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Online-Auktionen : Erst prüfen, dann kaufen

Auch auf Ebay gibt es „schwarze Schafe” Bild: AP

So manches Schnäppchen kann der Verbraucher über Auktionsplattformen wie Ebay ersteigern. Doch nicht immer hält das Angebot, was es verspricht. Vorsicht ist geboten.

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          Vor nicht allzu langer Zeit wurde im Internet-Auktionshaus Ebay ein W-Lan-Kabel angeboten. Ein Kabel, das es – wenn man bedenkt, dass „W“ für „wireless“, also kabellos, steht – nicht geben kann. Der Käufer hatte sich darüber offenbar keine Gedanken gemacht und das begehrte Objekt für 10,50 Euro ersteigert. Zu spät merkte er, dass er auf einen Betrüger hereingefallen war. Das Geld war weg – die ersteigerte Ware gab es nicht.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Klassiker“ nennt die Polizei solche Fälle. Sie kommen trotz aller Warnungen immer wieder vor. Allein in Hessen wurden im vergangenen Jahr 15.284 Fälle von Waren- und Warenkreditbetrug verzeichnet – rund sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ein Großteil dieser Fälle ist auf den Internethandel zurückzuführen, heißt es beim Frankfurter Polizeipräsidium. Denn mit der Zahl der Internetnutzer stieg auch die Zahl der Betrugsfälle, sagt Internet-Fahnderin Madlen Weyhrich. Und die meisten seien längst nicht so amüsant wie die Versteigerung eines W-Lan-Kabels.

          „Heiße Luft“ im Angebot

          Online-Handelshäuser sprechen nicht gern über Betrug. Das Unternehmen Ebay etwa, das mit rund 20 Millionen Nutzern allein in Deutschland die weltweit größte Auktionsplattform ist, gibt zwar zu, dass sich auf seinem Marktplatz auch „schwarze Schafe“ tummelten. Angaben darüber, wie viele Betrugsfälle es tatsächlich in einem Jahr gebe, bleiben jedoch vage. Ebay-Sprecherin Maike Fuest meint, der Anteil der „Problemfälle“ liege bei weniger als einem Prozent.

          Die Betrügereien im Internet sind so unterschiedlich wie die Waren, die man dort erwerben kann. Mal ist der Käufer das Opfer, mal der Verkäufer. Es werden Waren angeboten, die wertlos sind oder gar gefälscht. Einige gibt es gar nicht, wie etwa „Heiße Luft“, „Voodoo-Unglücksflüche“ oder eben W-Lan-Kabel. Auf der anderen Seite werden Waren verschickt, aber nicht bezahlt. Betrüger sind Menschenkenner. Sie locken mit ihren Maschen solche Verbraucher, die in ihrem Schnäppchenwahn jegliche Sicherheitsregeln vergessen. Die größte Tücke beim Internethandel sei, dass sich der Nutzer „absolut unangreifbar“ fühle, meint Weyhrich. Der Handel von zu Hause aus suggeriere Sicherheit. Vielen sei nicht bewusst, dass die Sicherheitszone nur bis zum Telefonanschluss reiche.

          Dabei ist es gar nicht so schwer, sich gegen Betrug zu schützen. Der Internetkäufer muss nur ein paar Regeln beachten. Weyrich empfiehlt, in jedem Fall die Bewertungsprofile der Handelspartner zu lesen. Diese informieren darüber, wie „vertrauenswürdig“ der Käufer oder Verkäufer ist. Ist jemand erst seit wenigen Wochen als Verkäufer gemeldet und bietet etwa auf einen Schlag 20 Flachbildschirme an, „ist mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendetwas faul“, meint die Onlinehandel-Expertin. Auch bei Marken- oder Designerartikeln müsse der Verbraucher vorsichtig sein – nicht selten handele es sich um Plagiate.

          Schutz durch Paypal

          In jedem Fall gilt: die Warenbeschreibung sorgfältig lesen. Mobiltelefone etwa lassen sich nicht in einem Satz erklären. Wird eine Ware als „Originalverpackung“ angeboten, handelt es sich laut Weyrich nicht etwa um ein besonders seriöses Angebot, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern lediglich um das erwähnte Produkt: eine leere Schachtel. Besonders vorsichtig sollte der Interessent sein, wenn sich das Konto des Verkäufers im Ausland befindet oder wenn der Name des Kontoinhabers nicht mit dem Namen des Verkäufers übereinstimmt. Dahinter könnten organisierte Banden stecken, die das Geld direkt ins Ausland transferieren, so die Fahnderin.

          Wer auf einen Betrüger hereingefallen sei, sollte dies unbedingt anzeigen, sagt die Polizistin, die in ihrem Kommissariat eine Aufklärungsquote von etwa 90 Prozent aufzuweisen hat. „Internetbetrug geht durch alle Bevölkerungsschichten“, berichtet sie, und weiter: „Davor ist niemand gefeit.“ Inzwischen lassen sich auch die Auktionshäuser etwas zum Schutz ihrer Kunden einfallen. Marktführer Ebay, der beim Thema Sicherheit eine Vorreiterrolle innehat, bietet schon seit einigen Jahren einen Treuhandfonds an. Der Kunde hat die Möglichkeit, gegen Gebühr den Kaufpreis auf ein Treuhandkonto zu parken. Sobald das Geld dort eingegangen ist, wird der Verkäufer informiert, und er kann die Ware versenden. Wenn diese dann beim Käufer angekommen ist, wird das Geld vom Treuhandkonto an den Verkäufer überwiesen. Die Gebühr beläuft sich dabei auf 4,50 bis 12,50 Euro – je nachdem, wie hoch der Warenwert ist.

          Schutz vor Betrügern bietet auch das Online-Zahlsystem der Ebay-Tochter Paypal, über das die gehandelte Ware bis zu einem Wert in Höhe von 500 Euro versichert ist. Falls ein bei Ebay gekaufter Artikel nicht versandt wurde oder der gelieferte Artikel erheblich von der Artikelbeschreibung des Verkäufers abweicht, bekommt der Kunde sein Geld zurück.

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