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Kommunale Vorstände : Wo Chefinnen weiter eine Rarität sind

Selten: Diana Rauhut ist ein Viertel des Mainova-Vorstands. Bild: Mainova

Laut einer Studie ist Offenbach Spitzenreiter, wenn es um Frauen in Toppositionen geht. Dort ist mehr als die Hälfte der Führungsposten in kommunalen Unternehmen weiblich besetzt – das gibt es bundesweit nirgendwo sonst.

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          Während in Parteien und Parlamenten derzeit wieder eine stärkere Beteiligung von Frauen eingefordert wird, gibt es ausgerechnet in von Politikern kontrollierten kommunalen Unternehmen weiterhin nur wenige weibliche Führungskräfte. Besonders schlecht schneiden dabei mehrere Großstädte aus der Rhein-Main-Region ab, wie eine aktuelle bundesweite Studie zeigt. Frankfurter Betriebe der Stadt kommen demnach nur auf einen Frauenanteil von 13 Prozent, Mainz nur auf neun Prozent. In Wiesbaden und Darmstadt ist zwar jeweils ein Fünftel des Managements weiblich, aber das ist immer noch weniger als der Hessen-Durchschnitt von 22 Prozent. Bundesweiter Spitzenreiter dagegen ist Offenbach. Dort ist mehr als die Hälfte der Führungspositionen in kommunalen Unternehmen weiblich besetzt – das gibt es bundesweit nirgendwo sonst.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Forscher der Zeppelin-Universität Friedrichshafen analysierten 1500 kommunale Unternehmen in 69 Städten. Dabei wurde auch nach Branchen und Betriebsgröße differenziert. Das Ergebnis: Je kleiner und sozialer ein Unternehmen ist, desto eher sind dort Frauen an der Spitze – wobei sie auch dort weiterhin in der Minderheit sind. Die höchsten Anteile fanden die Forscher in den Sparten Zoo und Naturpflege, Gesundheit, Soziales und Bildung, dort ist mehr als ein Viertel, teils sogar mehr als ein Drittel des Managements weiblich. In Stadtwerken und Müllunternehmen dagegen sind es nur neun Prozent. Der Langzeitvergleich zeigt zudem, dass der Frauenanteil in den vergangenen Jahren nur wenig gestiegen ist. Freiwerdende Stellen wurden in vier von fünf Fällen abermals mit einem Mann besetzt.

          „Die Zahlen dokumentieren, dass – abgeleitet aus den selbst formulierten Zielen – in vielen Städten nach wie vor großer Handlungsbedarf besteht“, schreiben die Autoren. Von einer paritätischen Besetzung seien die Spitzen der kommunalen Betriebe noch weit entfernt. Dabei sei gerade in öffentlichen Unternehmen die Politik dazu angehalten, ihre Vorbildfunktion und ihre Einflussmöglichkeiten als Eigentümerin wahrzunehmen, meinen die Autoren.

          Die Studie trifft keine Aussage darüber, warum der Frauenanteil weiterhin so niedrig ist. Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln hatte 2017 herausgefunden, dass der Frauenanteil im Management korreliert mit der Quote weiblicher Bewerbungen – es mangelt also mitunter an Kandidatinnen. Andere Studien wiederum deuten darauf hin, dass Angehörige einer Minderheit – etwa Frauen oder auch Migranten in Vorständen – von der Mehrheit als Fremdkörper wahrgenommen würden und sich daher stärker beweisen müssten als Mitglieder der Mehrheit, um zu bestehen.

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