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Post am Arbeitsplatz : Das Paket kann am Empfang abgeholt werden

Gleich neben dem Büro: Neue Packstation bei Sanofi in Höchst. Bild: Frank Röth

Soll man sich Bestellungen an den Arbeitsplatz schicken lassen? Längst nicht jeder Chef sieht das gerne. An manchen Firmenstandorten gibt es daher eine elegante Lösung.

          Den schicken Schal und die Kuscheldecke aus Lammwolle schickt der Händler aus dem schottischen Hochland, die Jeggings nebst Hoodies für die Kleinen das schwedische Pendant und den Zierrat für die Gattin ein Juwelier aus Hessen. Der Paketdienst bringt die Geschenke – nur an welchen Ort? Wenn der Wunsch-Nachbar nicht da ist, scheint mangels Ausweichmöglichkeit im Zweifel nur der Arbeitsplatz als Zwischenlager zu bleiben. Das zieht aber die Frage nach sich, ob die Arbeitgeber das auch dulden. Eine Umfrage unter Betrieben in der Rhein-Main-Region zeigt: Eine einheitliche Linie gibt es nicht. Wichtig ist demnach allen nur, dass die Beschäftigten durch Paketdienste nicht von der Arbeit abgehalten werden.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Großventile-Herstellers Samson im Frankfurter Ostend zählt zu den Unternehmen, die Postboten ausschließlich für betriebliche Zwecke sehen wollen. Für die Mitarbeiter gilt: „Die Zustellung privater Pakete ist nicht erlaubt“, sagt ein Sprecher. Eine Flut an privaten Warensendungen würde nach seinen Worten den Betriebsablauf stören. Schließlich handelt es um einen Großbetrieb mit gut 1400 Beschäftigten und großem Firmengelände zwischen Hanauer Landstraße, Main und der Autobahn 661. Päckchen und Pakete an einer zentralen Stelle im Unternehmen zu deponieren, scheidet da aus. Die Lauferei ginge zu Lasten der Arbeitszeit.

          Viele Firmen haben nichts dagegen, solange es im Rahmen bleibt

          Überschaubarere Betriebe mit einigen Hundert Mitarbeitern, etwa die regionale Verwaltung des Chemieunternehmens Clariant in Sulzbach und die Zentrale von Merz Pharma in Frankfurt, haben es da leichter. Die Wege aus den Büros zum Paketboten sind viel kürzer. Das mag ein Grund sein, weshalb sie ihren Mitarbeitern ziemlich freie Hand lassen: „Ja, man darf sich Pakete schicken lassen“, teilt eine Merz-Sprecherin mit. Es sei aber auch selbstverständlich, dass die Beschäftigten ihre Sendungen selbst abholten. Größere Lieferungen lagere Merz in der Warenannahme. „Bei Clariant gibt es weder ein Verbot noch eine offizielle Erlaubnis zu dem Thema“, heißt es in Sulzbach. Und: „Solange das nicht zur Regel wird und es den alltäglichen Betrieb nicht aufhält, sehen wir keinen Grund dafür, das zu verbieten.“ Ähnliches ist bei der Direktbank ING-Diba zu hören. Sich private Pakete ins Büro schicken zu lassen, sei erlaubt. Das sei in Ordnung, solange es nicht Überhand nehme, sagte eine Sprecherin. Bisher halten sich die Mitarbeiter demnach an diese Vorgaben. Auch in der Adventszeit tauchten keine Massen an privaten Paketen am Empfang auf.

          Wie aber steht es mit der Sicherheit? Gibt es deswegen keine Bedenken in den Unternehmen? Interessanterweise hat keine Firma diese Frage selbst ins Spiel gebracht. Allerdings zeugt mitunter der Umgang mit privaten Paketen, wie wichtig das Thema Sicherheit einem Unternehmen ist. Beispiel Interxion: Der Rechenzentrum-Betreiber beschäftigt Sicherheitsleute auf seinem Campus im Frankfurter Ostend, der Hochleistungsrechner von einer Vielzahl von Kunden beherbergt. Insofern verwundert es nicht, dass sich Mitarbeiter nicht einfach so private Päckchen liefern lassen können. Das Büro ist als Zwischenlager tabu, wie eine Sprecherin mitteilt. „Bei uns muss jede Sendung in unserem Logistikzentrum vorangemeldet werden, nur angemeldete Lieferungen werden angenommen“, so lautet die Leitlinie. Der Grund: Interxion vermeide auf diese Weise etwaige Lieferungen, die die Firma nicht wolle.

          Eine Packstation löst manches Problem

          Einen ganz anderen Wegen gehen der Autobauer Opel und der Arzneimittel-Hersteller Sanofi in Frankfurt-Höchst: Hier wie dort hat die Post-Tochter DHL Packstationen an zentralen Gebäuden aufgestellt, die Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens fortan nutzen können. Beide Stationen sind seit mehreren Tagen in Betrieb. Sie erlauben, Pakete rund um die Uhr zu versenden und zu empfangen. Auch kann die entsprechende Sendung an Ort und Stelle frankiert werden. „So sparen Sie sich den Gang zu Ihrer Postfiliale – wenn Sie ein Paket aufgeben, oder wenn Sie eines abholen wollen, weil es bei Ihnen zu Hause nicht abgegeben werden konnte“, hat der Rüsselsheimer Autobauer seinen Mitarbeitern mitgeteilt.

          Um den Packautomaten nutzen zu können, müssen sich Interessierte im Internet unter www.paket.de anmelden; einige Tage später erhielten sie ihre Kundenkarte mit einer persönlichen Post-Nummer nebst kurzer Bedienungsanleitung. Genauso läuft es bei Sanofi. „Die Packstation ist nur für private Pakete gedacht. Die betriebliche Post wird wie gewohnt von den jeweiligen Poststellen in den Gebäuden bearbeitet“, heißt es dort. Es sei mit dem Industriepark-Betreiber Infraserv Höchst abgesprochen, dass Pakete von DHL ohne Ausgangsschein aus dem Industriepark gebracht werden dürften. Schließlich sei es gerade in der Adventszeit hilfreich, wenn Pakete in der Nähe der Arbeitsstätte abgeholt oder versandt werden könnten. Bei Opel und Sanofi hat die jeweilige Packstation ihre eigene Lieferadresse.

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