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Regionale Produkte : Frühstücksei per Fahrradkurier

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Trittsicher: Sven Bergen und Patrik Köhler mit den Lastenrädern Bild: Silber, Stefanie

Der Online-Handel kam bisher vor allem Großkonzernen zugute. Ein Frankfurter Unternehmen will das nun ändern - und regionale Waren mit Lastenfahrrädern ausliefern.

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          Wer heute einkaufen will, muss kaum noch das Haus verlassen. Bücher, Schuhe, Elektroartikel – immer mehr Produkte werden im Internet bestellt. Davon profitieren vor allem Großkonzerne und Ketten. Regionale Geschäfte bleiben hingegen oft auf der Strecke. Patrik Köhler will das in Frankfurt ändern.

          Der Inhaber des Fahrrad-Kurierdienstes Prompt hat im Zuge des Ideenwettbewerbs Klimaschutz 2015 der Stadt Frankfurt einen zweiten Kurierdienst für Lastenfahrten gegründet. Die neue Firma Cargo Prompt soll die Kurierfahrten seines ersten Unternehmens ergänzen und vor allem: größere Lasten transportieren. Hierzu wollen Köhler und sein Kompagnon Sven Bergen bis Oktober einen Online-Shop aufbauen, der es ihren Partnern ermöglicht, auch im Internet ihre Waren im Raum Frankfurt zu verkaufen. Köhler und Bergen wollen sie dann ausliefern – und zwar noch am selben Tag.

          Köhler will weitere Partner gewinnen

          Bisher sind ihre Hauptkunden der Kaffeeröster Wacker, die Chocolaterie Bitter & Zart und das Blumengeschäft Kopfwerk: alles Frankfurter Unternehmen. Nach dem Vorbild der Wiesbadener Initiative „Kiezkaufhaus“ will Köhler weitere Partner für den Online-Shop gewinnen und deren Waren per Fahrradkurier noch am selben Tag ausliefern. Dann wäre auch eine Zusammenführung der Lieferungen möglich. „Wenn beispielsweise ein Kunde sagt, er hätte am Samstag gerne sechs Bio-Eier, und im Laufe der Woche bestellt er noch andere Produkte, könnten wir die Lieferungen zusammenlegen. Das wäre ein Gewinn für beide Seiten.“

          Auch für die Unternehmen soll sich das lohnen. Das Energiereferat der Stadt habe vergangene Woche entschieden, seinen Autokurier durch Prompt zu ersetzen. Wacker überlege, den Fahrradkurier nicht mehr nur für kleine Lieferungen zu buchen, sondern auch für die Ausfuhren der schweren Bohnensäcke aus der Rösterei. „So können sie sich die Haltungskosten für das Lieferfahrzeug sparen. Außerdem müssen sie sich dann um nichts mehr kümmern: außer, dass die Säcke jeden Tag an der Straße bereitstehen.“

          Vom Radrennfahrer zum Kurierdienstleister

          Vor zehn Jahren machte Köhler sich mit dem Kurier selbständig, vorher war er professioneller Radrennfahrer. Für ihn ist es der perfekte Job. Das Kurierdienstgeschäft laufe gut, auch wenn man damit nicht reich werden könne. Außer ihm und Bergen gebe es noch drei andere Fahrer. Sollte der Online-Shop gut anlaufen, will Köhler noch weitere einstellen. „Der nächste Schritt ist aber erst mal ein drittes Lastenfahrrad.“ Zwei Stück hat Prompt bereits, ein normales Fahrrad mit Ladefläche und ein sogenanntes Tricycle mit Überdachung. Bis zu 200 Kilogramm lassen sich damit transportieren.

          Köhler ist zuversichtlich, dass das Konzept des Fahrradkuriers für regionale Produkte in Frankfurt gut funktioniert, weil er schnell liefern kann. „Innerhalb von zwei Kilometern kann man an guten Tagen fünf Kundentermine erledigen. Das wäre in anderen Städten undenkbar.“

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