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Öffnungszeiten : Die neue Unübersichtlichkeit

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Absprachen über Kernöffnungszeiten könnten für viele kleinere Orte eine Lösung sein, meint Albrecht, ohne zu verhehlen, wie schwierig so etwas sei. Man könne beispielsweise eine Bäckerei schlecht zwingen, abends länger aufzuhaben, wenn sie dann gar kein Brot mehr habe. In Darmstadt hingegen scheint eine Absprache zumindest für einen „langen Donnerstag“ auf gutem Wege zu sein. Auch das Nordwestzentrum in Frankfurt hat donnerstags bis 22 Uhr geöffnet, wohingegen das Hessen-Center drei lange Tage hat.

Die Umsätze scheinen zur Zeit fast überall außergewöhnlich gut zu sein. Inwieweit es dabei eine Verschiebung vom mittelständischen Einzelhandel auf die großen Zentren gibt, läßt sich noch nicht sagen. Die Frankfurter Einzelhändler berichten, ihre Stammkunden kämen wie eh und je. Kaufhof und Karstadt in Frankfurt schwärmen sogar ausdrücklich von guten Umsätze in den Abendstunden. Ihre Konkurrenten meinen, das habe gerade bei Kaufhof viel mit der außergewöhnlich günstigen Lage zu tun - andernorts sei nach 21 Uhr zumindest bisher „fast nichts los“.

Von besonderen Härtefällen bei den Verkäufern weiß die Gewerkschaft bislang nicht zu berichten. „Dafür haben die Betriebsräte, zumindest in den Geschäften, in denen es Betriebsräte gibt, gesorgt“, meint Riss. Gleichwohl sei sie der Meinung, daß schon Arbeitszeiten bis 20 Uhr für Beschäftigte nicht gut seien: „Da kann man nicht mehr ins Kino, und auch das sonstige soziale Leben leidet.“ Besonders zornig seien ihre Gewerkschaftsmitglieder, wenn jetzt auch noch darüber diskutiert werde, die Zuschläge für die Abendstunden abzuschaffen.

Später öffnen, dafür auch später schließen?

In einem nun veröffentlichten Interview vertritt der Chef des Einzelhandelskonzerns Metro, Hans-Joachim Körber, die Auffassung, die verlängerten Ladenöffnungszeiten seien auf Dauer für die Geschäfte nur dann zu verwirklichen, wenn die Regelung über die Abendzuschläge in Höhe von 50 Prozent gekippt werde. „Das kann doch wohl nicht sein, daß die Verkäufer auf der einen Seite jetzt länger arbeiten sollen, und auf der anderen Seite wird ihnen auch noch was weggenommen“, meint Riss. Auch Körbers Vorschlag, Läden könnten ja vielleicht auch im Gegenzug montags in der Früh später öffnen, weil dann noch wenig los sei, kann sie nicht viel abgewinnen.

Wenn man mit Kunden spricht, hört man viel Gutes über die neuen Ladenöffnungszeiten. Menschen aus den Frankfurter Bürotürmen, bei denen der Lebensmitteleinkauf nach Dienstschluß sonst immer knapp wurde, haben auf einmal richtig Zeit. Von Leuten, die abends Fernseher kaufen, hört man hingegen weniger. Bei einer Umfrage des Mannheimer Instituts für praxisorientierte Sozialforschung haben immerhin 50,4 Prozent der 1000 befragten Frankfurter angegeben, sie fänden die neuen Möglichkeiten gut. Und die langen Schlangen an der Autobahnabfahrt zum Main-Taunus-Zentrum sprechen für sich.

Man könnte sich vorstellen, daß die Tankstellen zu den Verlierern der neuen Regelung gehören, wenn die Menschen jetzt nicht mehr dorthin fahren, weil sie abends noch einen Sechserträger Bier brauchen. Auf Nachfrage geben Tankstellen-Pächter jedoch an, wenig davon zu spüren. Bei der Aral-Zentrale heißt es, die meisten Tankstellen machten ihr Hauptgeschäft ohnehin zwischen 7 und 9 Uhr morgens sowie am späten Nachmittag. Dabei spiele die Möglichkeit, dort parken zu können, gerade in den Innenstädten eine größere Rolle als die Ladenöffnungszeiten. Einer Studie zufolge leben die Tankstellen heute primär von „Spontankäufen“, nicht mehr von „Notkäufen“ wie noch vor einigen Jahren, als die strengen Ladenschlußzeiten das wichtigste Motiv für Tankstellenshop-Kunden gewesen seien. Christian Siedenbiedel

Öffnungszeiten laut „City-Forum Pro Frankfurt“ (Stand 20. Dezember):

Montags bis samstags bis 22 Uhr: Bijou Brigitte, Conrad Electronic, C & A, Esprit, Galeria Kaufhof, Rossmann, Saturn, Sportarena, Woolworth.

Donnerstags bis samstags bis 22 Uhr: Adidas, Appelrath & Cüpper, Hugendubel, H & M, Karstadt, Orsay (bis 23. Dezember), Douglas, Pimkie, Pohland, Promod, Zara, Zeilgalerie.

Freitags und samstags bis 22 Uhr: Eckerle Herrenmoden, Mango, Motivi, Nike Frankfurt, Peek & Cloppenburg, Puma Store, Skechers, Strauss Innovation, Zero.

Donnerstags bis 22 Uhr: Wormland.

Die Geschäfte von Nike Frankfurt, Peek & Cloppenburg und Promod haben zusätzlich vom 27. bis 30. Dezember bis 22 Uhr geöffnet. Görtz hat jetzt donnerstags bis samstags bis 21 Uhr geöffnet. Interieur Design öffnet täglich von 11 bis 21 Uhr. Betten Zellekens hat samstags um eine Stunde verlängert, bis 19 Uhr. Lorey öffnet an den Adventssamstagen sowie werktags vom 18. bis 30. Dezember bis 20 Uhr. Der Frankfurter Laufshop ist bei seinen Öffnungszeiten geblieben, montags bis freitags 10 bis 19 Uhr, samstags 10 bis 16 Uhr. New Yorker hat die Öffnungszeiten freitags und samstags bis 21 Uhr verlängert.

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