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Stille Arbeitnehmervertreter : Opel, die Erfolgsprämie und das große Schweigen

Fraglich: Was Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schäfer-Klug wohl Opel-Chef Michael Lohscheller wegen der überraschenden Erfolgsprämie zu sagen hat Bild: dpa

War da was? Durchaus: Erstmals seit 1997 zahlt Opel seinen Beschäftigten wieder eine Erfolgsprämie. Und was sagen die Arbeitnehmervertreter dazu?

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          In dieser Woche kommen sie bei Opel aus dem Feiern kaum noch heraus. Ob auch die Arbeitnehmervertreter mitfeiern? Fast 30 Prozent mehr Ertrag binnen Jahresfrist erreicht und gleichzeitig einen Rekordgewinn von 1,1 Milliarden Euro, wenn auch vor Zinsen, Steuern und den hohen Kosten des Konzernumbaus. Eine stattliche Gewinnspanne von 6,5 Prozent überdies. Und das auch noch sage und schreibe sechs Jahre früher als von Carlos Tavares, dem strengen Über-Chef in Frankreich erwartet. Die Marge war sogar höher als zum Halbjahr.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nicht zuletzt verkündete das Unternehmen eine weitere Überraschung. Jede und jeder Beschäftigte soll eine Erfolgsprämie für 2019 erhalten, in Höhe von 600 Euro. An solche Gaben erinnern sich bei Opel höchstens noch die Altvorderen mit Gehirnjogging und Ginkgo-Tabletten. Schließlich hat die Firma zuletzt 1997 einen solchen Bonus ausgezahlt.

          Diese schöne Nachricht ging im Geschäftszahlenreigen fast unter. Ob es daran liegt, dass sich der Betriebsrat über die Erfolgsprämie nach außen hin ausschweigt? Auch auf Anfrage: kein Sterbenswörtchen dazu. Die IG Metall winkt auch ab, jedoch mit gutem Grund: Das sei eine firmeninterne Sache.

          Der listige kalte Westwind

          Nur zur Erinnerung: 18 Jahre lang hatte die Rüsselsheimer Marke mit dem Blitz zuvor kein einziges Jahr in den schwarzen Zahlen abgeschlossen. Ein paar Mal hofften sie auf die ersehnte Ertragswende, ohne dass etwas daraus wurde unter dem Konzerndach von General Motors im fernen Detroit. Doch dann kam die Peugeot-Mutter PSA im Sommer 2017, verordnete Opel eine Rosskur, komplimentierte Tausende Mitarbeiter per ordentlicher Abfindung, Altersteilzeit und Vorruhestand aus der Firma heraus. Brachte den Ingenieuren bei, was ein einzuhaltendes Budget ist, was dem einen oder anderen Tüftler fast einen Schock versetzt haben soll.

          Sozusagen einen Kälteschock. Umweht viele Opelaner gefühlt doch seit zweieinhalb Jahren der „kalte Wind aus Paris“. Diese Brise hat auch Arbeitnehmervertreter mitunter arg frösteln lassen. Das Verhältnis zum Management gilt als belastet – wegen des Stellenabbaus und des kolportierten Hangs der Franzosen, bei so ziemlich jeder mit Geld verbundenen Entscheidung den Daumen drauf zu halten.

          Vielleicht schmollen die Arbeitnehmervertreter nun. Vielleicht wollen sie dem Management die gute Nachricht nicht gönnen. Vielleicht ist die Nichtreaktion aber auch ein Zeichen von Tauwetter in Rüsselsheim. Nach dem Motto: Wir gönnen nicht nur den Kolleginnen und Kollegen die Prämie, sondern auch dem Management die gute Nachricht. Vielleicht.

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