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Reaktion auf Atomwende : RWE prüft Verkauf der Süwag

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Energiekonzern RWE steht nach der Atomwende der Bundesregierung unter Druck. Die Unternehmensleitung ist auf der Suche nach Möglichkeiten, den Schuldenstand zu verringern. Sie lässt nun offenbar den Verkauf des Energieversorgers Süwag.

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          Kurz vor einer Aufsichtsratssitzung des Essener Energiekonzerns RWE sind Spekulationen aufgekommen, dass der Frankfurter Energieversorger Süwag schon bald verkauft werden könnte. Der scheidende Vorstandsvorsitzende der RWE Jürgen Großmann hatte jüngst angekündigt, die Beteiligungen des mit 27 Milliarden Euro verschuldeten Unternehmens zu durchforsten. Am Montag soll offenbar im Aufsichtsrat eine Liste vorgelegt werden, auf der die Süwag eine entscheidende Rolle spielt, wie Medien unter Berufung auf Unternehmenskreise berichten.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die RWE hält 77,6 Prozent an dem Versorger, der 1800 Mitarbeiter beschäftigt und 750.000 Kunden in Hessen und angrenzenden Bundesländern mit Strom, Gas und Wasser versorgt. Zu den weiteren Gesellschaftern gehören die Stadtwerke-Holding Frankfurt mit sechs Prozent, die Kreise Rheingau-Taunus, Main-Taunus und Hochtaunus sowie mehrere Gemeinden in der Region mit kleineren Anteilen.

          Es wird kräftig an der Umstrukturierung gearbeitet

          Weder RWE noch die Süwag wollten die Berichte kommentieren. Es handele sich um Gerüchte. Allerdings hieß es auch, dass der Konzern am nächsten Donnerstag ausführlich zu den weiteren Plänen Stellung nehmen wolle. Dann werden die Halbjahreszahlen präsentiert, zu deren Vorlage die Aufsichtsräte eigentlich zusammenkommen.

          RWE ist vor allem durch die Atomwende unter Druck geraten. Durch die Beschlüsse der Bundesregierung entfällt bei dem Unternehmen knapp die Hälfte der Atomstromproduktion, bei der anderen Hälfte werden die Gewinne durch die Brennelementsteuer geschmälert. Großmann arbeitet daher seit einigen Monaten kräftig an Umstrukturierungen. Vor drei Wochen erst hat RWE knapp 75 Prozent seines Höchstspannungsnetzes an ein Konsortium aus Investoren unter Führung der Wiesbadener Commerz Real AG verkauft. Gleichzeitig hatte die Ankündigung für Aufsehen gesorgt, dass das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem russischen Gaskonzern Gasprom eingehe.

          2010 53 Millionen Euro Gewinn

          Die Süwag ist 2001 als Zusammenschluss von vier Energieversorgern entstanden, an denen RWE jeweils hohe Anteile hielt. Darunter war auch die Main-Kraftwerke AG in Frankfurt. Aus dieser Historie erklärt sich das weitläufige und zersplitterte Geschäftsgebiet, das von Koblenz bis Baden-Baden reicht (siehe Karte). Zudem kümmerte sich die Süwag bisher um Hochspannungsleitungen in einem Raum südlich Frankfurts.

          Erst im Dezember hat das Versorgungsunternehmen seine neue Zentrale in Frankfurt eröffnet. Für 35 Millionen Euro wurde das Gebäude direkt neben dem Vorgänger im Stadtteil Höchst errichtet. Der damalige Vorstandsvorsitzende Klaus-Peter Balthasar hob hervor, der neue Bau sei ein Bekenntnis zum Standort Höchst. Gleichzeitig wurde aber die Verlagerung von 130 Stellen in den Main-Taunus-Kreis bekanntgegeben, so dass in der Frankfurter Zentrale noch 550 Mitarbeiter beschäftigt sind. Der Betriebsrat wollte sich gestern zu den Spekulationen um einen möglichen Verkauf der Süwag nicht äußern. Ebenso wie die Unternehmenssprecherin sagte eine Betriebsrätin, dass sie sich an der „Gerüchteküche“ nicht beteiligen wolle.

          2010 wies die Süwag wie schon im Vorjahr einen Gewinn von knapp 53 Millionen Euro aus, der vollständig in Form von Dividenden an die RWE und die übrigen Gesellschafter ausgeschüttet wurde. Im jüngsten Geschäftsbericht des Unternehmens werden die Jahre 2011 und 2012 als entscheidend für die weitere Entwicklung der Aktiengesellschaften dargestellt, weil in dieser Zeit 265 der 450 Konzessionsverträge mit Städten oder Gemeinden auslaufen. Zuletzt hatten vermehrt Kommunen Interesse daran gezeigt, das örtliche Netz der Süwag selbst zu betreiben, unter anderem im Rheingau.

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