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Opel und PSA : Neumann will Opel-Chef bleiben

Schon bald französisch: Wehende Fahnen vor dem Opelwerk in Rüsselsheim Bild: dpa

Opel und Vauxhall sollen von der französischen PSA-Gruppe übernommen werden. Dabei formuliert PSA klare Zielvorgaben: Bis spätestens 2020 möchte der französische Käufer schwarze Zahlen sehen.

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          Abgesehen von der Zusicherung, geltende Tarifverträge einzuhalten, hat der PSA-Vorstandsvorsitzende Carlos Tavares gestern in Paris nichts versprochen. Zusammen mit General-Motors-Chefin Mary Barra verkündete Tavares dort die Übernahme Opels und der Schwester Vauxhall durch die französische PSA-Gruppe. Dabei formulierte er klare Zielvorgaben für die Rüsselsheimer Autobauer: In spätestens drei Jahren soll das Unternehmen profitabel sein.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Bis 2026 erwartet Tavares jährlich Einsparungen von 1,7 Milliarden Euro. Das Volumen des Deals zwischen dem amerikanischen GM-Konzern und der PSA-Gruppe wird mit 2,2 Milliarden Euro angegeben. Dabei entfallen auf das eigentliche Geschäftsfeld Automobile 1,3 Milliarden Euro und auf den Finanzierungsdienstleister GM Financial 0,9 Milliarden.

          Neumann habe einen sehr guten Job gemacht

          Weder was das Management von Opel betrifft, noch was die Zahl der Werke in Deutschland und Europa angeht, machte Tavares verbindliche Zusagen. Auf die Frage dieser Zeitung, ob Karl-Thomas Neumann auch nach dem Abschluss der Verkaufsprozedur, der für das Jahresende vorgesehen ist, Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG sein werde, sagte Tavares, Neumann habe einen sehr guten Job gemacht: Ohne den Entschluss der Briten, die EU zu verlassen, hätte Opel schon 2016 die Ertragswende geschafft. Neumann selbst hob in seiner Antwort hervor, er wolle weiter an der Spitze von Opel/Vauxhall für die Ertragswende arbeiten.

          Tavares hat gestern zwar auf Nachfrage gesagt, dass man aus ethischen Gründen die von GM ausgesprochenen Garantien, etwa den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2018, natürlich erfüllen werde. Tatsächlich vollzieht er damit allerdings nichts anderes als geltende Gesetze, wie die IG Metall gestern bestätigte. Denn der Verkauf stelle rechtlich einen Betriebsübergang nach Paragraph 613a des Bürgerlichen Gesetzbuches dar. Damit übernehme der neue Eigentümer nicht nur die Rechte des bisherigen Besitzers, sondern auch alle Pflichten, sagte der Gewerkschaftssprecher.

          Zum IG-Metall-Bezirk Mitte gehören alle drei Bundesländer, in denen sich Opel-Werke befinden: Hessen mit dem Stammwerk Rüsselsheim, Rheinland-Pfalz mit dem Werk in Kaiserslautern und Thüringen mit dem Werk in Eisenach. Am Stammsitz in Rüsselsheim arbeiten rund 15.000 Männer und Frauen. Alles in allem zählt Opel derzeit in Deutschland 19.000 Beschäftigte. In ganz Europa sind es mit Vauxhall gut 38.000 Mitarbeiter.

          Fahrzeugplattformen sollen zusammengeführt werden

          Die zentrale Botschaft Tavares’ an die Belegschaften von Opel und Vauxhall war, dass es auf das Unternehmen selbst und seine Mitarbeiter ankomme. Deren Leistungsfähigkeit und Innovationskraft, auf die er und sein Haus fest vertrauten, seien die einzige Garantie dafür, dass ein Unternehmen Erfolg haben und Standorte wie Arbeitsplätze gesichert werden könnten.

          Wolfgang Schäfer-Klug, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Opel, teilte mit, dass alle von der Übernahme betroffenen Opel-Gesellschaften in einer Gesamtgesellschaft zusammengeführt würden. Das erleichtere es, die Eigenständigkeit der Marke weitgehend sicherzustellen. Die Übernahme von Opel/Vauxhall umfasst sechs Montage- und fünf Produktionsanlagen für Systemkomponenten sowie das Rüsselsheimer Entwicklungszentrum. Das Entwicklungszentrum in Turin wird dagegen weiter von GM betrieben.

          Wie es weiter hieß, sollen Opel und Vauxhall so lange weiter von den GM-Lizenzen profitieren, bis die Autos auf PSA-Plattformen gebaut werden können. Denn einen Weg, die genannten Einsparziele zu erreichen, sieht Tavares darin, möglichst viele Fahrzeugplattformen zusammenzuführen. Auf diese Weise möchte er PSA mit Opel zu einem rentablen europäischen Champion machen.

          Der französische Konzern wird durch die Übernahme des Opel/Vauxhall-Geschäftes mit einem Umsatz von zuletzt 17,7 Milliarden Euro zum zweitgrößten Autobauer in Europa. Der Marktanteil von 17 Prozent wird dann nur noch von Volkswagen übertroffen.

          „Lange genug die ungeliebte Tochter gewesen“

          Vertreter von Regierung und Opposition im Landtag haben sich vorsichtig optimistisch zur Zukunft von Opel in Deutschland geäußert. Die gestern erzielte Einigung auf eine Übernahme von Opel durch den französischen Autokonzern PSA sei ein erster Schritt, um in Europa einen „Global Player“ zu schaffen, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). In einer gemeinsamen Erklärung äußern sich Bouffier sowie die Regierungschefs von Rheinland-Pfalz und Thüringen, Malu Dreyer (SPD) und Bodo Ramelow (Die Linke), zudem erfreut über die Zusage, die bestehenden Verträge über Standorte, Beschäftigung und Investitionen zu achten und Opel/Vauxhall als selbständige Marke mit eigenem Management fortzuführen. Nun müsse sichergestellt werden, dass das europäische Opel-Management, der Gesamtbetriebsrat und der europäische Betriebsrat von Opel in vollem Umfang in die weiteren Gespräche einbezogen würden. „Ihr Wissen muss zum Wohle des Konzerns in die Beratungen einfließen.“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Thorsten Schäfer-Gümbel, sagte: „Es ist gut, dass wir jetzt erste Klarheit über die Rahmenbedingungen des Verkaufs von Opel an die PSA Group haben.“ Positiv sei auch, dass PSA die von General Motors mit den Betriebsräten und der IG Metall vereinbarten vertraglichen Zusicherungen für den Erhalt der Arbeitsplätze und der Standorte übernehme. Was die Verlautbarungen wert seien, werde sich aber erst bei den anstehenden Entscheidungen über die längerfristige Ausrichtung des neuen Konzerns zeigen. Aus Sicht von CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg ist die Übernahme von Opel die erste Etappe auf dem Weg zu einem neuen, zukunftsfähigen europäischen Automobilkonzern, der sich auch im weltweiten Wettbewerb behaupten könne. „Opel war lange genug die ungeliebte Unternehmenstochter von General Motors“, sagte Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner. Zwischen PSA und Opel sollte nun eine Partnerschaft unter Gleichen angestrebt werden. Die Zukunft der Automobilindustrie liege in schadstoffarmen oder schadstofffreien Antrieben, Elektromobilität und Mobilitätsdienstleistungen. Er hoffe, so Wagner, dass PSA vor diesem Hintergrund die Bedeutung des Opel-Entwicklungszentrums in Rüsselsheim erkenne. Skeptisch äußerte sich die Linkspartei. Ob der Besitzerwechsel gut für Opel sei, bleibe abzuwarten, sagte die Fraktionsvorsitzende Janine Wissler. Schlimmstenfalls würden nun einzelne Produktionsstandorte gegeneinander ausgespielt. Das Land Hessen habe bei der Opel-Krise vor einigen Jahren die Chance verpasst, sich an dem Unternehmen zu beteiligen und sich so ein Mitspracherecht zu sichern. Nun seien wohl allein betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte und nicht das Wohl der Beschäftigten ausschlaggebend. Deshalb drohe ein personeller „Kahlschlag“ nach Ablauf der bis Ende 2018 geltenden Beschäftigungszusagen. (ler.)

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