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Persönlich : Ein Manager knapper Zeit

Teilt Zeiten zu: Flughafenkoordinator Claus Ulrich Bild: F.A.Z. - Wolfgang Eilmes

Claus Ulrich ist Flughafenkoordinator für Deutschland. Er entscheidet zusammen mit seinem Team von Frankfurt aus, wann welche Airline wo starten oder landen darf.

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          Anders als auf der Straße vollzieht sich der Verkehr an internationalen Flughäfen nicht danach, wie rücksichtslos oder auch nachsichtig ein Pilot oder eine Pilotin ist. Die Lücken für den An- und Abflug der Maschinen, die sogenannten Slots, werden nicht erstritten wie Parkplätze in Großstädten, sondern sorgfältig verteilt. Claus Ulrich ist Deutschlands oberster Entscheider, was diese kostbaren Lücken betrifft, er ist der Flughafenkoordinator der Bundesrepublik. Damit gehört er zu einer kleinen Gruppe von Experten, die weltweit diese Vergabe der Zeitfenster für die Starts und Landungen managen.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Sichtbar wird die Arbeit des Flughafenkoordinators spätestens in den Flugplänen, die alle halbe Jahre neu entstehen. Die große Zahl der darin notierten Flugverbindungen läßt erahnen, welchen Koordinationsaufwand das erfordert. Zur Zeit regeln Ulrich und seine 15 Mitarbeiter von Frankfurt aus 2,2 Millionen Flugbewegungen im Jahr.

          Verteilung der Slots

          Der Flughafenkoordinator verantwortet die Slot-Zuteilung an allen großen Verkehrsflughäfen in Deutschland, das sind momentan 17. Sehr stark frequentierte Drehkreuze wie Frankfurt und München erfordern naturgemäß den größten Arbeitsaufwand. Mit einem Slot an einem Flughafen ist einer Fluggesellschaft freilich nicht gedient, sie braucht auch zur rechten Zeit eine Lücke am Zielflughafen. Also muß die Fluglinie etwa bei internationalen Flügen nicht nur mit Ulrich und seinen Mitarbeitern verhandeln, sondern auch mit deren ausländischen Kollegen am anderen Ende der geplanten Strecke. Eine Direktverbindung ist eine vergleichsweise „einfache Übung“, bei Flügen mit mehreren Stopps steigt der Gesprächsbedarf rasch und stark an, denn mit jedem der jeweiligen nationalen Flugkoordinatoren ist ein passender Slot auszuhandeln.

          Allein in Frankfurt konkurrieren rund 180 Fluggesellschaften um die attraktivsten Lücken für Starts und Landungen. Die Nachfrage nach Slots ist freilich nicht auf jedem Flughafen der Welt so groß wie an den internationalen Drehkreuzen. Gleichwohl funktioniert der nationale wie der internationale Luftverkehr nur dann, wenn die Slot-Vergabe auf allen relevanten Flughäfen der Welt irgendwie unter einen Hut gebracht wird. Dazu dienen die internationalen Flugplankonferenzen. Das sind Treffen, die die internationale Vereinigung der Verkehrsfluggesellschaften, der rund 260 Unternehmen angehören, jedesmal veranstalten, wenn ein neuer Flugplan auszuhandeln ist, also zweimal im Jahr - mit dabei immer Claus Ulrich.

          Vereinfacht ausgedrückt, klappert auf einer solchen Konferenz jede einzelne Fluggesellschaft die Flughafenkoordinatoren aller Länder ab, die sie anfliegen will. „Das sind Veranstaltungen mit rund tausend Teilnehmern“, sagt Ulrich, der gerade die Flugplankonferenz für die Wintersaison 2006/2007 hinter sich gebracht hat. Bevor er und seine Koordinatorenkollegen darüber entscheiden, welche Fluggesellschaft zu welcher Zeit wo abheben und landen darf, gibt in Deutschland das Bundesverkehrsministerium vor, welche Kapazität am jeweiligen Flughafen überhaupt zu verteilen ist. Ermittelt hat das zuvor ein Koordinierungsausschuß, in dem - neben der Flughafenkoordination selbst - unter anderen Vertreter des jeweiligen Flughafens, der Fluggesellschaften, die dort arbeiten, des jeweiligen Bundeslandes und eben des Bundesverkehrsministeriums sitzen.

          Attraktive Flugzeiten bedeuten bares Geld

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