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Repetitorien für Jurastudenten : Recht verschlossen

  • -Aktualisiert am

Macht’s noch einmal: Jurastudent im Repetitorium Bild: Wonge Bergmann

Repetitoren werben gern mit Erfolgen in der Schulung von Jurastudenten. Über Umsatzzahlen reden sie nicht gern.

          Hört man Achim Wüst zu, erscheint der Beruf des Repetitors unangenehm. Wüst ist der Geschäftspartner von Karl Eduard Hemmer, der 1976 das Juristische Repetitorium Hemmer gegründet hat, das seitdem jährlich Tausende Jurastudenten auf das Examen vorbereitet. „Wenn jemand bei den Studenten nicht ankommt, ist er weg“, sagt er. Hemmer ist nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland und ist von Kiel bis Konstanz mit Zweigstellen in 40 Universitätsstädten vertreten –, auch in Frankfurt, Gießen und Mainz. Eine Probezeit gebe es bei ihm nicht: „Der Markt ist hart.“

          Schon seit langem ranken sich Mythen um Repetitoren. Sie gelten als teuer und gut besucht. Hört man sich in der Branche um, stößt man auf Schweigen: Gern wird über die Studenten geredet, die Traumnoten erhalten – Fragen zu Umsatz oder Verdienst werden dagegen ungern beantwortet . So wollte sich das auch in Hessen aktive Münsteraner Repetitorium Alpmann Schmidt, der zweitgrößte Privatanbieter, auf Anfrage nicht äußern.

          Etwa 90 Prozent der zum Examen angemeldeten Studenten gehen zum Repetitor

          Der Rechtsanwalt Matthias Korn ist aber bereit zu reden – wenn auch nicht unter seinem wirklichen Namen. Seit 20 Jahren arbeitet er in Frankfurt als Repetitor bei einem führenden Anbieter – mittlerweile an zwei Tagen in der Woche. An den anderen Tagen arbeitet er als Anwalt in seiner Kanzlei. Es mache ihm Spaß, mit jungen Leuten zu arbeiten. „Ich kenne alle meine Leute“, sagt Korn.

          Derzeit melden sich 12 000 Studenten jährlich zum Ersten Staatsexamen an. Davon gehen etwa 90 Prozent zum Repetitor, wie es heißt. An vielen Universitäten gibt es für Jura keine Zulassungsbeschränkung. Laut Korn erklärt das den Erfolg der Repetitoren. „Jeder, der nicht weiß, was er studieren soll, entscheidet sich für Jura, dann sitzt man in einer Vorlesung mit 500 Leuten und ist überfordert.“

          1860 Euro für einen einjährigen Vorbereitungskurs

          Im Studium geht es um Wissenschaft und Forschung, im Examen zählt aber etwas anderes: „Man muss einen Fall lösen, aber das wird an der Uni nicht vermittelt“, sagt Andreas Geron, geschäftsführender Gesellschafter der Hemmer Group in Hessen, Rheinland-Pfalz und Teilen Nordrhein-Westfalens. Bereitet sich ein Student allein vor, muss er den Stoff mehrerer Jahre strukturieren – das erfordert Disziplin und Organisation. Bei Hemmer gibt es dagegen Material, Skript-Bücher, Karteikarten und einen wöchentlichen Klausurenkurs mit Korrektur.

          Das kostet: In Frankfurt schlägt ein klassischer einjähriger Vorbereitungskurs für das Erste Staatsexamen mit 1860 Euro zu Buche. Hemmer wirbt mit seinem Erfolg: Auf der Website berichten Studenten von Top-Ergebnissen. Unterrichtet wird an drei Tagen je Woche zu jeweils drei bis vier Stunden. Etwa 40 bis 60 Teilnehmer sitzen laut Hemmer, dem Gründer, in den hauseigenen Kursen. Man habe es nicht so mit „Kuschelpädagogik“, sagt er. „In kleinen Gruppen stellen die Leute immer Fragen ohne Ende.“

          „Wir können nicht jemanden mitziehen, der nicht lehren kann“

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