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Bei laufendem Stellenabbau : Opel-Betriebsräte fordern Stopp der Fremdvergabe von Arbeit

Einhalt: Die Opel-Betriebsräte fordern einen Stopp der Vergabe von Aufträgen an Fremdfirmen Bild: dpa

Opel lässt auch in Rüsselsheim seit Monaten kurzarbeiten und bringt Kündigungen ins Gespräch. Dennoch sehen die Betriebsräte beim sogenannten Insourcing noch Luft nach oben.

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          Gerade erst haben sich die Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertreter von Opel auf eine Übereinkunft zum Fortbestand des Teilelagers geeinigt, da steht der nächste Streitpunkt an. Der Gesamtbetriebsrat des Rüsselsheimer Autobauers hat ein vier Punkte umfassendes Papier zum sogenannten Insourcing und zur Qualifizierung von Beschäftigten beschlossen,wie aus einem Flugblatt der IG-Metall-Vertreter in dem Gremium hervorgeht. Darin fordert das Gremium vom Management unverzügliche Gespräche dazu. Es geht den grundsätzlich Arbeitnehmervertretern darum, Stellen in den Betrieben zu sichern. „Vorsorglich“ weist der Gesamtbetriebsrat den Arbeitgeber darauf hin, dass eine Fremdvergabe ohne Beteiligung der Arbeitnehmervertreter rechtswidrig sei.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Hintergrund: Opel will in den nächsten Monaten noch bis zu 1600 Stellen über Freiwilligenprogramme abbauen. Weil aus Sicht des Managements bisher nicht genügend Beschäftigte eines der Angeboten angenommen haben, droht die Geschäftsleitung mit betriebsbedingten Kündigungen, trotz eines bis August 2025 laufenden Schutzes vor solchen Schritten. Die gerade getroffene Übereinkunft zum Teilelager sieht den Erhalt von 150 der bisher gut 300 Arbeitsplätze vor. Die deutsche Tochter der Peugeot-Mutter PSA hatte vor gut einem Jahr den Abbau von gut 200 Stellen in dem Warenverteilzentrum in Südhessen angekündigt.

          Noch monatelang Kurzarbeit

          Opel lässt auch in Rüsselsheim seit Monaten kurzarbeiten. Im Produktionswerk wird es auch noch Monate dauern, bis die Beschäftigten mindestens wieder zwei Schichten arbeiten können. Dies soll der Fall sein, wenn die Fabrik für den neuen Astra und ein Modell der französischen Schwestermarke DS eingerüstet wird.

          Nun fordert der Gesamtbetriebsrat vom Management umgehend über Insourcing zu verhandeln. Das bedeutet, bisher von Fremdfirmen ausgeführte Tätigkeiten künftig von eigenen Beschäftigten erledigen zu lassen. Mit Insourcing hatte das Unternehmen selbst begründet, sich von Logistikdienstleistern am Stammsitz zu trennen. So kam zum Jahresanfang das Aus für den Opel-Zulieferer Rhenus SCR in Rüsselsheim.

          Engineering im Blickpunkt

          Die Geschäftsleitung solle die Fremdvergabe von Arbeiten unmittelbar stoppen, um den Arbeitsausfall so gering wie möglich zu halten. Im Grunde sei das bei Opel auch üblich, nur gebe es noch Luft nach oben, ist aus der Arbeitnehmerschaft zu hören. In welchen Abteilungen der Hang zur Fremdvergabe besonders ausgeprägt sei, war aber nicht zu erfahren. Wenn Opel Mitarbeiter nur weiterqualifizieren wolle, wenn sie einem Aufhebungsvertrag zugestimmt hätten, entbehre das jeglicher Grundlage.

          Der Gesamtbetriebsrat, der alle Einheiten der Opel GmbH vertritt, will eine Liste aller an Dienstleister vergebenen Arbeiten sehen. Auch möchte er wissen, welche Tätigkeiten die Firma noch nach außen vergeben möchte. Dabei gehe es nicht nur um die von Personalabbau betroffenen Abteilungen. Die Betriebsräte haben vielmehr etwa das Engineering im Blickpunkt.

          Die Übereinkunft zum Teilelager ist noch nicht abschließend wirksam, wie die F.A.Z. weiter erfuhr. Der Grund: Der Konzernbetriebsrat muss sich mit diesem Thema erst noch beschäftigen. Dieses Gremium vertritt nicht nur die Arbeitnehmer der Opel GmbH, sondern auch die Beschäftigten von Einheiten von PSA Deutschland, die nicht direkt zu Opel gehören.

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