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Steuerhinterziehung : Unternehmen gelassen wegen „Panama-Papieren“

Scheinwelt: Der globale Steuerskandal wird mit Panama City assoziiert. Bild: EFE

Fraport verweist auf eine kurzfristige Beteiligung und Merck behauptet, die in Panama gemeldete Firma für den dortigen Vertrieb zu nutzen. Die Großbanken äußern sich hingegen nicht.

          Nach der Ankündigung, dass sich Hessen am Kauf und an der Auswertung der „Panama-Papiere“ beteiligen will, hatte die Vorsitzende der Fraktion „Die Linke“, Janine Wissler, am Dienstag die Frage nach den Konsequenzen gestellt. So sei es etwa spannend zu verfolgen, ob das Land Hessen selbst endlich dafür sorgen wolle, „dass Unternehmen, die mehrheitlich der öffentlichen Hand gehören, in Zukunft auf windige Geschäftspraktiken verzichten“, so Wissler. Sie sei jedenfalls gespannt, ob die Fraport AG die einzige Landesbeteiligung bleibe, die in den „Panama-Papieren“ auftauche. Bei Fraport gibt man sich allerdings gelassen und verweist auf eine Erklärung, die das Unternehmen schon vor einem Jahr, als die „Panama-Papiere“ auftauchten, abgegeben hatte. Ein Sprecher des Flughafenbetreibers erläuterte, das Thema sei im Zusammenhang mit dem Bieterverfahren um den Flughafen in Sankt Petersburg im Jahr 2008 zu sehen und stehe „in keinem Zusammenhang zu irgendwelchen Steuersparmodellen“.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Voraussetzung für die Teilnahme am Bieterverfahren um den russischen Flughafen Pulkovo vor neun Jahren sei die Abgabe eines Angebotes durch eine russische Gesellschaft gewesen. Die Gründung oder der Kauf einer russischen Firma durch die Partner des Bieterkonsortiums sei aufgrund der Kürze der Zeit aber nicht möglich gewesen. Deshalb sei die in den „Panama-Papieren“ erwähnte Nalingsford Ltd. als sogenannte Vorratsgesellschaft vom damaligen Bieterkonsortium aus Fraport, Horizon Air Investments und VTB Bank Europe erworben worden. Das Unternehmen Nalingsford, das auf den Britischen Jungferninseln seinen Sitz haben soll, sei wiederum indirekt Eigentümer einer ebenfalls bis dahin nicht aktiven Vorratsgesellschaft in Russland gewesen, die unter der Firma Northern Capital Gateway später den Zuschlag für den Betrieb des Flughafens erhalten habe.

          Der Finanzverwaltung seit jeher bekannt

          Nach dem Verfahren sei Nalingsford von dem Konsortium liquidiert worden, so der Sprecher weiter. Dementsprechend sei Fraport lediglich in der Zeit von Juli 2008 bis September 2008 an der Gesellschaft beteiligt gewesen. Davor und danach habe es keine Geschäftstätigkeiten gegeben, die vorübergehende Beteiligung habe rein zeitlich administrative Gründe gehabt und nicht der Steuerersparnis gedient. Vom Darmstädter Pharmakonzern Merck wiederum war zu hören, die panamaische Tochtergesellschaft betreue den dortigen Markt und beliefere diesen mit den Produkten des Konzerns. „Daneben ist sie in Zusammenarbeit mit weiteren lateinamerikanischen Merck-Gesellschaften in die Belieferung und Marktbearbeitung weiterer südamerikanischer Märkte involviert“, so ein Sprecher.

          Es handele sich somit um eine operative Gesellschaft und nicht um eine Briefkastenfirma, wie sie offenbar in Panama aufgesetzt wurden. Die Gesellschaft von Merck in Panama sei der deutschen Finanzverwaltung seit jeher bekannt, hieß es weiter. Die Deutsche Bank und die Commerzbank, deren Namen bei der Suche in den „Panama-Papieren“ ebenfalls auftauchen, hielten sich dagegen auf Anfrage auch ein Jahr nach der Veröffentlichung der Papiere bedeckt. Beide Konzerne gaben unisono an, das Thema nicht kommentieren zu wollen.

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