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Postdienste : Hochbetrieb in Feldpostzentrale: Schnittstelle zur Heimat

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Dieser Tage besonders häufig verschickt: Feldpostpaket Bild: dpa/dpaweb

Pakete türmen sich auf Rollwagen in einer schmucklosen Halle bei Darmstadt. Von Männern in olivgrün werden sie in Kisten sortiert. Kleine Tafeln geben die Bestimmungsorte an: Kabul, Kundus, Pristina, Prizren. Dieser Tage herrscht besonders viel Betrieb.

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          Pakete stapeln sich in der Halle. Sie türmen sich auf Rollwagen oder säuberlich aufgereiht auf Paletten. Ein gutes Dutzend Männer in olivgrünen Uniformen sortiert sie in routinierter Geschäftigkeit in Holzkisten. Kleine Tafeln geben in Kreideschrift die Bestimmungsorte an: Kabul, Kundus, Pristina, Prizren. Die schmucklose Halle auf einem Kasernengelände in Pfungstadt wenige Meter südlich der Stadtgrenze von Darmstadt ist eine der wichtigsten Verbindungen in die Heimat für deutsche Soldaten in Afghanistan, in Bosnien oder im Kosovo: Sie beherbergt die Feldpostzentrale der Bundeswehr.

          „Wir sind die Schnittstelle zwischen In- und Ausland“, sagt Reservefeldwebel Dirk Sieber. „Es gibt nichts, was nicht über uns läuft.“ Tatsächlich geht jeder Brief, jedes Päckchen und jedes Paket für einen Bundeswehr-Soldaten im Ausland durch diese Halle, bevor es per Lastwagen oder Luftfracht zu seinem Bestimmungsort gebracht wird. „64298 Darmstadt“ lautet die Adresse, mit der die daheimgebliebenen Angehörigen ihre Grüße zum Inlandstarif auf den Weg bringen können. Und auch der umgekehrte Weg führt stets über die Halle in der Frankensteinkaserne.

          1,2 Millionen Briefsendungen und 300.000 Pakete sind hier laut Sieber im vergangenen Jahr umgeschlagen worden; das entspricht etwa dem Aufkommen einer Stadt mit 60.000 Einwohnern. An einem normalen Tag kommen rund 600 bis 700 Pakete aus Deutschland für Zielorte im Ausland an. In der Adventszeit können es leicht doppelt so viele werden. „Zu Weihnachten ist es wie auf der richtigen Post“, berichtet Sieber. „Da haben wir zwei Drittel des gesamten Aufkommens.“

          Der 42jährige Sieber tut seit August Dienst in Pfungstadt. Im zivilen Leben steht er in Bad Homburg hinter einem Postschalter. Der fünfmonatige Dienst ist für ihn eine Wehrübung, zu der er sich - wie alle hier - freiwillig gemeldet hat. „Die Feldpost hat einen sehr, sehr hohen Stellenwert für die Soldaten im Ausland - neben der Verpflegung eigentlich den höchsten“, erklärt Sieber, warum er freiwillig das Leben in der Kaserne und die zeitweise Trennung von Frau und Kindern in Kauf nimmt.
          Sein Kollege Peter Dietrich, ein 30 Jahre alter Stabsgefreiter, ist schon zum dritten Mal im Feldpost-Einsatz. Damit ist er keine Ausnahme: Einige seiner derzeitigen Kollegen kennt er bereits von früheren Einsätzen. Probleme, genug Freiwillige zu finden, gebe es nicht, sagt auch Postsprecher Stefan Heß: „Das sind alles Wiederholungstäter.“

          Dietrich bestätigt aus eigener Erfahrung bei einem Einsatz im Kosovo, wie wichtig vor allem der klassische Brief für Soldaten im Ausland ist. Natürlich telefonieren diese auch oder schreiben E- Mails. „Aber wenn da 1300 Soldaten sind, und es gibt nur drei Rechner und Stromausfall, hat man ja gar keine andere Möglichkeit.“ Und außerdem, fügt Dietrich hinzu: „Einen Brief in der Hand zu halten, ist schon etwas anderes.“

          Daneben sind es auffallend viele Zeitungen, die die Verbindung in die Heimat sicherstellen sollen: Regionalblätter aus allen Winkeln Deutschlands gehen täglich durch die Hände der Feldpostler. Und auch für ungewöhnlichere Sendungen sind sie die erste Anlaufstelle. Da kann es durchaus vorkommen, daß jemand Autoreifen zum Versand aufgibt, wie sich Reservist Sieber erinnert. „Einmal hat sich auch jemand ein Fahrrad nachschicken lassen“, sagt er. „Das war allerdings zu groß - das mussten wir zurückschicken.“

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