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Neues Motorenzentrum : Tüfteln an den Opel-Antrieben der Zukunft

Motorblock: Im neuen Entwicklungszentrum von Opel sollen Auto-Antriebe aller Art entstehen. Bild: dpa

Es ist die größte Investition von Opel in Rüsselsheim seit dem Bau des Produktionswerks vor 14 Jahren. Mit dem gestern eröffneten Motorenzentrum verbindet aber nicht nur die Marke mit dem Blitz hohe Erwartungen.

          Bevor Volker Bouffier zur Schere greift, bedankt er sich ausdrücklich. Bei Opel und beim Mutterkonzern General Motors (GM) im fernen Detroit. Denn das neue Zentrum für die Entwicklung von Antrieben für Autos von Opel und GM, das Hessens Ministerpräsident an diesem Mittwochmittag symbolisch eröffnet, indem er ein rotes Band durchschneidet, ist ein Bekenntnis zum Standort Rüsselsheim. Und folglich auch eines zum Standort Hessen. Das freue ihn ganz besonders, hebt Bouffier hervor.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Investition von 210 Millionen Euro in das siebenstöckige Gebäude in Sichtweite des Rotklinker-Turms mit dem Opel-Logo darauf ist die größte ihrer Art in Rüsselsheim seit der Inbetriebnahme des Produktionswerks vor 14 Jahren. Das hat Opel-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann schon im Juli 2014 aus Anlass des Spatenstichs für das „General Motors Global Propulsion Center“, wie der Neubau genannt wird, gesagt. Und er wiederholt es an diesem Tag gerne. Zumal das Gebäude, dessen Grundfläche größer ist als fünf Fußballfelder, innerhalb des Zeitplans fertig geworden ist - „was nicht ganz selbstverständlich ist“, wie der Vorstandsvorsitzende stolz anmerkt.

          Auch bei Verbrennungsmotoren geht noch was

          Ebenso wie Bouffier bedankt er sich - und zwar bei Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) für die Unterstützung aus dem Rathaus. Burghardt hatte am Tag des Spatenstichs bekannt, er laufe schon seit dem Morgen mit einem Grinsen durch die Stadt. Denn wie dem Ministerpräsidenten tut eine solche Großinvestition auch dem Rathauschef gut.Schon jetzt ist das 7300 Beschäftigte zählende internationale Entwicklungszentrum in Rüsselsheim, das neue Autos entwirft, das zweitgrößte seiner Art im Konzern. „Es wird mit dieser Investition ganz erheblich aufgewertet“, sagt der Opel-Chef. Nicht zuletzt aber dient sich General Motors mit dem neuen Entwicklungszentrum für Antriebe selbst.

          Die darin tätigen 800 Ingenieure und Techniker sollen schließlich für die gesamte Gruppe weitere Beiträge zur Elektromobilität leisten und ersinnen, wie Benziner und Diesel-Fahrzeuge noch effizienter werden können. In dieser Hinsicht geht noch was, wie Neumann meint. Ob er dabei die Diskussion um die Diesel-Aggregate im Kopf hat, sei dahingestellt. Anders als Volkswagen hat Opel immerhin nachweisen können, die Schadstoffwerte nicht durch eine illegale Software im Abgasstrang manipuliert zu haben. Auch hat die Marke mit dem Blitz die Technik verbessert, um den Ausstoß von Stickoxiden zu senken.

          Neuer Trumpf in der Elektromobilität

          Vor diesem Hintergrund wagt Neumann die Vorhersage, das neue Zentrum werde „ganz entscheidend dazu beitragen, dass Opel bei effizienten Antrieben auch künftig Vorreiter bleibt“. Bis 2020 wollen die Rüsselsheimer seit Beginn der laufenden Modelloffensive 29 neue Modelle auf den Markt und fast 20 neue Motoren hervorgebracht haben. Neumann sagt, die Produkt-Pipeline sei besser gefüllt als jemals zuvor - und das Unternehmen auch wirtschaftlich wieder auf gutem Wege. Im ersten Halbjahr 2016 hat es einen Gewinn von 124 Millionen Euro erzielt, das beste Ergebnis seit mehr als zehn Jahren, wie er hervorhebt.

          Für die Zukunft bereitet Opel die drastische Abwertung des britischen Pfund als Folge des Brexit-Votums erhebliche Sorgen. Der Pfund-Umsatz in Großbritannien schlägt sich in weniger Euro nieder als vor dem Votum. Mit Blick auf die Elektromobilität hat der Konzern dessen ungeachtet einen neuen Trumpf zu bieten. Das während der Autoschau in Paris vorgestellte Modell Ampera-e bietet laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern und damit 100 Kilometer mehr als der beste Konkurrent. Es wird spannend zu sehen sein, was zu diesem Thema aus dem neuen Zentrum kommen wird.

          45 Prüfstände, 800 Ingenieure

          Das neue Entwicklungszentrum auf dem Stammgelände von Opel hat mit „General Motors Global Propulsion Center“ nicht nur einen sehr langen Namen, es ist auch mit stattlichen Zahlen verbunden. Es erstreckt sich über eine Grundfläche von 13000 Quadratmetern und liegt westlich des Portals 45 in Rüsselsheim. Im Alltag steht den Mitarbeitern eine Gebäudefläche von 36000 Quadratmetern zur Verfügung, auf denen 800 Ingenieure und Techniker neue Triebwerke für die Marken des General-Motors-Konzerns entwickeln sollen. Zur Ausstattung gehören nicht nur allerlei Computer, an denen die Antriebe entstehen werden, bevor sie gebaut werden. Es finden sich darin auch 45 Prüfstände der neuesten Generation, wie Opel hervorhebt. Auf jenen Anlagen werden die Antriebe auf ihre Alltagstauglichkeit hin untersucht. Deshalb war anfangs auch nüchtern von einem Motorentestzentrum die Rede gewesen. (thwi.)

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