https://www.faz.net/-gzg-8uwdg

Mögliche Übernahme von Opel : „Der Gekaufte ist nie der Gewinner“

Den Löwen im Nacken: Wer von der möglichen Übernahme am meisten profitiert, ist noch nicht ausgemacht. Bild: AP

Die Arbeitnehmervertreter sehen durch GM und Peugeot ihre Rechte „beispiellos“ verletzt. Doch die Übernahme könnte Opel auch neue Märkte erschließen.

          2 Min.

          Unvermittelt hat die Opel-Mitarbeiter in Rüsselsheim die Nachricht getroffen, die Konzernmutter General Motors spreche mit dem französischen Konkurrenten PSA über den möglichen Verkauf der Marke mit dem Blitz. Arbeitnehmervertreter zeigten sich auch überrascht – und vor allem erbost: Sie bewerten die von beiden Seiten bestätigten Gespräche zwischen GM und der Peugeot-Mutter als „beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte“. Auch in der Belegschaft scheint das Misstrauen zu überwiegen. „Der Gekaufte ist nie der Gewinner“, argwöhnte einer der 15.000 Opelaner am Stammsitz, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Der frühere Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sagte, die Autobranche befinde sich wieder im Umbruch. Es gehe um Konsolidierung, die vermutlich mit einen Stellenabbau in Rüsselsheim einhergehen werde. „Das ist für keinen ein Gewinn.“ Die GM-Aktie legte derweil an der Wall Street um fünf Prozent zu.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Für Opel wäre ein Verkauf ein Schnitt historischen Ausmaßes. Die Firma gehört seit 1929 zu General Motors. In Rüsselsheim steht ein großes Entwicklungszentrum von GM. Erst 2016 nahm Opel das neue Motorentestzentrum in Betrieb, was auch von den Betriebsräten als ein gutes Zeichen gewertet wurde. Nun sehen sie sich düpiert. Doch ungeachtet des Ärgers, nicht frühzeitig über die Gespräche informiert worden zu sein, würden die Arbeitnehmervertreter den Verkauf von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall „vorbehaltlos prüfen“. Die Betriebsräte und die IG Metall begründen dies mit den bisherigen Erfahrungen mit PSA. Beide Seiten arbeiten seit Jahren zusammen. Die Kooperation zeigt sich in den neuen Crossover-Modellen, die bei Opel Crossland und Grandland heißen. Diese Autos sind als Ergänzung zu den Familien-Vans Meriva und Zafira gedacht. Der Grandland teilt sich die Plattform mit dem Peugeot 3008, der Crossland ähnelt dem Citroën C3. Opel baut den Crossland und den C3 in Saragossa, PSA fertigt den Grandland, in dem Technik aus Rüsselsheim steckt, und das eigene Modell in Sochaux.

          „Wir wünschen uns ein starkes Unternehmen“

          Dessen ungeachtet machen sich Opel, Peugeot und Citroën vor allem bei den Klein- und Kompaktwagen Konkurrenz. Darüber hinaus bauen die Franzosen gerade ihre Premium-Linie DS auf. Mit den drei Marken kommen sie hierzulande auf einen Marktanteil von 3,3 Prozent – Opel bringt es dagegen auf 7,2 Prozent. Der PSA-Konzern ist aber auf mehr Märkten vertreten als die Marke mit dem Blitz. Während sich Opel auf Europa beschränkt, verkaufen die Franzosen ihre Autos auch in Lateinamerika, in Asien und in Afrika. Daraus könnte im Fall eines Verkaufs an PSA die Chance folgen, Opel-Autos in Übersee zu vertreiben. Diese Möglichkeit bestehe „durchaus“, hieß es am Standort von Peugeot Deutschland in Köln. Dort arbeiten 250 Beschäftigte für die deutsche Vertriebstochter der Franzosen; in etwa so viele Mitarbeiter zählt die PSA-Bank in Neu-Isenburg.

          Landespolitiker wie Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel setzen sich für den Erhalt der Stellen in Rüsselsheim ein. „Wir wünschen uns ein starkes Unternehmen“, teilte Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) mit.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Pandemie-Bekämpfung : Das Versagen der Schweiz

          In der Regierung in der Schweiz sitzen sieben Vertreter von vier Parteien, die ausgeprägt gegensätzliche Strategien zur Corona-Bewältigung verfolgen. Das Ergebnis ist eine einzige Peinlichkeit – und hat tödliche Folgen.
          Ihm war augenscheinlich kalt: Tom Hanks bei der Inaugurationsshow.

          Joe Bidens Inaugurationsfest : Die große Feier

          Statt des großen Balls wurde nach der Inauguration des neuen amerikanischen Präsidenten im Fernsehen gefeiert. Moderator Tom Hanks trug Fäustlinge und fror. Es war eine Selbstfeier der besonderen Art. Aber war Joe Biden eigentlich dabei?
          Ausnahmen für Abschlussklassen: Schüler eines geteilten Kurses der Oberstufe sitzen in einem Klassenraum der Graf-Anton-Günther-Schule in Oldenburg

          Beschluss der Kultusminister : Kein Rütteln am Abitur

          Abitur und andere Prüfungen finden statt, darauf einigen sich die Kultusminister – gegenseitig will man die Abschlüsse anerkennen. Weniger Prüfungen können für mehr Lernzeit sorgen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.