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„Stabile Arbeitsbedingungen“ : Opel-Partner Segula einigt sich mit IG Metall auf Tarif

Entwickler an Segula abgeben: Opel-Herzstück in Rüsselsheim Bild: dpa

Der Auto-Dienstleister und Opel-Partner Segula hat sich mit der IG Metall auf einen Haustarifvertrag verständigt. Damit soll für Mitarbeiter, die von Opel zu der Firma wechseln, Sicherheit geschaffen werden.

          Der Auto-Dienstleister und Opel-Partner Segula Technologies GmbH hat sich mit der IG Metall auf einen Haustarifvertrag verständigt. Der binnen weniger Wochen vereinbarte Haustarif sichert den zu Segula wechselnden Opel-Mitarbeitern „gleichbleibende Konditionen“ zu, wie die Gewerkschaft und das Unternehmen mitteilen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Für die IG Metall ist es von großer Bedeutung, in diesem Sektor der industriellen Dienstleistungen die Tarifbindung zu erhöhen“, hebt IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger hervor. „Dieses Ergebnis ist ein großer Erfolg, denn es bietet unseren Mitarbeitern Sicherheit in Form von guten und stabilen Arbeitsbedingungen“, so Segula-Personalchef Udo Bekker.

          Segula: Hunderte Bewerber

          Segula Technologies, eine Tochtergesellschaft eines französischen Familienkonzerns, will Teile des Entwicklungszentrums von Opel in Rüsselsheim und Hunderte Ingenieure des Autobauers übernehmen. Eine entsprechende Übereinkunft haben beide Unternehmen im Spätherbst getroffen, den Vertragsabschluss, das sogenannte Closing, erwarten sie noch im zweiten Quartal.  Auf die Zeit nach diesem möglichen Closing bezieht sich auch die Zusage gleichbleibender Konditionen (siehe auch Kasten unten).

          Nach eigenen Angaben hat Segula schon Dutzende Opelaner verpflichtet. Derzeit würden Hunderte Bewerbungen in Arbeitsverträge überführt. Zudem gebe es hunderte Bewerber von außen, also von Interessenten, die nicht oder nicht mehr für Opel tätig sind.

          Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen

          Der Tarifvertrag bilde das Niveau der Metall- und Elektroindustrie ab, hieß es weiter. Dies war ein Verhandlungsziel der IG Metall, wie die Gewerkschaft vor einer Woche mitgeteilt hatte. Seinerzeit zeigte sie sich zuversichtlich, rasch zu einem Abschluss zu kommen.

          „Bei der Neuansiedlung von Unternehmen muss es Ziel einer Gewerkschaft sein, für die Beschäftigten die Arbeitsbedingungen mit Tarifverträgen zukunftsorientiert zu gestalten“, führt Köhlinger nun aus. Gute Arbeit müsse gut bezahlt werden, Arbeitszeiten verlässlich geregelt sein und Dumping-Wettbewerb bei den Entgelten unterbunden werden. „All das ist uns nach mehreren intensiven Verhandlungen gelungen“, hebt der Bezirksleiter weiter hervor.

          Segula hatte vor Beginn und im Verlauf der Verhandlungen über den Haustarif zugesichert, den bei Opel bis Juli 2023 geltenden Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen ebenso zu achten wie das jeweilige Lohnniveau. Mehr Flexibilität wünschte sich das Unternehmen bei den Arbeitszeiten. Details zum Haustarif stehen aus.

          SPD-Europa-Spitzenkandidat und Schäfer-Gümbel gegen Segula-Geschäft

          Ungeachtet des Tarifabschlusses von Segula und IG Metall haben sich der hessische Spitzenkandidat der SPD, Udo Bullmann, und der scheidende Landesvorsitzende der Partei, Thorsten Schäfer-Gümbel, gegen ein Closing des Vertrags von Opel und Segula ausgesprochen. „Mir ist schleierhaft, wie man angesichts eines sich wandelnden Marktes immer nur mit Kostenreduzierungen reagiert statt mit innovativen Produkten. Umso unverständlicher ist der von Opel und PSA angestrebte Teilverkauf des Entwicklungszentrums“, wird Bullmann nach einem Besuch in Rüsselsheim zitiert. Dort habe er und Schäfer-Gümbel sich mit Betriebsräten und Vertrauensleuten der IG Metall getroffen und stellten sich rhetorisch an ihre Seite. Durch den Segula-Deal verlöre der Standort Know-How und die Fähigkeit verlieren, eigenständig Fahrzeuge zu entwickeln. „Der geplante Verkauf ist somit ein Risiko für Belegschaft und Unternehmen.“ Bullmann und Schäfer-Gümbel fordern von Opel überdies, das Produktionswerk in Rüsselsheim auszulasten. Dort läuft außer dem Mittelklassemodell Insignia noch der Familien-Van Zafira vom Band. In wenigen Monaten endet aber das Kapital Zafira dort. Bisher ist unklar, welches Modell Opel dort künftig bauen will. Im Gespräch ist die neue Version des Kompakten Astra, der dann auf einer Plattform der Konzernmutter PSA gebaut werden solle. (thwi.)

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