mit Super Mario

  • -Aktualisiert am

Fußball auf der Mattscheibe: Konami-Stand auf der Spielemesse in Köln; das japanische Unternehmen betreibt sein Europageschäft von Frankfurt aus Bild: Kai Nedden

Auf der „Gamescom“ in Köln zeigt sich die internationale Computerspielebranche. Aus Frankfurt kommen Fußballspiele, Venedig-Abenteuer und Programme zur Simulation von Militäreinsätzen.

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          Vom 22. Oktober an kann Michael Ballack in alle Richtungen laufen, nicht mehr nur in acht verschiedene. Ein Spieler hat die Computerspiele-Verleger von Konami darauf hingewiesen, dass die eingeschränkte Agilität der Fußballer in der neuesten Version des Kassenschlagers Pro Evolution Soccer wenig mit der Realität auf dem Spielfeld zu tun hat. Die Entwickler des japanischen Unternehmens, das sein Europa-Geschäft von der Berner Straße in Frankfurt aus betreibt, haben es nun geändert, zusätzlich zu den 300 neuen Bewegungen, die die Kicker jetzt draufhaben.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Fußballsimulation ist einer der Hoffnungsträger für das Weihnachtsgeschäft. Zur Vorstellung auf der Computerspielemesse Gamescom, die in Köln angelaufen ist, hat Konami die ganze Unternehmensprominenz aufgefahren: Europa-Präsident Kurio Neo begrüßte die Gamer-Gemeinde in japanisch gebrochenem Englisch, Produktionschef Axel de Rougé zeigte, wie sich mit dem iPhone von Apple Autorennen fahren lassen, und die Entwicklerlegende Hideo Kojima erklärte dem jubelnden Publikum persönlich, was in der neuen Folge des Militärspiels „Metal Gear“ alles neu ist.

          Am Stand von Konami in Halle 8 können die Spielefans das dann alles selbst ausprobieren. Die Besucher sind selbst am Fachbesuchertag vorwiegend blasse Jungen mit schwarzen T-Shirts, auf denen Sprüche stehen wie „Where ist the Guru?“. Erst langsam ziehen Spiele wie das Karaoke-Programm „Singstar“, die Hüpfkonsole Wii von Nintendo oder Gedächtnistrainings auch Mädchen oder ältere Spieler an die Rechner.

          Weihnachtsmänner über den Stand

          Wenige Meter von Konami entfernt lässt es Nintendo schneien. Die Erfinder des Gameboys bedienen Europa von Großostheim aus. Ihre große Neuigkeit in Köln ist „Super Mario bei den Olympischen Winterspielen“. Die Hostessen laufen als Engel, ihre männlichen Pendants als Weihnachtsmänner über den Stand, und kein Geringerer als Georg Hackl zeigt, wie sich ein Bob mit der Spielekonsole Wii durch den Eiskanal von Vancouver steuern lässt.

          Es ist Premiere in Köln. Zum ersten Mal richtet die Stadt am Rhein die Leitmesse der europäischen Computerspielebranche aus, die in den Jahren zuvor als Games Convention in Leipzig residiert hatte. Abgesehen von einigen Kinderkrankheiten wie Warteschlangen hier und dort, haben die Fachbesucher am ersten Tag wenig zu beanstanden. Auch die Frankfurter Games-Branche, die sich in der Initiative Gamearea FRM zusammengetan hat, hatte versucht, die Veranstaltung an den Main zu holen. Letztlich hatte die Frankfurter Messe aber nicht den Zuschlag vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware erhalten.

          „Die Terminkalender sind voll“

          Jan Wagner, einer der Vereinsvorstände der Gamearea FRM und Chef des kleinen Entwicklerbüros Cliffhanger Productions, gibt sich als „sportlicher Verlierer“, wie er sagt. Positiv an Köln seien ihm am ersten Tag vor allem die zusätzlichen Räume aufgefallen. An den Publikumstagen sei es in Leipzig oft wie auf der Zeil im Sommerschlussverkauf gewesen. Das werde hier wohl anders. Die Verlegung nach Köln sei auch bei den Geschäftsterminen positiv zu merken. Hätten sich in Leipzig die Termine meist auf die ersten zwei Tage der Messe konzentriert, so kämen die Geschäftspartner in diesem Jahr auch noch Freitag und Samstag zusammen.

          Die Mitglieder der Gamearea FRM haben gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Frankfurt einen Gemeinschaftsstand aufgebaut. In einer Art Lounge mit kleinen Sesselgruppen aus weißem Leder und einer schicken Kaffeemaschine treffen sich hier Entwickler mit Verlegern und Tontechniker mit Bildbearbeitern und handeln neue Projekte aus. Es herrscht reger Betrieb. „Die Terminkalender sind voll“, sagt Manuela Schiffner von der Wirtschaftsförderung, die die Kreativwirtschaft als eine der florierenden Branchen der Region positionieren will.

          Frankfurter Platzhirsch

          Auch Florian Stadlbauer und Jan Klose vom Frankfurter Spieleentwickler Deck 13 können über Langeweile nicht klagen. Ein Vertrag für ein neues Projekt stehe kurz vor der Unterzeichnung, heißt es. Pünktlich zur Messe sind ihr Rollenspiel „Venetica“ und ihr Abenteuerspiel „Haunted“ fertig geworden. Drei Jahre lang haben die 25 Entwickler des Unternehmens an „Venetica“ gearbeitet, zum Schluss haben sie sich noch Verstärkung von zehn freien Mitarbeitern geholt. Die Vorabrezensionen der Computermagazine waren gut, nun wird mit Spannung erwartet, wie das Produkt bei den Spielern selbst ankommt. In Deutschland sei der Spielemarkt glücklicherweise bislang noch nicht eingebrochen, sagt Stadlbauer.

          Der Frankfurter Platzhirsch Crytek ist in diesem Jahr nicht mit einem Spiel vertreten, der Nachfolger des Erfolgsprodukts „Crysis“ soll erst 2010 auf den Markt kommen. Dafür präsentierten die Geschäftsführer, die Brüder Faruk, Cevat und Avni Yerli, auf dem angrenzenden Entwicklertreffen ihren neuen „Cryengine 3“, eine Plattform zum Entwickeln grafisch anspruchsvoller Spiele. Und nicht nur Spaßprodukte lassen sich mit dem Engine produzieren. Auch beim Militär würden Programme mit dieser Plattform produziert, heißt es – zum Training echter Soldaten.

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