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Neun Filialen in Rhein-Main : Burger King versucht Neuanfang

  • -Aktualisiert am

Unter neuer Leitung: Zu den Filialen der Yi-Ko-Holding zählt auch diese an der Mainzer Landstraße in Frankfurt. Bild: Röth, Frank

Nach den Enthüllungen über Hygienemängel bei Burger King bekommen auch neun Filialen im Rhein-Main-Gebiet eine neue Führung. Eine Mitarbeiterin sagt, das Umetikettieren von Lebensmitteln sei in Frankfurt üblich gewesen.

          Nach Berichten über mangelnde Hygiene und schlechte Arbeitsbedingungen in einigen Burger-King-Schnellrestaurants hat die Dachgesellschaft nun Konsequenzen gezogen. Auch viele Filialen der Imbisskette im Rhein-Main-Gebiet, die bisher der Franchise-Nehmer Ergün Yildiz in Lizenz betrieb, stehen nun unter neuer Führung, wie die Burger King Beteiligungsgesellschaft am Dienstag mitteilte.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff hatte für ein RTL-Magazin verdeckte Reporter als Mitarbeiter in verschiedene Burger-King-Restaurants des Franchisenehmers Yi-Ko-Holding eingeschleust. Dabei hatten sie unter anderem entdeckt, dass abgelaufene Lebensmittel mit neuen Haltbarkeitsetiketten versehen und die gegrillten Hackfleisch-Stücke länger als erlaubt warmgehalten wurden. In einigen Aufbewahrungsbehältern sind nach Angaben des Magazins Darmbakterien gefunden worden.

          Sechs Filialen wurden bundesweit geschlossen

          Die untersuchten Restaurants lagen in Nordrhein-Westfalen, doch die Yi-Ko-Holding mit Sitz in Stade hat auch mehrere Burger-King-Restaurants in der Rhein-Main-Region, in Frankfurt jenes an der Liebfrauenstraße, je eines an der Mainzer und an der Hanauer Landstraße sowie zwei an der Borsigallee. In Wiesbaden und Mainz betreibt das Unternehmen jeweils zwei solcher Schnellrestaurants.

          Im Mai 2013 hatten Yildiz und der russische Burger-King-Betreiber Alexander Kolobov mit ihrer Yi-Ko-Holding 91 Burger-King-Restaurants in ganz Deutschland übernommen. Unter dem Dach der Burger King Beteiligungsgesellschaft betreiben mehr als 100 selbständige Franchisenehmer Restaurants nach vorgegebenem Konzept, aber in eigener Regie. Nach außen ist kaum zu erkennen, welcher Betreiber welche der ähnlich aussehenden Imbisslokale betreibt. Wegen der Berichte hat die Dachgesellschaft nach eigenen Angaben Sonderprüfungen in allen Yi-Ko-Filialen vorgenommen. Bis Dienstag Nachmittag wurden demnach sechs der Restaurants wegen hygienischer Mängel vorübergehend geschlossen. Yildiz sei zurückgetreten, die Geschäfte soll nun Nicole Gottschalk übernehmen, die in der Dachgesellschaft bisher für die Betreuung der Franchisenehmer in Deutschland, Österreich und der Schweiz zuständig war. Welche Filialen geschlossen wurden und inwieweit Restaurants im Rhein-Main-Gebiet betroffen sind, dazu machte Burger King auf Nachfrage keine Angaben.

          Restaurant in Fulda laut Mitarbeiter geschlossen

          Aus Mitarbeiterkreisen verlautete unterdessen, dass das Umetikettieren von Lebensmitteln auch in den Frankfurter Filialen üblich gewesen sei. Die gleiche Quelle berichtete, dass zu den geschlossenen Filialen eine in Fulda zähle. Der Burger King an der Frankfurter Liebfrauenstraße hingegen sei zwar ebenfalls derzeit geschlossen, dort werde aber schon seit zwei Wochen umgebaut.

          Das Frankfurter Ordnungsamt, das für die Hygienekontrollen in den Restaurants zuständig ist, teilte am Dienstag auf Anfrage mit, dass die sieben Frankfurter Burger-King-Filialen in den Jahren 2013 und 2014 bisher siebzehnmal kontrolliert worden seien. Außer den fünf von Yi-Ko betriebenen Restaurants gibt es in der Stadt noch zwei von einem anderen Betreiber im Hauptbahnhof. „In einem Fall wurde wegen hygienischer Mängel ein Bußgeldverfahren eingeleitet und in einem anderen Fall ein Verwarnungsgeld erhoben, da nur geringfügige lebensmittelhygienische Beanstandungsgründe vorlagen“, sagte ein Sprecher des Ordnungsamts. „Die bei der verdeckten Ermittlung von Wallraff in dem Ausmaß festgestellten lebensmittelrechtlichen Verstöße können für die Frankfurter Filialen nicht bestätigt werden“, teilte er weiter mit. Wie oft ein Betrieb überprüft werde, ergebe sich aus einer gesetzlich geregelten Risikoeinstufung. Der Takt reicht von einmal täglich bis alle drei Jahre. Für die Burger-King-Filialen liege er zwischen sechs und 18 Monaten.

          Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) liegt schon länger im Streit mit dem Franchisenehmer Yildiz. Im vergangenen August hatte ein Fall vor dem Frankfurter Arbeitsgericht für Schlagzeilen gesorgt, in dem Yildiz von einem freigestellten Betriebsrat die Rückzahlung von Gehältern in Höhe von 49.000 Euro verlangt hatte.

          In solchen und ähnlichen Fällen hat die Gewerkschaft nach eigenen Angaben ihren Mitgliedern seit Mai 2013 in ganz Deutschland in 320 Fällen Rechtschutz gegen die Yi-Ko-Holding gewährt. Entsprechend positiv fiel in der NGG am Dienstag die Reaktion auf den Rücktritt von Yildiz aus. „Das ist ein wichtiges Signal, dem jetzt Taten folgen müssen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft, Burkhard Siebert. Nicht nur die Hygiene und die Lebensmittelsicherheit müssten geprüft werden, auch für die Arbeitsbedingungen und die Rechtssicherheit der Beschäftigten müsse es einen Neubeginn geben.

          Andreas Bork, Geschäftsführer der Burger King Beteiligungsgesellschaft, sagte in einem im Internet veröffentlichten Video, dass die übergangsweise eingesetzte Geschäftsführerin Gottschalk unter anderem Erfahrung in der Mitarbeiterführung mitbringe. Alle Änderungen hinsichtlich Arbeitssicherheit, Qualitätssicherung und Hygiene in den betroffenen Filialen sollten nun vorab von der Dachgesellschaft überprüft werden.

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