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Astra kommt, Hunderte gehen : Plus und Minus in Rüsselsheim

Das Vorgängermodell des Astra (rechts), künftig wird er wieder in Rüsselsheim gebaut. Bild: Frank Röth

In Gestalt des Astra bringt Opel eines seiner wichtigsten Modelle nach Rüsselsheim. Das ist die gute Nachricht. Nicht ganz so gut ist eine zweite Meldung zum Produktionswerk am Stammsitz der Marke mit dem Blitz.

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          Das Warten im Rüsselsheimer Opel-Werk auf das zweite Modell hat ein Ende. Endlich. Doch hat es sich auch gelohnt? Diese Frage darf bejaht werden. Denn in Gestalt des neuen Astra wird der Autobauer von 2021 an eines seiner wichtigsten Modelle in Rüsselsheim fertigen, zumindest teilweise. Dieser Kompaktwagen steht bisher fast für ein Viertel aller Verkäufe der Marke. Nur den Kleinwagen Corsa setzt Opel noch häufiger ab.

          Dass sich das Stammwerk die Astra-Produktion mit dem Standort Ellesmere Port in Großbritannien teilen muss, sollte die Freude über die Nachricht nicht schmälern. Denn das Volumenmodell sichert Hunderte Arbeitsplätze in der heimischen Produktion, zumal sie derzeit von sogenannter Unterauslastung geprägt ist. Anders gesagt: Für die 2600 Beschäftigten gibt es nicht genügend Arbeit. Denn der Mittelklassewagen Insignia läuft zwar ordentlich, doch der ebenfalls in Rüsselsheim gebaute kleine Familien-Van Zafira gehört bald der Vergangenheit an. Da tut der Astra gut. Und er bringt schon Arbeit, bevor er gefertigt wird. Opel muss schließlich seine Produktionsstraßen für ihn herrichten.

          Eine Chance für Rüsselsheim

          In die Nachricht zur Ansiedlung des Astra hat der Autobauer aber auch die Meldung eingewebt, weitere Stellen in der Produktion abbauen zu wollen. Dies soll über Altersteilzeit, Abfindungen und Vorruhestand gelingen. Das mildert den Schrecken, doch unter dem Strich verliert Rüsselsheim weiter an Beschäftigung. Dem Vernehmen nach sollen 600 Männer und Frauen gehen – das wäre fast ein Drittel der Belegschaft im Fahrzeugwerk.

          Wer noch einen Ansatzpunkt zur Kritik suchen will, wird ihn in einer Aussage von Opel-Chef Lohscheller finden: Die mit der Ansiedlung des Astra verbundene „Investition ermöglicht den Betrieb in zwei Schichten“, lässt er wissen und hebt hervor, dies sichere das Werk nachhaltig. Aus Sicht des hessischen IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger ist das zweite Modell neben dem Insignia zwar der richtige Schritt, aber nicht die Lösung. Begründung: „Man kann ein Werk auf Dauer nicht im Ein- oder Zweischichtbetrieb fahren.“

          Von 2021 an wird es an Opel sein, das Gegenteil zu beweisen. Die Chance dazu besteht. Immerhin.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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