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Ohne Stellenabbau : Volksbanken in Frankfurt und Main-Taunus planen Fusion

Hat schon zwölf Übernahmen und Fusionen gemanagt: Hans-Joachim Tonnellier, Chef der Frankfurter Volksbank Bild: dpa

Die Frankfurter Volksbank will mit der Volksbank Main-Taunus fusionieren. Zuvor wollen die beiden genossenschaftlichen Institute auf einzelnen Geschäftsfeldern kooperieren. Wenn sich dies erfolgreich gestaltet, könnte die Fusion 2009 erfolgen. Und zwar ohne Stellenabbau.

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          Die Frankfurter Volksbank will mit der Volksbank Main-Taunus fusionieren. Das teilten beide Institute in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Vorerst wolle man auf einzelnen Geschäftsfeldern kooperieren, indem etwa beide Häuser den Kunden des jeweils anderen ihre Bankautomaten entgeltlos zur Verfügung stellten. Einen dementsprechenden Vertrag wollen die Vorstände beider Banken in naher Zukunft unterschreiben, wie es in der Mitteilung heißt. Sollte sich diese Zusammenarbeit als erfolgreich erweisen, so wollten beide Häuser im nächsten Jahr zusammengehen. Einer solchen Verschmelzung müssten dann die beiden Vertreterversammlungen zustimmen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hans-Joachim Tonnellier, der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, bezeichnete das Vorhaben gestern als „die größte und wichtigste Fusion in der Geschichte der Frankfurter Volksbank“. Seinen Angaben zufolge wird sich die Kundenzahl auf 500.000 summieren, die Zahl der Mitglieder, die Eigentümer des genossenschaftlichen Instituts sind, auf 170.000. Gemessen an diesen Zahlen, sei die Frankfurter Volksbank dann die größte Volksbank in Deutschland, so Tonnellier. Gemessen an der Bilanzsumme, die sich für die beiden Institute für das Geschäftsjahr 2007 auf 6,7 Milliarden Euro summiert, liegt nur noch die Berliner Volksbank vor den Frankfurtern.

          Die Geschäftsgebiete der beiden Häuser überschneiden sich bisher in weiten Teilen des Main-Taunus-Kreises. Jeweils eine eigene Filiale betreiben die beiden Kreditinstitute an einigen Standorten in Bad Soden sowie in Fischbach, Glashütten, Ruppertshain, Schwalbach und Sulzbach. An all diesen Standorten sollen die Filialen zusammengelegt werden. Die Geschäftsstellen sollen weiter unter dem Namen „Volksbank Main-Taunus“ geführt werden. „Der Name ist in der Region wirtschaftlich stark verankert“, sagte Tonnellier. Diese regionale Identität wolle man beibehalten. Dabei solle auch helfen, dass die Banken in den Filialen kein Personal abbauen wollen. Man wolle lediglich die räumlichen Dopplungen vermeiden. „Jeder Kunde wird auch weiterhin seinen bisherigen Ansprechpartner behalten“, sagte Tonnellier. Da aber in Zukunft in jeder Filiale mehr Mitarbeiter zur Verfügung stünden, könne man den Service für die Kunden erhöhen.

          Auch der Vorstandssprecher der Volksbank Main-Taunus, Harald Stroh, sagte: „Durch die Zusammenlegung können wir leichter Kompetenzzentren aufbauen.“ Er hob hervor, dass die Frankfurter Volksbank über „große Expertise im Wertpapier- und Börsengeschäft“ verfüge, auf die seine Kunden dann auch zugreifen könnten. Die Ausweitung des Geschäftsgebietes habe für die Kunden beider Häuser Vorteile, sagte Stroh. Er verwies darauf, dass aus dem Main-Taunus-Kreis etwa 30.000 Menschen täglich nach Frankfurt zum Arbeitsplatz pendelten, und nannte als praktisches Beispiel für diese Klientel: „Sie können dann in der Mittagspause ihre Kontoauszüge ausdrucken oder andere Dienstleistungen in Anspruch nehmen.“ Stroh beziffert den Marktanteil seines Hauses im Privatkundengeschäft im Main-Taunus-Kreis auf 30 Prozent. Mit Verweis auf die Einkommensstärke des Main-Taunus-Kreises sagte Tonnellier: „Durch die Fusion werden wir gemeinsam noch stärker in einem sehr starken Wirtschaftsgebiet.“ Der Chef der Frankfurter Volksbank verwies darauf, dass die Fusion die beiden genossenschaftlichen Institute im Wettbewerb mit den übrigen Geldinstituten, insbesondere den Sparkassen, stärken solle.

          Main-Taunus-Vorstand Stroh sagte, dass auch im Volksbanken-Sektor wohl weitere Fusionen zu erwarten seien. Beide Chefs sprachen von einer „strategischen Fusion“. Sie entstehe nicht aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, sondern lediglich, um im Wettbewerb unter den Banken der Region stärker dazustehen.

          Tonnellier betonte, dass durch den Zusammenschluss keine Arbeitsplätze verlorengehen sollten. Wie in den Filialen, so sei auch in den Verwaltungen der beiden Häuser kein Stellenabbau geplant. Die Administration der Volksbank Main-Taunus solle in Kelkheim verbleiben und nicht etwa in die Frankfurter Zentrale verlagert werden. Stroh und sein Vorstandskollege Reinhardt Kuckert sollen im Zuge der Fusion in den Vorstand der Frankfurter Volksbank eintreten.

          Für die Frankfurter Volksbank wäre der Zusammenschluss die dreizehnte Fusion, seit Tonnellier 1997 an ihre Spitze gerückt ist. Ein Sprecher des Genossenschaftsverbands Frankfurt, der für die wirtschaftliche Kontrolle der beiden Volksbanken zuständig ist, sagte, der Verband wolle die geplante Fusion „konstruktiv begleiten“ und zu ihrem Gelingen beitragen. „Die Frankfurter Volksbank hat in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass sie erfolgreich fusionieren kann“, so der Sprecher.

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