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: Notfalls wartet Ikea lieber

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In der Auseinandersetzung des schwedischen Möbelkonzerns Ikea mit dem Sanitätsunternehmen Reininger AG um eine Gewerbefläche in Nieder-Eschbach denken die Schweden weder an ein höheres Angebot noch daran, ihr drittes Möbelhaus im Frankfurter Umland an einem anderen Standort zu bauen.

          In der Auseinandersetzung des schwedischen Möbelkonzerns Ikea mit dem Sanitätsunternehmen Reininger AG um eine Gewerbefläche in Nieder-Eschbach denken die Schweden weder an ein höheres Angebot noch daran, ihr drittes Möbelhaus im Frankfurter Umland an einem anderen Standort zu bauen. Darüber ließ Werner Weber, scheidender Deutschlandchef des Möbelriesen, bei der Jahrespressekonferenz in Frankfurt keinen Zweifel. "Wir haben ein sehr faires Angebot gemacht" meinte Weber. 900000 Euro will Ikea der Reininger AG dann zahlen, wenn diese das Grundstück, das Ikea inzwischen erworben hat, bereits vor dem regulären Mietende Mitte 2007 räumt. Das Möbelhaus will hier und auf angrenzenden Flächen Ende nächsten Jahres, spätestens aber Anfang 2007 nach Wallau und Hanau ein weiteres Haus in der Region eröffnen.

          Kommt es zu keiner Einigung, würde Ikea mindestens ein Jahr verlieren. Denn ein Ausweichen auf einen anderen Standort ist in diesem fortgeschrittenen Stadium des Engagements der Schweden in Nieder-Eschbach kein Thema: "Das ist nicht unser Weg, nun zu sagen, gehen wir eben woanders hin", meinte Weber, der zum 1.September von der Deutschlandzentrale in Wallau als stellvertretender Europa-Chef in die Konzernzentrale in Helsingborg wechselt. Ikea wolle nach Nieder-Eschbach und nehme eben notfalls auch eine Verzögerung in Kauf.

          Mit derzeit 36 Filialen ist der deutsche Markt für Ikea der wichtigste. So dürfte auch in dem in zwei Wochen endenden Geschäftsjahr 2005 Ikea Deutschland mit 2,77 Milliarden Euro wieder mindestens 20 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaftet haben. Wie Weber gestern allerdings meinte, wächst sein Haus in den Vereinigten Staaten, wo es zur Zeit 22 der weltweit 213 Möbelhäuser betreibt, im Moment so rasant, daß Amerika Deutschland bald von Platz eins verdrängen könnte.

          Gleichwohl laufen die Geschäfte den Angaben zufolge für Ikea auch in Deutschland sehr gut. Nach einem Umsatzwachstum von zwölf Prozent auf 2,45 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2004 sei nun noch einmal ein Umsatzplus von 11,2 Prozent auf die genannten 2,77 Milliarden erreicht worden. In beiden Fällen ist im Umsatzanstieg allerdings die Eröffnung neuer Dependancen enthalten. Bereinigt liegt der Umsatz im Geschäftsjahr 2005 aber immer noch bei acht Prozent. Hier kamen neue Häuser in Duisburg, Siegen und Osnabrück hinzu. Die Schweden zählten im Geschäftsjahr 2005 zudem nicht nur einen Besucherzuwachs in Höhe von acht Prozent auf 88,1 Millionen Menschen. 38,5 Millionen von diesen, gut zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor, haben sich auch dazu entschlossen, etwas bei Ikea zu kaufen.

          Dabei erzielt das schwedische Möbelhaus sein Wachstum in einem Markt, der durch Flächenüberhang, einen über Jahre andauernden Umsatzrückgang und einen Konsoldierungsprozeß mit Übernahmen, Schließungen und erbitterten Rabattschlachten charakterisiert ist. In der gesamten Branche gingen allein von 2000 bis 2003 die Umsätze um zwölf Prozent zurück. Besonders drastisch war der Rückgang 2002, als das Statistische Bundesamt ein Absinken um acht Prozent festhielt. Erst im vergangenen Jahr konnte die Branche wieder einen leichten Umsatzanstieg von 1,5 Prozent melden. Gleichwohl sind die Erwartungen des Handels für die nächsten Monate alles andere als positiv (siehe Graphik).

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