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Neuer Standort für Brauerei : Radeberger beharrt auf Nieder-Eschbach

Blick in die Flaschenabfüllung bei Binding: Die Radeberger-Gruppe will ihren Standort an der Darmstädter Landstraße aufgeben und sucht nach Ersatz Bild: Frank Röth

Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) will sich dafür einsetzen, die Radeberger Gruppe in Frankfurt zu halten. Sie kündigte im Gespräch mit der Rhein-Main-Zeitung an, bei der Brauerei dafür zu werben, dass sie sich doch im Industriepark Höchst niederlasse.

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          Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) will sich dafür einsetzen, die Radeberger Gruppe in Frankfurt zu halten. Sie kündigte im Gespräch mit der Rhein-Main-Zeitung an, bei der Brauerei dafür zu werben, dass sie sich doch im Industriepark Höchst niederlasse. Das lehnt Radeberger bisher allerdings klar ab. Baurecht für den von Radeberger favorisierten Standort in Nieder-Eschbach zu schaffen, bezeichnete Roth wiederum als sehr schwierig. "Radeberger ist ein Traditionsunternehmen, an dem uns sehr liegt", sagte das Stadtoberhaupt und verwies auf die 500 Arbeitsplätze bei dem Unternehmen, das früher unter dem Namen Binding firmierte.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die zum Oetker-Konzern zählende Radeberger Gruppe will ihren Standort in Sachsenhausen aufgeben und sucht deshalb eine Fläche von 15 Hektar an anderer Stelle im Stadtgebiet. Darüber ist es zu einer Auseinandersetzung gekommen. Aus einer vom Planungsdezernat im August überlassenen Liste mit 13 in Frage kommenden Arealen hatte sich das Management nach wochenlangen Prüfungen eine Fläche in Nieder-Eschbach, unweit von Ikea, ausgesucht. Ein Spitzengespräch bei Roth am Montag sollte eigentlich einen Fortschritt in den Verhandlungen zwischen dem Radeberger-Management und der Stadt bringen. Tatsächlich ist aber seitdem alles ungewisser denn je.

          Umweltdezernentin nicht frühzeitig informiert

          Nach Informationen dieser Zeitung ist das Gespräch am Montag ausgesprochen unglücklich verlaufen. Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) hatte nach eigenem Bekunden erst kurz zuvor erfahren, dass Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) mit dem Areal in Nieder-Eschbach eines angeboten hatte, das zum Teil in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Das erweist sich nun als Stolperstein: Die Grünen halten es aus diesem Grund für rundweg nicht geeignet. Der Gegensatz wurde während des Gesprächs offenkundig; der Magistrat sprach gegenüber Radeberger nicht mit einer Stimme.

          Zu der Frage, warum sich der Magistrat und die Spitzen von CDU und Grünen nicht im August auf eine unstrittige Liste von Standorten verständigt und erst diese an Radeberger geschickt hätten, hieß es gestern, die Klärung solcher Fragen dauere in Frankfurt, wie man an der Diskussion um das Hochhausprojekt Campanile sehe, leicht ein Jahr. Im Römer wurde weiter bedeutet, den Planern sei von vornherein klar gewesen, dass ein optimaler Standort überhaupt nicht zu finden gewesen sei. Letztlich sei die Stadt einfach zu klein, um eine Auswahl derart großer Freiflächen bereitzuhalten.

          „Ich möchte ein konkretes Angebot“

          Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer verteidigte die Entscheidung für das Grundstück in Nieder-Eschbach. Die Verkehrserschließung müsse gewährleistet sein, weil mit 200 Lastwagenfahrten am Tag gerechnet werde. Von den angebotenen Flächen seien jedoch allein zwei nicht in Frage gekommen, weil sie zu klein seien, zwei, weil sie nicht zusammenhängend seien, und drei wegen benachbarter Wohnbebauung. In einem Fall müssten mit Dutzenden Eigentümern Verhandlungen geführt werden. Höchst komme wegen der Nähe zur Chemie nicht in Frage. Die Grundstückspreise spielten keine Rolle, weil es bisher kein Angebot gebe.

          Erst nach der Erfahrung mit den Kommunalpolitikern am Montag suchte Radeberger-Chef Kallmeyer am Dienstag den Weg an die Öffentlichkeit und forderte eine Positionierung der Stadt bis Jahresende. Er fürchte, dass er nach wochenlangen Verhandlungen wieder auf "Los" stehe, sagte er gestern: "Die Fläche in Nieder-Eschbach habe ich mir nicht ausgesucht, die ist mir angeboten worden." Die Mitarbeiter seien verunsichert, Ende 2011 müsse die neue Brauerei stehen. "Ich möchte ein konkretes Angebot, ich möchte loslegen." Der Konzernchef brachte ein weiteres Grundstück im Norden der Stadt ins Gespräch. Es handelt sich offenbar um Ackerflächen nördlich von Nieder-Eschbach, die der Stadt auch schon zum Kauf angeboten worden sein sollen.

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