https://www.faz.net/-gzg-z79v

Repetitorien für Jurastudenten : Recht verschlossen

  • -Aktualisiert am

So beliebt Jura ist – am Ende steht eine harte Prüfung an. Beim Ersten Staatsexamen in Hessen fielen 2008 etwa 25 Prozent durch, beim Zweiten waren es 15 Prozent. Mit vier Punkten gilt ein Examen als bestanden. „Wer nur auf vier Punkte lernt, landet leicht bei drei“, heißt es deshalb bei Hemmer. Zudem entscheidet die Note über die Zukunft. Bei Hemmer gilt die Faustregel, dass von sieben Punkten an jeder weitere Punkt 1000 Euro mehr Gehalt im Monat bedeute. Korn schätzt, dass man sich von neun Punkten an den Job aussuchen kann. Wer Richter oder Staatsanwalt werden will, braucht mindestens zehn Punkte – doch das schafften 2008 nur 15 Prozent eines Jahrgangs.

Neben den Studenten stehen auch die Nachhilfelehrer unter Druck. Zwar ist es für sie ein Vorteil, mit dem Ruf eines bekannten Unternehmens Kurse zu geben, doch sie müssen auch viel leisten: „Wir können nicht jemanden mitziehen, der nicht lehren kann“, sagt Wüst. Sei ein Dozent schlecht, verließen manche Studenten noch während des Kurses den Raum. Die Repetitoren der großen Anbieter sind selbständig. Sein Unternehmen ist „eine Art Franchise“, wie der Frankfurter Repetitor sagt. Dabei stellt das Mutterunternehmen die Arbeitsutensilien und den Namen zur Verfügung – alles weitere obliegt dem Partner. Die Miete für seine Räume zahlt etwa Korn selbst.

„Einige nennen uns sogar Meister“

Die Fluktuation in der Branche ist gering. „Wenn die Studenten bei uns einen Examens- und einen Assessorkurs machen, kennen wir sie schließlich schon fünf Jahre“, sagt Wüst. Bisweilen entstehe eine intensive Beziehung: „Einige nennen uns sogar Meister“, sagt Wüst.

Wer sich auf den Beruf einlässt, bleibt meist dabei – und das kann sich lohnen. In den vergangenen 30 Jahren habe Hemmer nur zwei Mitarbeitern gekündigt, heißt es in der Zentrale. Nach Abzug aller Kosten für Miete und Material behalte man zehn Prozent des Gewinns ein; die restlichen 90 Prozent teilten sich die Dozenten vor Ort. Genaue Zahlen nennt man nicht. Auch Korn schweigt über das Thema. Er sagt nur so viel: Er hätte früher auch in einer Großkanzlei anfangen können.

Unis begehren gegen die Privat-Pauker auf

Auch zum Umsatz schweigt man: „Umsatzzahlen wollen wir eigentlich nicht an die große Glocke hängen“, sagt Hemmer. Laut seinem Partner will man keinen Neid schüren. Geht man aber davon aus, dass sich die Hälfte aller etwa 10 800 Studenten, die zum Repetitor gehen, für den Marktführer Hemmer entscheiden und dort etwa 1700 Euro für einen Examenskurs ausgeben, kommt man allein so auf einen Jahresumsatz in Höhe von etwa 9,2 Millionen Euro. Darüber hinaus verkauft Hemmer Versicherungen und Büroartikel und bietet Einzelunterricht sowie sogenannte Final- und Prozentkurse an. Nur so viel sei gewiss: „Natürlich sind wir profitabel“, sagt Wüst.

Inzwischen begehren mehrere Universitäten gegen die Privat-Pauker auf. An der Juristischen Fakultät in Mainz dürfen sie nicht mehr für sich werben. Einige Hochschulen holen auch auf und bieten, wie in Mainz und Frankfurt, eigene Repetitorien und Klausurenkurse an – und die sind vor allem eins: gratis.

Weitere Themen

Auf Boris!

FAZ Plus Artikel: Britische Parlamentswahl : Auf Boris!

Die Tories wollen die Parlamentswahl in alten Labour-Hochburgen gewinnen – vor allem im „Schwarzen Land“ in den West Midlands. Auch weil Parteichef Corbyn so unbeliebt ist, stehen ihre Chancen nicht schlecht.

Topmeldungen

Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.
Wenn als Kind Traumata erlebt werden, kann dies zu epigenetischen Veränderungen führen, die Depressionen hervorrufen.

Wie viele Kinder leiden? : Die angeknackste Psyche der Jugend

Warum sind in Deutschland doppelt so viele junge Menschen depressiv wie im Rest Europas? Eine große Studie legt das nahe. Doch die Statistik ist trügerisch, was nicht zuletzt auch an den Ärzten liegt.
Das nächste „große Ding“? Auch IBM forscht im Bundesstaat New York an Quantencomputern.

Bahnbrechende Technologie : Im Quantenfieber

Unternehmen treiben die Quantentechnologie voran – nicht nur mit Computern, die Unglaubliches leisten. Thales aus Frankreich will Vorreiter sein.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.