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Drittes Modell kommt : Opel-Stammwerk baut außer dem Astra noch einen Hybrid

Zuwachs: Neben dem Insignia (Foto) und dem Astra, der zum Jahreswechsel eingeführt wird, baut Opel im Stammwerk künftig noch ein Modell Bild: Opel

Opel wird ein drittes Modell im Stammwerk bauen. Es kommt ein halbes Jahr vor dem Astra nach Rüsselsheim und wird ebenso auch in einer Hybrid-Version gefertigt werden. Dazu gibt es weitere Neuigkeiten.

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          Noch herrscht Kurzarbeit im Rüsselsheimer Produktionswerk von Opel. Doch für die Beschäftigten zeichnet sich nun ab, dass sie künftig wieder gut zu tun haben dürften. Außer dem als Flaggschiff apostrophierten Mittelklassewagen Insignia und dem schon angekündigten Kompaktwagen Astra siedelt die Opel-Mutter PSA in Rüsselsheim ein drittes Modell an. Nach Angaben der Firma wird es wie der Astra sowohl in der Benziner-Version als auch als Plug-in-Hybrid gebaut. Allerdings gibt es auch weniger gute Nachrichten aus Rüsselsheim. Getriebewerk und Schmiede stehen vor dem Aus.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Über die Pläne hat die Firma gegen 9 Uhr ihre Belegschaft informiert. Demnach wird das weitere Modell ein Auto der PSA-Marke DS sein. Die IG Metall Mitte heißt die Planungen zur Allokation eines weiteren Modells in Rüsselsheim ausdrücklich gut. „Wir haben immer wieder betont, dass ein weiteres Modell nach Rüsselsheim kommen muss, um den Standort auszulasten“, wird Bezirksleiter Jörg Köhlinger in einer Mitteilung zitiert. Allerdings rügt die Gewerkschaft die Schließungspläne. „Die Ankündigung über eine Presseerklärung ist mindestens einmal schlechter Stil und verunsichert die betroffenen Beschäftigten zutiefst. Das können wir nicht akzeptieren“, kritisiert Rudolf Luz, Mitglied der IG Metall im Opel-Aufsichtsrat. Er fordert ergebnisoffene Verhandlungen. Ziel sei, Rüsselsheim als „Standort einer vollstufigen Automobilproduktion und -Entwicklung“ zu erhalten.

          In der für den Astra und den DS geplanten Hybrid-Variante muss der Fahrer die Batterie an der Steckdose aufladen. Ähnlich wie in Eisenach, wo Opel den SUV Grandland auch als Plug-in-Hybrid baut, geht die Marke mit dem Blitz im Stammwerk den Weg der Elektrifizierung. Damit ist eine „signifikante Millioneninvestition“ verbunden, wie es weiter heißt. Das dritte Modell soll Mitte nächsten Jahres kommen. Um es bauen zu können, muss die Firma das Produktionswerk schon in den Monaten zuvor umrüsten.

          Werk bis auf weiteres gesichert

          Den Astra wird Opel vor dem Jahreswechsel 2021/22 in Rüsselsheim einführen und auf der sogenannten EMP2-Plattform bauen. Das ist die größere der beiden Plattformen im PSA-Konzern. Schon aus Effizienzgründen bietet es sich an, das dritte Modell ebenso auf Grundlage von EMP2 zu fertigen. Mit dieser Ansiedlung sichert der Mutterkonzern das Opel-Stammwerk bis auf weiteres ab. Denn der Lebenszyklus eines Modells beträgt in der Regel sieben Jahre.

          Die mit der Ansiedlung des Astra verbundene „Investition ermöglicht den Betrieb in zwei Schichten“, ließ Lohscheller schon vor knapp einem Jahr wissen und hob hervor, dies sichere das Werk nachhaltig. Aus Sicht des hessischen IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger ist das zweite Modell neben dem Insignia zwar der richtige Schritt, aber nicht die Lösung. Begründung: „Man kann ein Werk auf Dauer nicht im Ein- oder Zweischichtbetrieb fahren.“ Mit dem dritten Modell dürfte es nun leichter fallen, das Werk besser auszulasten als nur mit zwei Autos.

          Getriebewerk und Schmiede vor dem Aus

          Opel wird aber nicht nur in ein drittes Modell investieren, sondern auch Einheiten schließen, wenn es nach dem Management geht. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, will das Unternehmen das Getriebewerk schließen und die 200 Mitarbeiter dort für die Fahrzeugproduktion weiterqualifizieren. Es soll Angebote für solche Beschäftigten geben, die das nicht wollen. Auch steht die Schmiede vor dem Aus, wie es weiter heißt.

          Darüber hinaus beschäftigt Arbeitnehmervertreter auch die Frage, wie die Beschäftigten Opel wahrnehmen. Die Vertreter der IG Metall im Betriebsrat fordern das Unternehmen auf, endlich die Ergebnisse der entsprechenden Umfrage aus dem November zu veröffentlichen. Mittlerweile liefen in der Belegschaft „die wildesten Spekulationen“ um, was der Arbeitgeber wohl verbergen wolle.

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