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Pharmabranche : Schering lehnt Übernahmeangebot von Merck ab

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Hubertus Erlen: „Dieses Angebot ist nicht attraktiv” Bild: AP

Der Darmstäder Pharmakonzern Merck will die Berliner Schering kaufen und hat dafür rund 15 Milliarden Euro geboten. Schering lehnt die Offerte ab. Doch der Aktienkurs macht einen Riesensatz.

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          Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck will den Pharmakonzern Schering kaufen. Schering lehnte die Offerte am Sonntag als unerwünscht und unzureichend ab. Merk wolle 77 Euro je Schering-Aktie bieten. Das entspräche einem Gesamtwert von rund 15 Milliarden Euro oder einem Zuschlag von 15 Prozent auf dem Schlußkurs von 66,68 Euro am Freitag.

          Merck ist im M-Dax, dem Index für Nebenwerte, mit einem Börsenwert von rund 4,3 Milliarden Euro notiert, wobei sich zwei Drittel der Aktien im Besitz der Familie befinden. Schering hingegen ist ein Dax-Wert mit einem Börsenwert von knapp 13 Milliarden Euro. Merck erzielt vor allem mit Flüssigkristallen für Flachbildschirme große Gewinne und setzte zuletzt 5,9 Milliarden Euro um. Scherings Umsatz belief sich auf rund 5,3 Milliarden Euro. Der Kurs der Schering-Aktie war im März aufgrund von Übernahmespekulationen stark gestiegen.

          Am Montag machten die Schering-Papiere einen Kurssprung. Die Aktie kletterte nach Handelsbeginn an der Frankfurter Börse um knapp 24 Prozent auf gut 82,60 Euro. Merck büßte dagegen fast zwei Prozent ein und notierte am Morgen (9.15 Uhr) bei 82,14 Euro pro Aktie. Der Anstieg des Schering-Kurses hatte sich schon vorbörslich abgezeicnet: „Da gibt es schon sehr viel Umsatz, da ist richtig was los“, sagte ein Händler des Brokerhauses Lang& Schwarz.

          Schering wird nicht von Merck übernommen

          „Dieses Angebot ist nicht attraktiv“

          Gerüchten zufolge wollen die rund 130 Familiengesellschafter des Merck-Konzerns, die bislang 73 Prozent der Anteile halten, ein Paket von gut 20 Prozent über die Börse verkaufen. Zudem ist Merck frei von Finanzschulden und könnte durchaus einen größeren Übernahmebetrag finanzieren. Merck wird von der Deutschen Bank und Goldman Sachs beraten, Schering von Morgan Stanley.

          Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen sagte der F.A.Z., man habe am Wochenende erfahren, daß Merck den Schering-Anteilseignern am Montag 77 Euro in Bar je Aktie bieten wolle. Schering lehne dies ab. „Wir sind der Überzeugung, daß dieses Angebot nicht attraktiv ist.“ Schering habe gute Zukunftsaussichten als unabhängiger Pharmaspezialist. Das Merck-Angebot stelle eine erhebliche Unterbewertung dar. „Das Angebot ist uns unaufgefordert vorgelegt worden, es ist nicht von uns erwünscht, wir stehen nicht in Verhandlungen mit der Merk KGaA.“

          Aktionärsfreundliche Dividendenpolitik

          Um Schering hatte es in den vergangen Jahren mehrfach Übernahmegerüchte gegeben. Das Unternehmen hatte argumentiert, dagegen spreche die hohe Spezialisierung. So könne ein Käufer kaum Synergieeffekte bei einer Übernahme nutzen. Auf der anderen Seite stünden Kartellhürden zwischen einem Kauf durch ein Unternehmen, das sich etwa ebenfalls auf Verhütungsmittel konzentrieren wollte. Größter Anteilseigner von Schering ist der Versicherungskonzern Allianz, der zuletzt 10,85 Prozent der Schering-Papier hielt. Der Rest der Aktien liegt in Streubesitz.

          Um etwaige feindliche Übernahmen abzuwehren, hatte der Schering-Vorstand in den vergangenen Jahren eine möglichst aktionärsfreundliche Dividendenpolitik und eine aktive Kurspflege betrieben. Erst im Februar hatte Erlen ein neues Ziel für die operative Marge angekündigt. Diese solle bis 2008 von zuletzt 17,5 Prozent auf 20 Prozent steigen.

          Weltmarktführer bei Verhütungsmitteln

          Schering hatte als einer der ersten deutschen Konzerne ein Aktienrückkaufprogramm beschlossen und die dadurch eingezogenen Aktien vernichtet. Für das laufende Jahr hatte der Vorstand unlängst weiter 500 Millionen Euro für einen solchen Rückkauf bereitgestellt. Zudem hatte sich das Unternehmen, das sich Anfang der 90er Jahre von den Sparten Chemie und Agrochemie getrennt hatte, früher als andere Konzerne auf Pharmaprodukte konzentriert.

          Schering ist Weltmarktführer bei Verhütungsmitteln und sieht hier auch mit dem Aufbau von Produktfamilien in der Hormontherapie gute Wachstumschancen. Gerade im margenstarken amerikanischen Markt hat der Konzern in den vergangenen Jahren hohe Wachstumsraten erreicht.

          Hoher Cashflow und ein gutes Kreditrating

          Mit dem Medikament Betaferon bietet Schering ein medizinisch und wirtschaftlich hoch erfolgreiches Präparat zur Bekämpfung der Multiplen Sklerose an. Allein damit erzielte Schering 867 Millionen Euro Jahresumsatz. Das Unternehmen ist zudem mit einer Reihe von Präparaten für die bildgebende Diagnostik wie die Magnetresonanztechnik erfolgreich.

          Weniger erfolgreich klangen zuletzt die Meldungen aus dem Forschungsbereich Onkologie. Die amerikanische Zulassungsbehörde hatte für mehrere Krebspräparate zusätzliche Fragen gestellt, die das Zulassungsverfahren hinauszögerten. Entsprechend negativ hatte die Börse im vergangenen Jahr reagiert, als sich der Kurs der Aktie bis Jahresende wenig, aber unterhalb des Marktwachstums verändert hatte. Auch zu den mehrfach angekündigte Übernahmen kam es nicht. Dafür habe Schering Barmittel von 1,2 Milliarden Euro, einen eben so hohen Cashflow und ein gutes Kreditrating.

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