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Privatbanken : Hauck & Aufhäuser will in der Krise weiter wachsen

ie einstige Eingangshalle mit klassischem Geldausgabeschalter am Hauptsitz Kaiserstraße wird zum schicken Foyer mit Flügel: Hauck & Aufhäuser Bild: Astis Krause

Die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser ist weiter auf der Suche nach Zukäufen. Im Investmentbanking und im Kreditgeschäft hat sie schon zugelegt.

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          Bei der Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser wird gebaut. Die einstige Eingangshalle mit klassischem Geldausgabeschalter am Hauptsitz Kaiserstraße wird zum schicken Foyer mit Flügel, in dem künftig auch Kundenveranstaltungen stattfinden sollen. Für die wenigen Kunden, die tatsächlich Bargeld bei ihrem Vermögensverwalter abheben wollen, wird es eine Art Geldautomat geben - ohne Ausgabelimit. Am 17. Mai wird das neue Entree geöffnet, im September soll Justus Frantz vor Kunden den Flügel einspielen.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch hinter den Kulissen wird kräftig gewerkelt. Die persönlich haftenden Gesellschafter Volker van Rüth und Michael Schramm wollen die Krise nutzen, um die eigene Bank durch Zukäufe stärker aufzustellen. Mit dem Kauf der Frankfurter Investmentboutique Cazenove bieten sie seit einem Jahr auch Kapitalmarktberatung für ihre Kunden - wohlhabende Unternehmer - an, mit der Schweizer Vermögensverwaltung Dr. Höller hat man sich Expertise im Öko-Anlagemarkt eingekauft. Auch Mitarbeiterteams etwa von der gestrauchelten Bank Sal. Oppenheim hat Hauck & Aufhäuser abgeworben. Und die Bank ist weiter auf Brautschau. Wie Schramm am Mittwochabend bei der Vorstellung der Geschäftszahlen 2009 sagte, sieht man sich einige Optionen zum Zukauf einer Privatbank an. Eine Milliarde Euro verwaltetes Vermögen sollte sie mindestens mitbringen.

          Jürgen Heraeus unter den Eigentümern

          Hauck & Aufhäuser selbst hat das Vermögen, das die Bank vor allem für gutbetuchte Mittelständler verwaltet, im vergangenen Jahr um zwei Milliarden auf nun rund 20 Milliarden Euro ausweiten können. Vor allem Kunden der ehemaligen Dresdner Bank und der Schweizer Großbank UBS habe man gewinnen können. Im ersten Quartal 2010 habe sich der Zulauf fortgesetzt.

          Doch bei der Privatbank sind Jahrespressegespräche etwas anders als bei größeren Häusern. Es gibt Spargel und Wein, dazwischen wird über die Zahlen gesprochen. Immer wieder merkt Schramm dabei an, dass die Angaben einer Privatbank ja „dehnbar“ seien. Letztlich müssen vor allem die Eigentümer zufrieden sein. Das familienbetriebene Bankhaus Metzler treibt das so weit, dass jedes Jahr die gleiche Summe unter dem Strich steht und die Bilanz von dort aus aufgeschlüsselt wird. Bei Hauck & Aufhäuser sind die Eigentümer ein illustrer Kreis von Unternehmern. Jürgen Heraeus zählt dazu, der ehemalige Merck-Chef Hans Joachim Langmann, seit kurzem auch Solar-Manager Frank Asbeck und die Familie Mast - deren Hausprodukt in der Bank nun nach jedem Essen gereicht wird: Jägermeister.

          Überschuss im Zinsgeschäft stark gewachsen

          Derzeit ist man auf der Suche nach einem Nachfolger für Aufsichtsratschef Hans Tietmeyer. Der ehemalige Bundesbankpräsident geht auf die achtzig zu, und es gilt als unwahrscheinlich, dass er im nächsten Jahr für eine weitere Amtszeit kandidiert. Auf der Hauptversammlung im Juni sollen Nachfolgekandidaten vorgestellt werden - Wolf Schumacher von der Wiesbadener Aareal Bank gilt als Aspirant.

          Die Bilanzsumme liegt bei 2,9 Milliarden, als Gewinn weist die Bank rund zwölf Millionen Euro aus. Anders als im Jahr 2008 habe man diesmal nicht in die Reserven greifen müssen, um unter dem Strich in die schwarzen Zahlen zu kommen, sagte Schramm. Im Gegenteil habe man einiges zurücklegen können, um für eine mögliche Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften gewappnet zu sein.

          Vor allem im Zinsgeschäft konnte Hauck & Aufhäuser zulegen, der Überschuss wuchs hier um gut 50 Prozent auf 36,9 Millionen Euro. Als Begründung verwies Schramm vor allem auf das Kreditgeschäft, wo der Bank ebenfalls die Krise nützt. Denn viele der Unternehmerkunden sähen derzeit Chancen für Zukäufe und wollten schnell zuschlagen. Das Wort „schnell“ existiere in der Kreditvergabe vieler Großbanken aber gerade nicht, sagte Schramm. Hauck & Aufhäuser hingegen könne innerhalb einer Woche Kredite ausgeben, wenn der Unternehmer selbst sein Vermögen als Sicherheit angebe - und verlangt dafür entsprechende Margen.

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