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Pharma-Haus geplant : Frankfurt soll wieder „Apotheke Europas“ werden

Das Pharma-Haus als Schnittstelle von Hochschulforschung und Unternehmen soll einmal den Unternehmen helfen, aus diesem Dilemma herauszufinden: indem sich Wissenschaftler verschiedener Seiten in einem frühen Forschungsstadium austauschen und mögliche Fallstricke auf dem Weg zu einem neuen Medikament entdecken. Ziel müssen laut Geisslinger und Schubert-Zsilavecz letztlich Methoden sein, die Schwierigkeiten in der Arzneimittelentwicklung erkennen lassen, bevor große Summen ausgegeben worden sind. Nach dem Motto: „Wenn es scheitert, dann frühzeitig.“

„Verschiedene Kulturen der Forschung“

Viel versprechen sich die Initiatoren des „House of Pharma“ auch davon, die „verschiedenen Kulturen der Forschung“ an der Hochschule einerseits und in den Unternehmen andererseits zusammenzuführen. Denn Firmen forschten meist auf eine Krankheit bezogen und suchten gezielt nach Mitteln etwa gegen Alzheimer oder Krebs – die universitären Forscher gingen dagegen mehr der Frage nach, was eine Substanz alles leisten könne. Letztlich könne aus einer Zusammenarbeit ein Wissenstransfer folgen, der Pharmaunternehmen zu niedrigeren Kosten zu neuen erfolgreichen Arzneimitteln verhilft, den wissenschaftlichen Ruf der Hochschule mehrt und ihr Forschungsgelder bringt und der nicht zuletzt die Gesundheitsversorgung verbessert.

Mit diesem Konzept haben Schubert-Zsilavecz und Geisslinger schon den Merck-Konzern aus Darmstadt auf ihre Seite gezogen. Auch die Biotest AG in Dreieich, die ihr Geld mit Blutplasma-Produkten verdient, ist interessiert, wie das börsennotierte Unternehmen auf Anfrage mitteilte. Mit anderen Konzernen in der Region und darüber hinaus wollen die Professoren nach und nach sprechen. Auf ihrer Liste stehen außer Sanofi-Aventis in Höchst, wo Schubert-Zsilavecz am 15. Juli vorspricht, und der Frankfurter Merz Pharma unter anderem Boehringer Ingelheim, Bayer und der Impfstoffehersteller Novartis Behring in Marburg. „Wir müssen um die Bedürfnisse der Industrie wissen, sonst hat das Fraunhofer-Institut keinen Erfolg“, sagt Geisslinger.

Ein Haus für das „House of Pharma“

Das Fraunhofer-Institut für Arzneimittelforschung würde eine Lücke schließen, verfügt die als Verein organisierte Fraunhofer-Gesellschaft in München als größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa doch bisher nicht über eine solche Institution. Den Weg zur Gründung soll das Projekt „Anwendungsorientierte Arzneimittelforschung“ der Goethe-Universität und dem Aachener Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie ebnen. Es zählt zu jenen zehn Projekten, die in der vierten Runde des Loewe-Wettbewerbs in der engeren Wahl sind und bis 1. Dezember eine ausführliche Bewerbung abgeben können.

Im Sommer 2011 fällt dann die Entscheidung, ob von 2012 an Geld vom Land fließen wird. „Es wird nicht ausbleiben, dass sich Land und Universität maximal einbringen werden“, gibt sich Schubert-Zsilavecz zuversichtlich. Auch müsse es über Loewe-Mittel hinaus Geld geben, auch weil das „House of Pharma“ eine Immobilie brauchen werde. Andernfalls könnte die Fraunhofer-Gesellschaft auf die Idee kommen, Hessen sei es nicht ernst mit dem Ziel der „Apotheke Europas“.

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