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Philatelie : Die Aktie des erfahrenen Mannes

Der Handel mit Briefmarken erlebt eine Renaissance Bild: AP

In unruhigen Zeiten erlebt die Philatelie eine Renaissance. Der Handel mit Briefmarken erfordert aber Erfahrung.

          Wenn die Welt draußen durcheinander gewirbelt wird, bleibt es im Briefmarkenalbum ganz ruhig. Die kleinen Kostbarkeiten warten geduldig darauf, dass ein Sammler sie voller Stolz betrachtet. Oder dass sie irgendwann an einen anderen Philatelisten verkauft werden. Und das oft mit einer erstaunlichen Rendite – zumindest im Vergleich zu den Zinsen, die man gegenwärtig bei den klassischen Anlageformen bekommt.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Dass bei Furcht vor Inflation vermehrt in Sachwerte investiert wird, ist nichts Neues. So steigt zum Beispiel der Goldpreis kontinuierlich. Doch auch der Handel mit Briefmarken erlebt eine Renaissance. „Bei Auktionen erleben wir, dass stärker investiert wird“, sagt Dieter Michelson, Geschäftsführer des Wiesbadener Auktionshauses Köhler. Nach seinen Angaben macht das Haus im Jahr zwischen zehn und elf Millionen Euro Umsatz bei Auktionen. Doch würden nur die erfahrenen Sammler die Hand heben, wenn es um größere Beträge gehe. „Man sollte sich gut auskennen und Erfahrung in der Philatelie haben.“ Für Neueinsteiger bieten sich Briefmarken also weniger an. Wer eine gute Investition tätigen will, sollte sich nicht nur die aktuellste Auflage des Michel-Katalogs kaufen, sondern sich auch Zeit nehmen. Früher galten die Marken einmal als die Aktie des kleinen Mannes. Heute sind sie eher die des erfahrenen Mannes.

          Besonders beliebt: Marken aus den deutschen Königreichen

          Dafür können die Renditen überdurchschnittlich ausfallen. Peter Boner, Auktionator beim Frankfurter Auktionshaus Weiser, spricht von einer stabilen Wertsteigerung. Briefmarken seien geringeren Preisschwankungen unterworfen als beispielsweise Gold.

          „Die Spitzenphilatelie beginnt bei circa 5000 Euro pro Marke“, sagt Michelson vom Auktionshaus Köhler. In diesem Markt seien die Wertsteigerungen ganz ordentlich. Besonders beliebt und deswegen teuer seien Marken aus den deutschen Königreichen, ergänzt der Frankfurter Auktionator. Alle Marken seit 1945 seien hingegen uninteressant. „Die Auflagen waren so groß, dass die Marken heute kaum einen Wert haben.“ Zudem werde die Provenienz immer wichtiger, wer also die Marke zuvor besessen habe. „In erster Linie geht es um den Erwerb einer schönen Marke, an der der Sammler Freude hat. Aber natürlich macht er sich auch Gedanken, ob er sein Geld damit gut anlegt und es eventuell später wieder einmal zurück bekommt.“

          Die Hoch-Zeit der sechziger Jahre ist wohl Vergangenheit

          Doch selbst wenn jetzt das Interesse an der Philatelie wieder steigt, eine Hoch-Zeit wie in den sechziger Jahren wird sie wohl nicht mehr erleben. Damals warben Auktionshäuser mit dem Slogan „Briefmarken vergolden sich selbst“. 15 Prozent Wertsteigerung innerhalb eines Jahres waren keine Seltenheit. Und so kam der Frankfurter Händler Hartmut Schwenn, eine Legende in der Szene, 1969 auf die Idee, bestimmte Marken oder ganze Sätze in versiegelten Kassetten wie Aktien am Bankschalter auszugeben. Schwenn war von der Wertsteigerung so überzeugt, dass er sogar eine Rücknahme-Garantie mit zwölf Prozent Zinsen anbot. Doch auch diese Blase platzte irgendwann einmal.

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