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Opel und ein neuer Rekord : Rüsselsheimer Bergfahrten

Der Blick geht nach oben: Opel-Chef Michael Lohscheller Bild: EPA

Opel überrascht mit der ersten Erfolgsprämie seit 1997. Die Mitarbeiter bei Laune zu halten, kann nicht schaden. Zumal Chef Lohscheller auch von der Herausforderung für die Belegschaft spricht, die gute Leistung zu bestätigen.

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          Wer hätte Carlos Tavares das im Spätsommer 2017 zugetraut? Damals übernahm die Peugeot-Mutter PSA mit dem Portugiesen an der Spitze die kranke Marke Opel. Nun sagt der PSA-Chef: „Opel ist jetzt saniert.“ Im Verlauf von nur zwei Geschäftsjahren hat das Opel-Management mit Tavares im Rücken aus einem chronisch defizitären Autobauer ein gewinnträchtiges und zudem margenstarkes Unternehmen gemacht. 1,1 Milliarden Euro Betriebsgewinn bedeuten einen Zuwachs von 28 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor. Und die Rendite von 6,5 Prozent vom Umsatz beeindruckt doppelt: Erstens hat Opel damit den Halbjahreswert mehr als bestätigt und zweitens die Vorgabe des ehrgeizigen Konzernchefs weit hinter sich gelassen.

          Nun wird sich Tavares bestimmt bald ein neues Renditeziel für die deutsche Tochtergesellschaft überlegen. Aber einstweilen kann Opel-Chef Michael Lohscheller auf den erreichten Wert verweisen. Und da Stillstand im Wirtschaftsleben stets Rückschritt bedeutet, weil die Konkurrenz nicht schläft, muss Opel auch in Zukunft weiter an sich arbeiten. Das ist aber keine originelle Erkenntnis.

          2100 Mitarbeiter sollen noch gehen

          Klar ist derweil auch: Diese Bergfahrt hat sich die Marke mit Blitz bisher mit einem in zweifacher Hinsicht hohen Preis erkauft. In Rüsselsheim arbeiten im Werk, Verwaltung und Entwicklungszentrum nun Tausende Männer und Frauen weniger als noch 2017 vor der Übernahme. Weitere 2100 sollen noch gehen, auch sie freiwillig, wie es heißt. Im Gegenzug bietet Opel außer Altersteilzeit und Vorruhestand auch Abfindungen an. Lohscheller nennt keine Zahlen, aber es dürften namhafte Millionensummen anfallen.

          Zudem hat der „kalte Wind aus Paris“, wie die seit zweieinhalb Jahren vorherrschende Linie unter Arbeitnehmervertretern genannt wird, das Verhältnis zum Betriebsrat erheblich leiden lassen. Diese Beziehung muss im Sinne des Betriebsfriedens wieder besser werden. Opel kann nicht auf Dauer jede mit Kosten verbundene Entscheidung vor die Einigungsstelle tragen – das ist weder effizient noch effektiv.

          Umgekehrt dürfte sich die frisch ausgelobte ungeahnte Erfolgsprämie als gutes Mittel erweisen, die Belegschaft zu motivieren. Schließlich mussten die Beschäftigten in den vergangenen Monaten viel erdulden. Sie bei Laune zu halten, kann deshalb nicht schaden. Zumal Lohscheller auch von der Herausforderung für die Belegschaft spricht, die gute Leistung zu bestätigen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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