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Porträt : Der zweite „Börsenbabbler“ geht

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Offenbar ein Bulle, wenn´s um Aktien geht: Dieter Möller, „Börsenbabbler” vor dem Ruhestand Bild: picture-alliance/ dpa

Für die meisten Fernsehzuschauer ist Dieter Möller ein Gesicht der ARD-Börsenberichte. Als solches verabschiedet er sich nun, kurz nach seinem Chef Frank Lehmann. Seine journalistisch interessante Zeit hat er aber im kommunistischen Prag erlebt.

          Die Gründergeneration der ARD-Börsenberichterstattung hat das Parkett verlassen. Wenige Monate nach seinem Chef, dem „Börsenbabbler“ Frank Lehmann, geht nun auch Dieter Möller - das zweite altbekannte Gesicht der ARD-Sendung „Börse im Ersten“ - in den Ruhestand. Über 40 Jahre lang hat Möller in den unterschiedlichsten Ressorts für den Hessischen Rundfunk (hr) aktuell berichtet. Seine journalistisch interessanteste Zeit sei die als ARD-Korrespondent im damals noch kommunistischen Prag gewesen, erzählt Möller, der froh ist, sich mit allzu konkreten Anlagetipps zurückgehalten zu haben. Manche Fehleinschätzung gibt er dennoch zu.

          „Es ging uns vor allem darum, Informationen zu liefern, damit die Leute eigene Entscheidungen zum Beispiel zu ihrer Altersvorsorge treffen können“, beschreibt der Börsenexperte die Grundausrichtung der von ihm seit 1989 verantworteten Sendungen. Rausgehalten habe man sich bei konkreten Anlageempfehlungen: „Gerade beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk wären wir sonst in Teufels Küche gekommen.“ Dennoch hätten auch die ARD-Börsianer den „Hype“ um den später zusammengebrochenen Neuen Markt mitgemacht - schon wegen des damals ständig wachsenden Umfangs der Berichterstattung. „Wir haben uns auch von der Euphorie verführen lassen“, sagt Möller im Rückblick selbstkritisch.

          „Aktien langfristig sinnvoll als Vermögensergänzung“

          In den Jahren 2000 und 2001 hätten die Leute vergessen, dass Aktien Risiko-Papiere seien und die Börse keine Einbahnstraße, erinnert sich der Moderator. „Dennoch sind Aktien langfristig sinnvoll als Vermögensergänzung.“ Von Anfang an kein gutes Gefühl habe er bei den Börsengängen der Deutschen Telekom gehabt, obwohl es zuvor zahlreiche erfolgreiche Volksaktien gegeben hatte. „Da ist den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen worden.“

          In seinen Sendungen ist der Börsenmann selten so deutlich geworden. Wo der volkstümliche Lehmann im Zweifel einen flotten Spruch abgelassen hat, bevorzugte Möller den feineren Witz, manchmal auch einen Schuss Ironie. „Man muss halt man selbst sein, sonst funktioniert das nicht.“ Den quicken Lehmann kennt er seit Anfang der siebziger Jahre. „Eigentlich hätten wir auch heiraten können, so viele Sendungen haben wir zusammen gemacht.“ Zu den Senderlegenden gehört das kritische Hessenjournal; die Hessenschau, das Magazin der Woche in der ARD, Sportübertragungen und Wirtschaftsmagazine sind weitere Stationen Möllers, der 1966 als Praktikant in Kassel begonnen hatte.

          Die intensivste berufliche Zeit des TV-Reporters begann 1975, als es den Linksterroristen von der „Bewegung 2. Juni“ gelang, im Austausch mit dem entführten Berliner CDU-Politiker Peter Lorenz Gesinnungsgenossen freizupressen. Möller leitete die von den Terroristen verlangte Übertragung des Abflugs vom Flughafen und war fortan der Terror-Experte der ARD in Frankfurt. Das Attentat auf Jürgen Ponto, die Festnahme wichtiger Terroristen, die Jagd auf Christian Klar durch den Taunus, die Kämpfe um die Startbahn West - Möller hat dies alles als nimmermüder Berichterstatter begleitet. „Damals hätte ich gar keine Wohnung mehr gebraucht, sondern nur ein Schließfach am Bahnhof.“

          „Ich habe in meinem Leben genug gearbeitet“

          Noch anregender fand er aber die darauf folgende Zeit als ARD-Korrespondent in Prag. „Da war ich Staatsfeind Nummer 1“, erinnert sich der Journalist an sein Verhältnis zur kommunistischen Regierung der damaligen CSSR. Konspirative Treffs mit Regime-Gegnern wie Vaclav Havel und die dramatischen Fluchten von DDR-Bürgern in westliche Botschaften ließen in Möller die Gewissheit wachsen, dass sich der Ostblock nicht mehr lange würde halten können. Nach viereinhalb Jahren kehrte er 1986 gemeinsam mit seiner Frau Petra und dem damals bald schulpflichtigen Sohn Alexander nach Frankfurt zurück.

          Möllers letzter Tag in Diensten des HR wird der 30. August sein, gleichzeitig sein 65. Geburtstag. „Ich habe in meinem Leben genug gearbeitet“, findet der Fernseh-Mann, doch so ganz lässt ihn das Journalistenleben noch nicht los. Ein paar kleinere Moderationsjobs - schon im September bei einer Analysten-Gala - und hochkarätige Tourismuskongresse, damit will sich Möller künftig beschäftigen. In die weite Welt zieht es ihn nicht mehr: „Ich bin ein Frankfurter und bleibe auch hier wohnen.“

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