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Privatbank LGT : Die BHF-Bank wird womöglich liechtensteinisch

  • -Aktualisiert am

Zu verkaufen: Die BHF-Bank an der Bockenheimer Landstraße steht vor dem nächsten Eigentümerwechsel. Bild: Lucas Wahl

In Finanzkreisen halten sich die Gerüchte, letzter Kaufinteressent für die BHF-Bank sei die Privatbank LGT. Nach Informationen dieser Zeitung wollen die Liechtensteiner das Haus fast komplett übernehmen und weiterführen.

          Nach dem offiziellen Ablauf des Bieterverfahrens für den Verkauf der BHF-Bank am vergangenen Freitag sind Details zu dem Angebot der Liechtensteiner Privatbank LGT bekannt geworden. Wie diese Zeitung aus beteiligten Kreisen erfuhr, würden die Liechtensteiner, die als aussichtsreichster Kandidat für den Zuschlag gelten, die BHF-Bank als Ganzes weiterführen. Standort, Markenname und sogar die Führungsriege sollten demnach erhalten bleiben. Wie diese Zeitung weiter erfuhr, will die LGT die BHF-Bank, die sowohl Private Banking als auch Kapitalmarktdienstleistungen anbietet, nahezu vollständig übernehmen. Lediglich einige Kapitalmarktabteilungen sowie der Eigenhandel sollten bei der Deutschen Bank verbleiben.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Großbank hatte das Frankfurter Traditionshaus mitübernommen, als sie Ende 2009 deren Mutter, die in arge Turbulenzen geratene Privatbank Sal. Oppenheim, gekauft hatte. Schon kurz danach hatte Bankchef Josef Ackermann klargemacht, dass er die BHF nicht lange im Konzern halten wolle. Die kleinen Nachbarn gelten als Miniaturmodell des Branchenprimus, das der Deutschen Bank wenig bieten kann, was sie nicht schon selbst betreibt. Ein Eingliedern in die Deutsche Bank ginge allerdings mit erheblichem Stellenabbau einher. Sowohl den Aufwand als auch die damit verbundenen negativen Nachrichten will Ackermann tunlichst vermeiden. Vor allem weil mit der Postbank-Übernahme schon die nächste Großbaustelle bevorsteht, bei der den Bankern der strenge Blick der Politik gewiss sein dürfte. Bis Ende des Jahres will der verantwortliche Finanzvorstand und BHF-Aufsichtsratschef Stefan Krause den Verkauf daher besiegelt haben.

          Mitarbeiter hoffen

          Von Seiten der Deutschen Bank verlautete gestern: „Es sind bei uns eine Reihe von Angeboten zum Kauf der BHF-Bank eingegangen. Nun werden wir diese Angebote sorgfältig prüfen und anschließend entscheiden, wie und mit wem wir den Prozess fortführen.“ Zuletzt war allerdings hauptsächlich von abspringenden Interessenten zu lesen. So hatte das zur Oetker-Gruppe gehörende Bankhaus Lampe Ende vergangener Woche sein Angebot zurückgezogen. Dass der Finanzinvestor KKR, der sich mit Lampe zusammengetan hatte, alleine weiter bietet, gilt als unwahrscheinlich. Auch andere Finanzinvestoren waren im Gespräch, Apollo etwa oder der indische Hinduja.

          Aus Reihen der BHF-Belegschaft war am Montag eine klare Präferenz für die LGT gegenüber einem Finanzinvestor zu vernehmen. Eine gestandene Privatbank verstünde das Geschäftsmodell der BHF besser und biete die besten Chancen darauf, dass die bisherige Struktur langfristig weiterentwickelt werde, war aus Mitarbeiterkreisen zu hören. Die LGT selbst wollte gestern zur BHF-Bank keine Stellungnahme abgeben.

          Der fünfte Eigentümerwechsel in Folge

          In Deutschland beschäftigt die Bank, die dem Liechtensteiner Fürstenhaus gehört, nach eigenen Angaben 200 Mitarbeiter an sieben Standorten. Die Zentrale sitzt am Frankfurter Museumsufer. Angesichts der Größenverhältnisse gilt als möglich, dass die Bank selbst langfristig in der rund 1500 Mitarbeiter zählenden BHF-Bank aufgeht, deren Name im deutschen Markt weit besser etabliert ist.

          LGT macht hierzulande vor allem Private Banking. Zum 30. Juni 2009 wies die LGT-Gruppe für ganz Europa ein betreutes Vermögen von rund 79 Milliarden Schweizer Franken (54 Milliarden Euro) aus. Einem breiten Publikum ist die Bank vor allem durch die gestohlenen Daten von Steuerhinterziehern bekannt geworden, die unter anderem den ehemaligen Postchef Klaus Zumwinkel entlarvten. Im Sommer ist sie mit der Tochter LGT Capital Management auch ins deutsche Fondsgeschäft eingestiegen.

          Für die BHF-Bank, die sich auf dem Schild vor ihrem Haus stolz als „Privat seit 1854“ bezeichnet, wäre der Verkauf der fünfte Eigentümerwechsel in Folge. 1995 wurde die Traditionsbank in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Drei Jahre später kaufte der niederländische Finanzkonzern ING erst ein Drittel des Hauses und übernahm es schließlich komplett. 2004 dann ging sie an Sal. Oppenheim. Im Haus ist man überzeugt davon, dass die Kundschaft all die Wechsel nur mitgemacht hat, weil die BHF immer als Ganzes erhalten worden sei. Die Hoffnung besteht nun mit Blick auf die LGT wieder.

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