https://www.faz.net/-gzg-8otwe

Neues aus dem Frankfurter Geschäftsleben : Tradition geht, Moderne kommt

Der Bart ist ab: Stefan Seufer, Inhaber von „Der Trockenrasierer“, verlässt die Kaiserstraße. Bild: Frank Röth

Mit „Drogerie Werner“ und „Der Trockenrasierer“ verabschieden sich zwei alteingesessene Geschäfte aus Bockenheim und dem Frankfurter Bahnhofsviertel.

          Wer seinen Kindern, die nur die Ketten dm und Rossmann kennen, einmal zeigen möchte, wie ein inhabergeführtes, traditionelles Drogeriegeschäft aussieht, der muss noch in dieser Woche die Drogerie Werner am Kirchplatz in Bockenheim aufsuchen. Dort, an der Grempstraße 32, steht die kleine Zeitkonserve: 1925 zunächst als „Farbenhaus Werner“ eröffnet, dann nach dem Krieg wiederaufgebaut und als Drogerie weitergeführt. Seitdem stand Margot Werner – im weißen Kittel, wie sich das gehört – jeden Tag im Laden, anfangs an der Seite ihres Mannes.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach dessen Tod vor 34 Jahren führte sie das Geschäft allein weiter. Ihr 58 Jahre alter Sohn half ihr dabei. Weil sie im Januar 84 Jahre alt wird und die Beine nicht mehr so wollen, wie sie sagt, wird sie das Geschäft am 31. Dezember schließen. Es ist noch erstaunlich gut sortiert, von Verstaubtheit keine Spur. Heute startet der Böller- und Raketenverkauf. Auf alle anderen Artikel gibt es bis Ende der Woche 50 Prozent Rabatt. Danach wird dort ein Café einziehen. „Es wird mir schon was fehlen“, sagt Margot Werner nach der langen Zeit.

          Rasiergeschäft zieht weg und Freitag-Taschen im eigenen Store

          Viele Einzelhändler im Frankfurter Bahnhofsviertel sehen kaum noch Zukunft an ihrem Standort. Nach dem Traditionshaus Cream Music an der Taunusstraße gibt jetzt auch ein kleines Fachgeschäft an der Kaiserstraße nahe beim Hauptbahnhof auf und konzentriert sich fortan auf den Standort Töngesgasse. Cream Music wird, wie berichtet, nach Sachsenhausen ziehen. „Der Trockenrasierer“ heißt das 25 Quadratmeter große Lädchen, das 1963 von Manfred Seufer als erstes Fachgeschäft für Braun-Rasierer eröffnet wurde. Heute führt Sohn Stefan Seufer die Geschäfte. In weiser Voraussicht habe er schon vor drei Jahren den Braun Kundendienst (Mann & Koptisch) an der Töngesgasse übernommen, sagt er, weil er keine Besserung erwartete.

          Seufer beklagt zwei Entwicklungen im Bahnhofsviertel. Da sei die zunehmende Drogenkriminalität, da seien nicht zuletzt die Medienberichte darüber, die Kunden zunehmend davon abhielten, sich überhaupt noch in das Viertel zu wagen. Außerdem entwickle sich das Quartier zu einem Bar- und Ausgehviertel, immer mehr Fastfood- und andere Gastronomieketten übernähmen Flächen. „Es kommt keiner mehr an die Kaiserstraße zum Einkaufen.“ Was die Drogensituation anbelangt, hat aus Seufers Sicht nicht die Polizei, sondern die Stadtpolitik versagt. Er habe den Eindruck, dass Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) von den Kollegen wenig Unterstützung bekomme. „Jeder hat Angst, dass sich die Probleme vor die eigene Tür verlagern“, sagt Seufer. Morgen ist der letzte Verkaufstag.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Dietmar Bartsch, Linken-Fraktionschef im Bundestag, steht Rede und Antwort beim ARD-Sommerinterview.

          TV-Kritik: „Sommerinterview“ : Erzählen Sie lieber was vom Pferd!

          In der ARD darf Dietmar Bartsch die Linke groß reden, im ZDF versucht Shakuntala Banerjee, die FDP kleiner zu halten, als sie ist. Besser wäre es, über das Format der Sommerinterviews neu nachzudenken: Oberflächliche Dampfplauderei ist entbehrlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.