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Dürre-Hilfen für Bauern : Nur in Notfällen

Abfuhr: Die Ertragseinbußen bei Weizen liegen dieses Jahr in Hessen bei einem Zehntel - hier ein Mähdrescher in Otzberg Bild: Michael Kretzer

Nothilfen für Bauern muss niemand bejubeln. Zu bedenken ist aber: Nur wer mehr als 30 Prozent Ertragseinbußen gemessen am Mittel der vergangenen drei Jahre vorweisen kann, darf auf diese Gelder hoffen. Und das ist noch nicht alles.

          Jeder Gartenbesitzer und Balkongärtner weiß: So durstig wie seit dem ausgehenden Frühjahr sind Pflanzen selten. Das gilt auch und gerade für Pflanzen in der Landwirtschaft. Folgerichtig haben Bauernlobbyisten zuletzt vor den wirtschaftlichen Folgen der Trockenheit für viele Höfe auch in Hessen gewarnt. Je länger der Regen ausblieb, desto mehr ist von Dürre geredet worden, was dramatischer klingt als Trockenheit.

          Nun ist Hessen auch in regenarmen Zeiten nicht die Sahelzone. Das zeigt sich jetzt im vorläufigen Ergebnis der Getreide- und Grünfutterernte zwischen Nordhessen und dem Odenwald. Angesichts der jetzt präsentierten Zahlen dürfen Hessens Bauernlobbyisten froh sein, nicht so laut getrommelt zu haben wie der Bundesverband. Denn die Einbußen von 12,6 Prozent im Vergleich zur durchschnittlichen Erntemenge der vergangenen fünf Jahre muten verkraftbar an. Bereinigt um Veränderungen bei der Anbaufläche für Weizen liegt das Minus bei einem Zehntel. Das ist kein Vergleich zu den 70 Prozent, die Bauern im Norden und im Nordosten der Republik hinnehmen müssen. Auch der Rückgang bei der Ölsaat Raps um 15 Prozent klingt deutlich, aber nicht dramatisch.

          Grünfutter fehlt vielerorts

          Also doch nur alles halb so wild auf Hessens Äckern? Die Antwort lautet: Kommt darauf an. Nämlich auf den Standort. Selbst im vielerorts von sandigen Böden geprägten Südhessen ist manch ein Bauer mit der Weizenernte und dem Maiswachstum zufrieden. Aber nur ein paar Kilometer weiter sieht es mitunter ganz anders aus. Selbst in der Wetterau mit ihren Bilderbuchböden steht hier und da kümmerlicher Mais.

          Die Trockenheit trifft vor allem Rinderhalter, die meist auch Grünland bewirtschaften. Mähen sie in normalen Zeiten drei, vier Mal ihre Wiesen, ist es diesen Sommer bei der zweiten Mahd geblieben, wenn überhaupt. Nun fehlt das Heu für die Kühe. Die Bauern müssen enorme Mengen an Futter zukaufen, das viel teurer ist als sonst. Hier kommen Nothilfen ins Spiel, um in dieser ohnehin von Subventionen abhängigen Branche Existenzen zu sichern.

          Nothilfen muss niemand bejubeln. Zu bedenken ist aber: Nur wer mehr als 30 Prozent Ertragseinbußen gemessen am Mittel der vergangenen drei Jahre vorweisen kann, darf auf diese Gelder hoffen. Zudem müssen sie die Bedürftigkeitsprüfung bestehen. Nicht zuletzt lassen die in Rede stehenden überschaubaren Beträge hoffen, dass wirklich nur in Notfällen geholfen wird.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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