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Prozess um Alexander Falk : Doch keine Kopfabschneider-Geste

Alexander Falk und sein Anwalt Björn Gercke zu Beginn des Gerichtsverfahrens im August 2019 Bild: EPA

Im Prozess um den Anschlag auf einen Anwalt wird Alexander Falk entlastet – von einem dubiosen Zeugen. Er will den Auftrag zum Mord auf einmal doch nicht erlebt haben.

          2 Min.

          Es ist eine holprige Zeugenvernehmung, die an diesem Donnerstag in Saal II stattfindet. Es geht um viel für den Angeklagten Alexander Falk, denn der Zeuge ist gekommen, um ihn zu entlasten. Immer wieder wird unterbrochen, weil sich Serhad Y. mit seinem Rechtsanwalt beraten muss. Was darf er sagen? Wo sollte er besser die Aussage verweigern?

          Anna-Sophia Lang

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er ist selbst verstrickt in die große Geschichte um den mutmaßlichen Auftragsmord an dem Frankfurter Rechtsanwalt Wolfgang J., über den seit August verhandelt wird.

          Möglicherweise hat Y. mit der Erpressung der Familie Falk zu tun, die im direkten Zusammenhang mit den Vorwürfen steht. Außerdem wird gegen ihn wegen mutmaßlicher Beteiligung an dem Anschlag auf J. ermittelt. Es könnte sich herausstellen, dass er als Fahrer dabei war und Schmiere stand, wie der Vorsitzende Richter sagte.

          Vor allem aber geht es um eines: Serhad Y. hatte in einer polizeilichen Vernehmung 2018 bestätigt, was der Kronzeuge Etem E. – der sein Neffe ist – zuvor gesagt hatte. Dass Falk bei einem Treffen in einem Steakhaus in Hamburg 2009 den Auftrag gab, J. umzubringen, dass er dabei eine schneidende Geste vor dem Hals gemacht habe und einen Briefumschlag mit Geld über den Tisch geschoben habe. „Das Schwein hat es zu weit getrieben“, habe Falk gesagt. „Der muss weg.“

          Doch jetzt soll auf einmal alles ganz anders gewesen sein. Nichts davon habe er wirklich erlebt, sagt Y. Aus den Gesprächen mit E. habe er gewusst, dass es gar keinen solchen Auftrag gegeben habe. Doch E. habe ihn so lange unter Druck gesetzt, bis er schließlich bei der Polizei ausgesagt habe, was E. ihm vorgegeben habe. Jetzt, sagt Y., plage ihn das schlechte Gewissen.

          Was wirklich passiert ist, war in dem Prozess von Beginn an schwer zu durchblicken. Auf der einen Seite gibt es die Anklage der Staatsanwaltschaft, der zufolge Falk den Auftrag gab, J. umzubringen, weil der ihm in einem Zivilstreit sein Privatvermögen abnehmen wollte. Gestützt wird sie durch die Aussagen des Kronzeugen Etem E. und eine Aufnahme, auf der Falk zu hören ist, wie er sich über die Schüsse freut.

          Eine endlose Kette dubioser Verstrickungen

          Andererseits gibt es die Version von Falk selbst, wonach er unschuldig ist und Opfer von E. wurde, der ihn aus Geldgier lange mit der Tonbandaufnahme erpresste und schließlich mit seiner erfundenen Geschichte zur Polizei ging, um die ausgesetzte Belohnung zu kassieren.

          Klar ist: Die Kette der dubiosen Verstrickungen, die viele der Beteiligten an dieser Geschichte miteinander verbindet, ist endlos. Da gibt es die Brüder B., von denen Falk einen während seiner Haft wegen versuchten Betrugs kennenlernte und später beauftragte, Daten vom Computer des Anwalts J. zu kapern.

          Die Brüder haben Verbindungen in die organisierte Kriminalität in Hamburg und ins Box-Milieu, wo sie auch mit Anschlägen zu tun gehabt haben sollen. Und auch der Kronzeuge E. ist kein unbeschriebenes Blatt. Unter anderem ermitteln die Staatsanwaltschaften Hamburg und Frankfurt wegen Erpressung der Familie Falk und Tatbeteiligung an den Schüssen auf Wolfgang J.

          Serhad Y. reiht sich ein in diese Liste. In den neunziger Jahren hat er eine Haftstrafe abgesessen, weil er einem Schuldner eine Pistole in den Mund gesteckt und durchgeladen haben soll.

          Er kannte auch die Tonbandaufnahme, die Falk belastet. Sein Neffe E. habe sie ihm einmal vorgespielt. „Ich fand das ehrlich gesagt interessant“, sagt er, will dazu dann aber keine Fragen mehr beantworten. Außerdem soll er bei zwei Rechtsanwälten und bei der Polizei nach einer Belohnung für seine Aussage gefragt haben.

          Falk kannte er zwar persönlich, aber nur von einem Treffen im Steakhaus 2010, bei dem er ihm etwas über das Gefängnis erzählen sollte, in das Falk kurz darauf wegen seiner Betrugs-Strafe musste. An dieses Treffen erinnert Y. sich so detailliert wie an sonst gar nichts. Der Grund: Den prominenten Falk zu treffen sei aufregend gewesen. „Das war wirklich was Besonderes. Er war cool.“

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