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Protest bei Autozulieferer : Schellen von der Belegschaft

„Zukunft oder Widerstand“: Betriebsrat Klaus Dietzel (links) führt 200 Norma-Beschäftigte durch Offenbach. Bild: Hass, Landro, Lando

Vor Gericht und auf der Straße wehren sich die Beschäftigten des Autozulieferers Norma dagegen, dass jede dritte Stelle wegfallen soll. Das Unternehmen will bis Mitte 2022 seine Arbeitsplätze streichen, und zwar so „sozialverträglich wie möglich“.

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          Bevor der Protest richtig losgeht, wird er ein letztes Mal geübt. „Wir rufen jetzt mal die Parolen“, weist Betriebsrat Klaus Dietzel die vor ihm stehende Menge aus rund 200 Kollegen an, die die Losungen von Zetteln ablesen können. „Zukunft oder Widerstand“, „Stoppt die Gier – wir bleiben hier“, in dieser Art etwa. „Das klappt doch schon ganz gut“, sagt Dietzel erfreut. Da kann der Protestzug vom Offenbacher Busbahnhof zum gerade einmal 200 Meter entfernten Arbeitsgericht ja losziehen, inklusive der dafür obligatorischen Trillerpfeifen und Sirenen. Und mit den regelmäßigen Megafonanweisungen, doch immer einen Sicherheitsabstand zu halten oder ansonsten Maske zu tragen.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit vier Bussen sind die Beschäftigen des Autozulieferers Norma aus dem benachbarten Maintal angereist, unter ihnen sind sogar ein paar Kollegen aus Gerbershausen in Nordthüringen. „In Maintal steht die Produktion still“, ruft Dietzel den Demonstranten zu. Das habe das Management nun davon. Das Unternehmen Norma Germany hatte vor wenigen Wochen mitgeteilt, dass das Werk in Thüringen komplett geschlossen wird, am Hauptsitz in Maintal sollen 160 Arbeitsplätze wegfallen, ein Drittel aller dortigen Stellen. Das Unternehmen selbst begründet dies damit, dass man wieder „wettbewerbsfähig“ werden müsse.

          So „sozialverträglich wie möglich“

          Der Anlass für die Kundgebung am Freitag klingt zunächst sehr technisch, vor dem Arbeitsgericht streiten sich die Arbeitnehmervertreter und die Unternehmensleitung, mit wem das Management über den Stellenabbau verhandeln muss: mit dem Gesamtbetriebsrat oder jeweils mit den beiden örtlichen Vertretungen. Im Kern geht es dabei jedoch darum, wie schnell das Unternehmen seine Stellenabbaupläne umsetzen kann. Müsste es mit zwei Betriebsräten verhandeln, würde es wohl viel länger dauern, und es könnte auch deutlich teurer werden, etwa wenn dann gleich zwei Einigungsstellen zur Schlichtung notwendig würden. Am Freitag hat das Offenbacher Arbeitsgericht beide Seiten angehört, eine Entscheidung soll am Montag verkündet werden.

          Die Gewerkschaften fürchten, dass schon im Oktober die ersten Kündigungen rausgehen, auch wenn das Unternehmen selbst das so nicht bestätigen will. Der Stellenabbau solle bis Mitte 2022 umgesetzt werden, heißt es, und zwar so „sozialverträglich wie möglich“. Allein mit dem Nichtbesetzen offener Stellen oder mit Hilfe von Abfindungen dürfte der Einschnitt aber kaum zu bewältigen sein.

          Die Autohersteller schwächeln

          Rund 8500 Mitarbeiter, ein Viertel davon Leiharbeiter, hat die Norma Group weltweit, die sich als „Markt- und Technologieführer für hochentwickelte Verbindungstechnik“ bezeichnet. Ihre Schlauchschellen und Rohrverbindungen werden von vielen großen Autoherstellern verbaut, etwa in Benzinleitungen oder auch in Adblue-Systemen zur Reduzierung von Stickoxiden in Dieselabgasen. Gut 50 Prozent des Norma-Umsatzes würden durch die Automobilindustrie erzeugt, heißt es vom Unternehmen.

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