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Produktion läuft weiter : Chemiefirma LII trotz Insolvenz hoffnungsvoll

Einer von 360: Beschäftigter von LII Europe vor einer Produktionsanlage im Industriepark Höchst Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Vor dem Hintergrund eines zähen Rechtsstreits über die Eigentümerverhältnisse hat das Chemieunternehmen LII Europe in Frankfurt einen Insolvenzantrag gestellt. Die Produktion des 360 Mitarbeiter starken Betriebs läuft aber weiter, die Geschäftsführung gibt sich hoffnungsvoll.

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          Vor dem Hintergrund eines zähen Rechtsstreits über die Eigentümerverhältnisse hat sich das Chemieunternehmen LII Europe in Frankfurt für zahlungsunfähig erklärt und Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist der Anwalt Michael Frege bestellt worden, wie der Jurist und der Firma gemeinsam mitteilten. LII Europe ging 1998 aus der Hoechst AG hervor und stellt im Industriepark Frankfurt-Höchst mit 360 Mitarbeitern unter anderem Salzsäure, Natronlauge, Wasserstoff und Chlor her. Trotz der Zahlungsunfähigkeit äußerte sich Geschäftsführer Erhard Leistner im Gespräch mit der Rhein-Main-Zeitung hoffnungsvoll, neue Investoren gewinnen und den Betrieb wie seit längerem geplant modernisieren zu können. Die Nachfrage nach LII-Produkten sei stabil bis steigend. Die Lieferanten versorgten das Unternehmen weiter, die Produktion laufe uneingeschränkt. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht geplant.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Nachricht von der Insolvenz hat die Arbeitnehmervertreter ziemlich unvorbereitet getroffen. Er habe zwar von wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei der Chemiefirma gewusst, jedoch keine Hinweise auf eine drohende Insolvenz gehabt, sagte Jürgen Glaser, Frankfurter Sekretär der Chemie-Gewerkschaft IG BCE. Von einer Versammlung erhofft er sich an diesem Mittwoch genauere Informationen.

          LII: Investoren an der Hand

          Der Betrieb ist aus mehreren Gründen in finanzielle Schieflage geraten: Die Produktionsverfahren benötigen viel Energie, was in den vergangenen Jahren aufgrund der gestiegenen Preise für Energie höhere Kosten nach sich zog. Dieser Mehraufwand konnte nach Angaben Leistners nicht durch höhere Produktpreise aufgefangen werden. Zudem sieht sich LII im Bestreben, die Produktion zu modernieren, durch den Rechtsstreit behindert. Dieser hatte sich an Meinungsverschiedenheiten über Besitzverhältnisse entzündet.

          LII war 2005 für acht Millionen Euro an einen Unternehmensverbund veräußert worden. Zu diesem Kreis zählte der Brite Rhodri Phillips, der als Direktor der Muttergesellschaft LII Holding Ltd. in England zeichnete und zwischenzeitlich auch das Nürnberger Unternehmen Hans Brochier erwarb, das später pleite ging. Phillips wurde im März dieses Jahres einem Untreueprozess um den Niedergang des Rohr- und Anlagenbauers zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Wie Leistner berichtete, nutzte der Brite die Untersuchungshaft im Sommer 2007, um über einen Notar die Anteile an LII Europe auf eine Treuhandgesellschaft übertragen zu lassen. Obwohl er nicht alleine vertretungsberechtigt war, wie der LII-Geschäftsführer hervor hob.

          Cashflow zuletzt negativ

          Vor diesem Hintergrund habe ein anderer Holding-Direktor den Frankfurter Betrieb an die MSW 29. Vermögensverwaltungs GmbH mit Sitz in Köln verkauft. Die Unklarheit, wem das Unternehmen tatsächlich gehöre, führte zu dem Rechtsstreit. Unterdessen versuchte die LLI-Geschäftsführung vergeblich, sich mit Anwälten von Phillips zu einigen und den Weg für den Einstieg neuer Investoren zu ebnen. „Dann ging uns aber die Puste aus“, sagte Leistner. Wie er weiter erläuterte, war der Cashflow zuletzt negativ, die Kosten überstiegen den Mittelzufluss.

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